Denkfabrik: Energiewende ist nicht im Bewusstsein angekommen

exklusivDenkfabrik: Energiewende ist nicht im Bewusstsein angekommen

von Renate Köcher

Die von der Politik beschlossene Energiewende stößt in der Bevölkerung auf zunehmendes Desinteresse. Über mögliche Versorgungsengpässe sorgen sich nur die wenigsten. Den Ausbau regenerativer Energien unterstützen die Bundesbürger zwar mehrheitlich – aber nicht vor der eigenen Haustür.

Zum Jahrestag der Katastrophe von Fukushima ist es in Deutschland noch einmal zu Nachhutgefechten gegen die Nutzung der Kernenergie gekommen. Die Vorsitzende der Grünen kündigte an, man werde so lange gegen die Kernenergie demonstrieren, bis der letzte Reaktor abgeschaltet sei. Die öffentliche Aufmerksamkeit hielt sich jedoch in Grenzen: Das Thema Kernenergie ist aufgrund des parteiübergreifenden Konsensus in den Augen der Bürger abgehakt.

Die eigentliche Herausforderung für die Energiepolitik ist heute nicht mehr der Ausstieg, sondern die Energieversorgung so umzubauen, dass sie jederzeit eine sichere Versorgung garantiert – und dies zu akzeptablen Preisen, die weder die Verbraucher überfordern noch die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie gefährden. Dieses Thema wird in der öffentlichen Diskussion jedoch sträflich vernachlässigt.

Anzeige

Das hat mit der Komplexität des Themas zu tun, aber auch mit Unbesorgtheit und Fatalismus: Die Bürger machen sich seit jeher nur wenig Sorgen, dass es zu Versorgungsengpässen kommen könnte; in Bezug auf die Entwicklung der Energiepreise ist die Mehrheit gleichzeitig seit Langem fatalistisch überzeugt, dass die Preise mittelfristig unaufhaltsam steigen werden.

Die Abschaltung von acht Reaktoren, die nicht unmittelbar zu Versorgungsengpässen führte, hat die Sorglosigkeit der Bürger verfestigt. Entsprechend rechnet nur noch eine Minderheit die Sicherung der Energieversorgung überhaupt noch zu den politischen Prioritäten. 2011, unter dem Eindruck des plötzlichen Atomausstiegs, zählten immerhin 53 Prozent der Bürger die Sicherung der Energieversorgung zu den vordringlichen Aufgaben der Bundesregierung, aktuell sind es nur noch 40 Prozent.

Auch einer stärkeren Förderung regenerativer Energien messen die Bürger heute weniger Bedeutung bei als im vergangenen Jahr. Zwar unterstützt die überwältigende Mehrheit den Ausbau dieser Energieform. Eine noch stärkere Förderung halten jedoch nur noch 35 Prozent für vordringlich, gegenüber 44 Prozent im Sommer 2011.

Dies ist bemerkenswert, da in Deutschland alle Sympathien seit Langem den regenerativen Energien gehören. Die emotionale Identifikation mit dem Ökostrom geht so weit, dass die große Mehrheit in den nächsten Jahrzehnten am liebsten fast vollständig auf Sonne, Wind und Wasser bauen würde. Befragt, wie man die Energieversorgung der nächsten 20, 30 Jahre vor allem sichern sollte, nennen 84 Prozent die Sonnenenergie, 75 Prozent die Windenergie und 55 Prozent die Wasserkraft. Gas nennen gerade mal 19 Prozent der Bürger, Kohle 7 Prozent und Erdöl 4 Prozent.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%