Denkfabrik: Im Osten geht noch immer die Angst um

Denkfabrik: Im Osten geht noch immer die Angst um

von Renate Köcher

Wie stark haben sich die Lebensverhältnisse in den alten und neuen Bundesländern angeglichen? Die Bilanz zum Tag der Deutschen Einheit fällt zwiespältig aus. Materiell konnten die Ostbürger in den vergangenen Jahren zwar aufholen. Doch vor allem die ältere Bevölkerung hat Angst, künftig wieder zurückzufallen.

Vierundzwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer haben sich die Lebensverhältnisse von Ost und West in vieler Hinsicht angenähert – sie sind aber keineswegs gleich. Den Bürgern ist dies durchaus bewusst. Nur elf Prozent sehen kaum noch Unterschiede zwischen der wirtschaftlichen Situation und den Lebensverhältnissen in Ost und West. Wie groß die Unterschiede sind, wird jedoch völlig verschieden eingeschätzt. Während die Mehrheit der Westdeutschen nur noch von begrenzten Unterschieden ausgeht, halten 78 Prozent der Ostdeutschen diese für groß oder gar sehr groß.

Auch die weitere Entwicklung sehen die Bürger unterschiedlich: In Westdeutschland überwiegt die Zuversicht, dass eine weitgehende Angleichung der materiellen Lebensverhältnisse in maximal fünf bis zehn Jahren erreicht ist. In Ostdeutschland veranschlagen die meisten die Zeitspanne auf über zehn Jahre, jeder Vierte sogar auf mindestens 20 Jahre.

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Deutliche Fortschritte

Nun ist es generell kaum möglich, in Deutschland weitgehend gleiche Lebensverhältnisse sicherzustellen. Es gibt prosperierende Regionen und Landesteile, die von einer schwachen Wirtschaftsleistung und von Wegzug geprägt sind – auch im Westen. Der Rückstand Ostdeutschlands nach den Jahrzehnten der Teilung war jedoch ein Sonderfall und die materiellen und immateriellen Anstrengungen, diesen Rückstand wieder auszugleichen, über die vergangenen Jahrzehnte immens.

Die Langzeitanalyse macht die Fortschritte deutlich. So ist das durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen in den vergangenen 20 Jahren in Westdeutschland um 54 Prozent angestiegen, in Ostdeutschland um 68 Prozent. Deutlich geringer fällt aufgrund der gestiegenen Lebenshaltungskosten die Steigerung des frei verfügbaren Einkommens aus, also des finanziellen Spielraums, der nach Begleichen der notwendigen Ausgaben für die Lebenshaltung bleibt. Dieser Spielraum stieg in Westdeutschland im selben Zeitraum um 27 Prozent, in Ostdeutschland um 30 Prozent.

Wanderungsbewegung von Ost nach West

Der ostdeutsche Arbeitsmarkt ist bis heute in einer ungünstigeren Verfassung, aber auch hier gibt es eine deutliche Angleichung. 1994 lag die Arbeitslosenquote in Ostdeutschland 6,7 Prozentpunkte höher als in Westdeutschland – 2012 nur noch 4,8 Punkte. Allerdings ist die Annäherung wesentlich durch Wanderungsbewegungen von Ost nach West beeinflusst. Die Zahl der Erwerbstätigen ist heute in Ostdeutschland nicht nennenswert höher als 1998. In Westdeutschland ist deren Zahl im selben Zeitraum von knapp 31 auf gut 34 Millionen angestiegen. Ostdeutschland hat heute gut eine Million Einwohner weniger als 1998, Westdeutschland rund eine Million mehr.

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