Denkfabrik: Das Vertrauen der Deutschen wächst

Denkfabrik: Das Vertrauen der Deutschen wächst

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Renate Köcher ist u.a. Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach

Die Deutschen blicken so optimistisch wie lange nicht mehr in die Zukunft. Trotzdem sieht sich nur eine Minderheit als Nutznießer des wirtschaftlichen Aufschwungs.

Der dynamische Aufschwung und die sinkenden Arbeitslosenzahlen hellen die Stimmung der Bundesbürger immer mehr auf. Überwog noch während der ersten Jahreshälfte das Misstrauen gegenüber den wirtschaftlichen Erfolgsmeldungen, wächst seit Juli das Vertrauen kontinuierlich, dass der Aufschwung stabil ist und trägt. Mittlerweile gehen 45 Prozent der Bürger von einem anhaltenden Aufwärtstrend aus, weitere 35 Prozent von einer weitgehend stabilen Lage. Der Anteil, der in den nächsten Monaten einen konjunkturellen Rückschlag befürchtet, ist seit Jahresmitte von 38 auf 10 Prozent geschmolzen.

Skepsis bleibt

Besonders die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt schätzen die Bürger heute völlig anders ein als 2009. Damals rechneten zwei Drittel der Bevölkerung mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen – heute nur noch 17 Prozent. Auch die Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes wird heute wesentlich positiver bewertet als im vergangenen Jahr. Allerdings können sich die meisten im Moment noch nicht vorstellen, dass die Arbeitslosenzahlen deutlich unter die derzeit knapp drei Millionen absinken werden.

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Rund die Hälfte der Bürger erwartet, dass sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt in den nächsten zwölf Monaten nicht mehr gravierend verändern wird. Lediglich 27 Prozent gehen davon aus, dass die Arbeitslosigkeit binnen eines Jahres weiter verringert werden kann. Wenn jetzt von Wirtschaft und Politik in die öffentliche Diskussion das Ziel der Vollbeschäftigung eingebracht wird, trifft dies in der Bevölkerung auf erhebliche Skepsis. Nur 22 Prozent sind überzeugt, dass mit den richtigen Maßnahmen in absehbarer Zeit in Deutschland Vollbeschäftigung möglich ist. 67 Prozent halten dies für unrealistisch.

Zwei drittel sehen nur geringe Auswirkungen des Aufschwungs

Trotz des unerwartet starken Wachstums der Wirtschaft hat die große Mehrheit der Bürger nicht das Gefühl, dass sie davon persönlich profitiert. Als Nutznießer des Aufschwungs gelten primär die Wirtschaft, der Staat und die wohlhabenden Bevölkerungskreise. Nur eine Minderheit ist überzeugt, dass der Aufschwung der Masse der Bevölkerung zugute kommt. Der Aufschwung beeinflusst zwar die Stimmungslage der meisten erheblich – aber nur begrenzt ihre eigene materielle Lage. So wie 2008 und 2009 konstant nur eine Minderheit direkt die Auswirkungen der Krise spürte, sieht sich jetzt nur eine Minderheit als Nutznießer des Aufschwungs. 30 Prozent ziehen die Bilanz, dass sich die positive Konjunktur mehr oder weniger stark auf ihre eigene Lage auswirkt; zwei Drittel aber sehen keine oder nur sehr geringe Auswirkungen.

Die Anstrengungen von Wirtschaft und Politik, die Krise ohne nennenswerte Freisetzung von Arbeitskräften zu bewältigen, wie auch der hohe Anteil an Rentnern und Transferempfängern führen dazu, dass immer weniger Menschen von konjunkturellen Schwankungen persönlich gravierend betroffen sind – im Positiven wie im Negativen. Es ist jedoch zu erwarten, dass sich im Zuge der nächsten Lohnrunden der Anteil derjenigen erhöht, die sich zu den Nutznießern des Aufschwungs zählen.

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