Denkfabrik: Allensbach-Umfrage: "Familie als soziales Netz völlig unterschätzt"

Denkfabrik: Allensbach-Umfrage: "Familie als soziales Netz völlig unterschätzt"

Die Gefahr eines eskalierenden Generationenkonflikts ist geringer als angenommen. Die Familie unterstützt als soziales Netz die angeschlagenen Sozialsysteme. Davon profitieren alte und junge Generation gleichermaßen.

Kommen in Deutschland die Interessen der jungen Generation zu kurz? In Diskussionen um die Zukunft des Sozialstaates ist häufig von einer Interessenkonkurrenz zwischen den Generationen die Rede. Manche Auguren sehen gar einen Generationenkrieg heraufziehen, bei dem die Jungen von den Älteren Opfer verlangen und die ältere Generation ihre Ansprüche entschlossen verteidigt.

Doch ist das ein realistisches Szenario? Die Mehrheit der Bürger glaubt nicht daran. Nur jeder Dritte kann sich vorstellen, dass es künftig über Themen wie die Rente oder das Niveau von Gesundheitsleistungen und -kosten zu ernsthaften Verteilungskämpfen kommt. Noch weniger untermauern die Einstellungen zu konkreten Reformen die These von einer Frontstellung zwischen den Generationen. So votiert nicht nur die große Mehrheit der Älteren gegen begrenzte Abstriche bei den Renten, sondern auch die Mehrheit der unter 30-Jährigen. Generell halten es 24 Prozent aller Bürger und nur 18 Prozent der unter 30-Jährigen für notwendig, dass die ältere und mittlere Generation zugunsten folgender Generationen nennenswert Verzicht leisten.

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Die Propheten eines bevorstehenden harten Generationenkonfliktes übersehen, dass die staatlichen Sicherungssysteme und Transferzahlungen nur einen Teil der individuellen Absicherung und des Interessenausgleiches zwischen Alt und Jung ausmachen. Daneben stehen Leistungen, die die Generationen füreinander in der Familie erbringen. Die Bedeutung der Familie als soziales Netz für alle Generationen wird völlig unterschätzt. Während seit Jahrzehnten vor allem die niedrige Geburtenrate, die Scheidungsquoten und der sinkende Anteil von Eheschließungen thematisiert werden, spielt die Familie auch heute im Leben der überwältigenden Mehrheit eine zentrale Rolle.

82 Prozent der Bevölkerung berichten von einem starken Zusammenhalt in der Familie. Ebenso viele sind sicher, dass sie in schwierigen Situationen auf den Rückhalt in ihrem engsten persönlichen Umfeld bauen können. Bei finanziellen Problemen gehen zwei Drittel aller Bürger und 77 Prozent der jungen Generation davon aus, dass sie von Angehörigen unterstützt würden. Langzeitanalysen zeigen, dass das Zutrauen in den familiären Rückhalt in den vergangenen 20 Jahren kontinuierlich gestiegen ist.

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