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Denkfabrik: Ifo-Präsident Sinn fordert Pkw-Maut für alle Straßen

Verkehrsstaus kosten die Volkswirtschaft jedes Jahr Milliardensummen. Wir brauchen daher eine zeit- und ortsabhängige Nutzungsgebühr für alle Straßen, sagt Hans-Werner Sinn.

Hans-Werner Sinn ist Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung und Ordinarius an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Quelle: Robert Brembeck für WirtschaftsWoche
Hans-Werner Sinn ist Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung und Ordinarius an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Quelle: Robert Brembeck für WirtschaftsWoche
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Alle Jahre wieder quälen sich die Autofahrer Europas auf überfüllten Straßen in die Ferien. Staus und Unfälle allerorten. Statt gemütlich im Hotelzimmer die Beine auszustrecken, hockt man verkrampft und schweißgebadet hinter seinem Steuerrad. Statt Erholung nichts als Stress. Qualvolle Stunden im Stop-and-go-Verkehr bis zum erlösenden Ziel. Eigentlich reicht es jetzt. Deutschland sollte in der Lage sein, das Chaos auf seinen Straßen zu beenden.

Aber die „freie Fahrt für freie Bürger“ lässt sich nicht durch immer mehr Autobahnen, Brücken und Tunnels schaffen. Das wäre zu teuer, und das geht auch aus Umweltgründen nicht. Deutschland braucht stattdessen endlich eine Straßenmaut, um den Verkehrsfluss zu lenken – und zwar für alle Straßen. Autobahnen, Landstraßen und Stadtstraßen müssen gleichermaßen erfasst werden. Nur mit der Straßenmaut lässt sich die vorhandene Kapazität der Straßen so ausnutzen, dass sich die Autofahrer möglichst wenig gegenseitig behindern.

Natürlich muss die Maut zeit- und ortsabhängig sein. Wer unbedingt fahren will, wenn auch andere es wollen, der soll so viel dafür bezahlen, dass er die anderen dafür kompensieren könnte, dass sie später zum Ziel kommen. Wer aber flexibel ist und auf eine andere Zeit auszuweichen bereit ist, zu der er niemanden behindert, der kann billiger fahren. So wird der Verkehrsfluss beruhigt und die Transportkapazität der Straßen mehr vergrößert, als es milliardenschwere Straßenbauprogramme je bewirken könnten.

Wie könnte die Maut konkret organisiert werden? Innerhalb des Tages ließen sich Zeitzonen schaffen, die Stoßzeiten bei den Ferien berücksichtigen und zwischen Autobahnen, Landstraßen und Stadtstraßen unterscheiden. Allein das schon würde zur Entzerrung des Verkehrsflusses beitragen, zumal man auch bei den Lkws den derzeitigen Pauschaltarif durch einen Lenkungstarif ersetzen könnte. In einem zweiten Schritt wären später komplexere Regelungssysteme mit Rückkopplungsmechanismen je nach tatsächlichem Verkehrsfluss denkbar. So wie das Navi heute die Zeit bis zum Ziel ausrechnet, könnte es in Zukunft dann auch den Preis für alternative Wegstrecken und Zeiten liefern.

Technisch ist das alles heute überhaupt kein Problem mehr. Was bei Lastwagen per GPS und Handyfunk nach einigen Startschwierigkeiten bestens funktioniert, dürfte auch bei Pkws keine Probleme machen. Frankreich und Italien, aber auch Städte wie Oslo, Bergen, London und viele andere Orte auf der Welt haben heute mehr oder weniger komplexe und funktionierende Straßenmautsysteme. Die Italiener etwa müssen nicht mehr an überfüllten Mautstationen warten, sondern lassen sich die Gebühr, die per Funk beim Durchfahren der Stationen erfasst wird, vom Konto abbuchen.

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47 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 30.08.2010, 19:59 UhrAnonymer Benutzer: Monika Dahmen

    Die beiträge von Herrn Prof. Sinn lese ich immer mit viel interesse, aber selten hat mich seine Meinung so aufgeregt. Das kann nur von jemendem kommen, der z. b. von der Spedition/Logistikbranche überhaupt keine Ahnung hat. Sollen unsere LKW (ohne s) nachts zu günstigen Tarifen in die Städte fahren, wenn die Läden und Firmen geschlossen sind??
    Und eine Maut verschwindet nach allen Erfahrungen aller bürger ständig im schwarzen Loch unseres bundshaushalts unserer unersättlichen bundesregierung.
    Und wenn die Arbeitnehmer ihre Zeit nicht in von der Politik verursachten Staus verlieren, dann an Haltestellen von bussen und bahnen, die in zu großen Abständen fahren.
    Und der Umwelt ist dann gedient, wenn die Motoren mit weniger Verbrauch oder "sauberen" Energieerzeugern laufen. Dafür muss man dem Autofahrer nicht das Autofahren vermiesen.

  • 30.08.2010, 17:12 UhrAnonymer Benutzer: Wurzelbrumpft

    Herr Sinn befindet sich in bester Gesellschaft. Schon der Münchner Komiker und Querdenker Karl Valentin hatte den ausufernden Verkehr in der Münchner innenstadt im Visier. Seine SiNNvolle Lösung lautete:
    Am Montag sollen nur die Radfahrer fahren, am Dienstag nur Motorräder, am Mittwoch die PKW und am Donnerstag die LKW. Sodann könnten am Freitag Pferdefuhrwerke und am Samstag die Strassenbahnen fahren. Am Sonntag wäre dann der Fussgängertag gewesen. Valentin war wie gesagt anerkannter Querdenker, nicht Quertreiber.

  • 30.08.2010, 16:17 UhrAnonymer Benutzer: Trollo

    Klar, "mehr netto vom brutto". Nur war damit nicht unser Nettoverdienst gemeint, sondern das, was der Staat uns von dem bisschen Nettolohn nun auch noch abnehmen will. Gute Nacht, Deutschland! Der letzte macht bitte das Licht aus!

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