Denkfabrik: Kein Garant von Sicherheit

Denkfabrik: Kein Garant von Sicherheit

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Immer mehr Bürger setzen sich frühzeitig mit dem Thema Altersvorsorge auseinander

Die Bürger wollen bei der Alterssicherung auf eine Kombination aus staatlicher und privater Vorsorge setzen. Sie sind aber durch die Rentenpolitik verunsichert, sagt Renate Köcher.

Zurzeit ist Norbert Blüm wieder in vielen Talkshows zu Gast und knüpft nahtlos an seine Zeit als Sozialminister an und seine schon sprichwörtliche Botschaft: „Die Rente ist sicher.“ Bemerkenswert ist, dass er diese Botschaft mit einem Generalangriff auf die eigenverantwortliche Altersvorsorge verknüpft und die aktuelle Finanzmarktkrise als Beleg anführt, dass alles privatwirtschaftlich Organisierte weitaus mehr Unwägbarkeiten mit sich bringe als die staatlichen Sicherheitsgarantien.

Tatsächlich ist das Vertrauen der Bevölkerung in die Zuverlässigkeit der staatlichen Sicherheitsgarantien wieder signifikant angestiegen. Von Mitte der Neunzigerjahre an ging besonders das Vertrauen in die staatliche Rente kontinuierlich zurück. Der Tiefpunkt war 2004 erreicht, auf dem Höhepunkt der gesellschaftlichen Reformdebatte. Seither hat die Überzeugung, dass auf die staatliche Rente Verlass ist, kontinuierlich zugenommen und liegt heute wieder auf dem Niveau von 1997. Dieses wachsende Vertrauen geht jedoch nicht auf eine Vertrauenskrise der eigenverantwortlichen Altersvorsorge zurück, sondern darauf, dass die Diskussion über Schnitte in das soziale Netz zumindest vorübergehend ausgesetzt wurde. Nicht nur das Vertrauen in die staatlichen Rentenzusagen ist angestiegen, sondern auch das Vertrauen in die betriebliche Alterssicherung und die verschiedenen Formen der eigenverantwortlichen Altersvorsorge, wie zum Beispiel private Renten- und Lebensversicherungen – und ist konstant höher als gegenüber der staatlichen Rente. Besonders die junge Generation hält eigenverantwortlich organisierte Vorsorge für zuverlässiger als staatliche Garantien. Das hat auch damit zu tun, dass die stete Veränderung der politisch gesetzten Rahmenbedingungen auf den unterschiedlichsten Feldern dazu führt, dass die Politik von Wirtschaft und Bevölkerung nur begrenzt als Garant von Planungssicherheit empfunden wird. Während die große Mehrheit der Bürger überzeugt ist, dass die Politik in hohem Maße Planungssicherheit geben könnte und müsste, haben nur 16 Prozent den Eindruck, dass sie diese Aufgabe tatsächlich erfüllt.

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Die überwältigende Mehrheit lässt gleichwohl keinen Zweifel daran, dass die staatliche Rente ein Grundbaustein ihrer Alterssicherung ist und bleiben soll. 71 Prozent der Bevölkerung zählen die staatliche Rente zu den Säulen einer idealen Alterssicherung. Annähernd genauso viele rechnen jedoch auch Wohneigentum dazu, 60 Prozent eine Rente aus einer privaten Versicherung, 48 Prozent die betriebliche Alterssicherung. Die Bevölkerung denkt nicht in Kategorien des Entweder-oder, sondern strebt nach einer umfassenden Absicherung, die sich auf staatliche und privat organisierte Sicherheitsgarantien stützt.

Die Mehrheit ist jedoch überzeugt, dass die staatlichen Renten auf Sicht von zehn Jahren niedriger sein werden als heute. Kaum noch jemand hält es für realistisch, dass die künftige Entwicklung der Renten auch nur mit der Inflationsrate Schritt halten könnte. Gerade die kontroverse Debatte um eine Rentenerhöhung von insgesamt 1,1 Prozent hat dies der Bevölkerung noch einmal nachdrücklich vor Augen geführt. Entsprechend stellen sich die meisten darauf ein, dass sich das Gewicht von staatlicher und eigenverantwortlicher Vorsorge stetig verschieben wird. 68 Prozent erwarten, dass die staatliche Rentenversicherung relativ zu anderen Vorsorgemaßnahmen an Bedeutung verlieren wird. Umgekehrt sind 82 Prozent überzeugt, dass die eigenverantwortliche Altersvorsorge an Bedeutung gewinnt.

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