Denkfabrik: Deutsche glauben an das Gute im Euro

kolumneDenkfabrik: Deutsche glauben an das Gute im Euro

Kolumne von Renate Köcher

Trotz der Schuldenkrise sieht die Mehrheit der Bürger in der Währungsunion mehr Vor- als Nachteile. Allerdings können viele Menschen den komplexen Debatten um Euro-Bonds und Rettungsschirme nicht mehr folgen.

Die hektische Betriebsamkeit auf europäischer Ebene, die Aneinanderreihung von Rettungsmaßnahmen mit immer kürzerem Verfallsdatum, steht in bemerkenswertem Kontrast zur Entwicklung der öffentlichen Meinung in Deutschland. Zwar ist die Hälfte der Bürger über die Krise in der Euro-Zone erheblich beunruhigt. Ende vergangenen Jahres lag dieser Anteil jedoch höher.

Auch die Unterstützung für drakonische Maßnahmen, wie den Ausschluss der besonders hoch verschuldeten Staaten aus der Währungsunion, bildet sich zurzeit tendenziell zurück. War die Unterstützung für diese Forderung von Beginn vergangenen Jahres bis Frühjahr 2012 kontinuierlich von 36 auf 55 Prozent angestiegen, votieren aktuell 51 Prozent der Bürger für einen Ausschluss.

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Weit verbreiteter Fatalismus

Dies ist bemerkenswert, da die große Mehrheit nach wie vor befürchtet, dass sich Deutschland mit dem ESM und den weiteren Hilfsgarantien übernimmt. Dass die Beunruhigung trotzdem zurzeit nicht weiter ansteigt, sondern tendenziell rückläufig ist, hat vor allem zwei Gründe: die nach wie vor robuste Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt und ein weit verbreiteter Fatalismus angesichts der andauernden Krise und ihrer Komplexität.

Wäre es für die Zukunft der Euro-Zone besser, wenn man hoch verschuldete Länder wie z.B. Griechenland ausschließt? Quelle: Allensbacher Archiv

Wäre es für die Zukunft der Euro-Zone besser, wenn man hoch verschuldete Länder wie z.B. Griechenland ausschließt? (Klicken Sie für eine detaillierte Ansicht bitte auf die Grafik)

Bild: Allensbacher Archiv

Es ist vor allem die noch gute Verfassung der deutschen Wirtschaft, die der Regierung gegenüber der Bevölkerung den Rücken freihält. Nur eine verschwindende Minderheit von drei Prozent der Bürger sieht für sich persönlich bereits gravierende Folgen durch die Krise.

Die begrenzte unmittelbare Betroffenheit stabilisiert auch die Haltung zum Euro. Zwar genießt die europäische Gemeinschaftswährung nur wenig Vertrauen. Gleichzeitig geht jedoch der Wunsch, zu einer nationalen Währung zurückzukehren, seit Jahren kontinuierlich zurück. Nur in der Generation der 60-Jährigen und Älteren möchte die Mehrheit am liebsten so rasch wie möglich den Euro in D-Mark tauschen – von ihren Enkeln dagegen gerade einmal jeder Vierte. Eine Währung ist in hohem Maße auch eine Frage der Gewohnheit; das gilt offenkundig selbst für Währungen, deren Stabilität und Nachhaltigkeit misstraut wird.

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