Der Autofahrer hat mit der Sache so viel zu tun wie mit seiner Strom- und Telefonrechnung. Warum sollte das in Deutschland nicht funktionieren? Wir verfügen über das technisch beste Mautsystem der Welt und haben es hinreichend lange erprobt. Es mit zeit- und ortsabhängigen Tarifen auf den Pkw-Verkehr auszudehnen ist ein Klacks.
Auch das Kostenargument zieht nicht. Das Maut-Geld verschwindet ja nicht in einem schwarzen Loch. Was der Finanzminister zusätzlich einnimmt, kann er bei der Kfz-Steuer oder anderen Steuern erlassen oder in die Infrastruktur investieren. Und den Bürgern erspart die Maut riesige Zeitkosten. Wenn jeder Arbeitnehmer nur zwei Stunden pro Woche durch Staus und zähen Verkehrsfluss verliert, liegt der Wert der Zeit, die er unnötig auf der Straße verplempert, bei über 100 Milliarden Euro im Jahr.
Eine Maut ist nicht unsozial
Manche fürchten, dass die Maut unsozial ist, weil sie angeblich die Armen trifft. Aber wie arm ist ein Autofahrer im Vergleich zu einem Hartz-IV-Empfänger, der sich das Auto ohnehin nicht leisten kann? Man kann im Übrigen die Tarife auch nach der Autogröße staffeln. Rumänien hat es für sozialverträglich gehalten, mit dem Übergang zur Marktwirtschaft sogar die Schlangen vor den Milchläden durch einen für Arme und Reiche gleichen Milchpreis zu ersetzen. Das sollte Mut machen.
Der ADAC hatte einmal die Position vertreten, dass man dort, wo es Staus gibt, die Straßen so weit verbreitern und verbessern muss, bis die Staus verschwinden. Hoffentlich hat der Verband seine Meinung geändert, denn diese Position ist nicht haltbar. Bei so ziemlich jedem Gut, das unter Kosten hergestellt, aber umsonst abgegeben wird, entstehen Warteschlangen, Staus wenn man so will. So viel von dem Gut bereitzustellen, bis die Warteschlangen trotz eines Preises von null verschwinden, das geht nur im Schlaraffenland. In einer Welt der Knappheit führt der Versuch, so zu verfahren, zu einer Fehllenkung von Ressourcen, die alle ärmer macht.
Sowohl Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer als auch Jochen Flasbarth, der Präsident des Umweltbundesamtes, haben sich in letzter Zeit aus unterschiedlichen Gründen für eine Straßenmaut starkgemacht. Dem einen geht es vornehmlich um die Einnahmen, dem anderen um den Umweltschutz. Auch das Argument, den ausländischen Transitverkehr durch Deutschland so zu belasten, wie es manche ausländische Staaten mit hiesigen Autofahrern machen, findet Anhänger. Diese Positionen sind zu unterstützen, wenn auch aus ökonomischer Sicht mit etwas anderen Argumenten.
Die Zeit ist reif.














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Alle Kommentare lesen30.08.2010, 19:59 UhrAnonymer Benutzer: Monika Dahmen
Die beiträge von Herrn Prof. Sinn lese ich immer mit viel interesse, aber selten hat mich seine Meinung so aufgeregt. Das kann nur von jemendem kommen, der z. b. von der Spedition/Logistikbranche überhaupt keine Ahnung hat. Sollen unsere LKW (ohne s) nachts zu günstigen Tarifen in die Städte fahren, wenn die Läden und Firmen geschlossen sind??
Und eine Maut verschwindet nach allen Erfahrungen aller bürger ständig im schwarzen Loch unseres bundshaushalts unserer unersättlichen bundesregierung.
Und wenn die Arbeitnehmer ihre Zeit nicht in von der Politik verursachten Staus verlieren, dann an Haltestellen von bussen und bahnen, die in zu großen Abständen fahren.
Und der Umwelt ist dann gedient, wenn die Motoren mit weniger Verbrauch oder "sauberen" Energieerzeugern laufen. Dafür muss man dem Autofahrer nicht das Autofahren vermiesen.
30.08.2010, 17:12 UhrAnonymer Benutzer: Wurzelbrumpft
Herr Sinn befindet sich in bester Gesellschaft. Schon der Münchner Komiker und Querdenker Karl Valentin hatte den ausufernden Verkehr in der Münchner innenstadt im Visier. Seine SiNNvolle Lösung lautete:
Am Montag sollen nur die Radfahrer fahren, am Dienstag nur Motorräder, am Mittwoch die PKW und am Donnerstag die LKW. Sodann könnten am Freitag Pferdefuhrwerke und am Samstag die Strassenbahnen fahren. Am Sonntag wäre dann der Fussgängertag gewesen. Valentin war wie gesagt anerkannter Querdenker, nicht Quertreiber.
30.08.2010, 16:17 UhrAnonymer Benutzer: Trollo
Klar, "mehr netto vom brutto". Nur war damit nicht unser Nettoverdienst gemeint, sondern das, was der Staat uns von dem bisschen Nettolohn nun auch noch abnehmen will. Gute Nacht, Deutschland! Der letzte macht bitte das Licht aus!