Denkfabrik: Kredite stützen die deutschen Überschüsse

ThemaKonjunktur

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Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts bezieht zu Marcel Fritschers Argumentation Stellung

Kolumne von Hans-Werner Sinn

Kein anderes Land hat 2013 derart hohe Leistungsbilanzüberschüsse erzielt wie Deutschland. Eine Trendwende ist 2014 nicht in Sicht. Wie kann das sein, wo doch die Wirtschaft in Europa lahmt?

Diese Zahlen werden die Debatte weiter anheizen: Nach aktuellen Berechnungen des ifo Instituts dürfte Deutschlands Leistungsbilanzüberschuss 2013 mit 200 Milliarden Euro – das sind rund 7,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) – einen neuen Rekordstand erreichen. Abermals werden wir damit den wohl weltweit größten Überschuss vorweisen. Und eine Änderung ist nicht in Sicht: 2014 dürfte der Überschuss nach unserer Prognose gar bei 7,4 Prozent vom BIP liegen.

Angesichts des Umstandes, dass Deutschlands Kunden in Südeuropa großenteils weggebrochen sind, ist diese Entwicklung höchst verwunderlich und bedarf der Erklärung. Eigentlich hätte der ökonomische Zusammenbruch Südeuropas eine Verminderung der deutschen Überschüsse erwarten lassen.

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Eine Klarstellung

In meiner vergangenen Kolumne für die WirtschaftsWoche habe ich auf den Zusammenhang zwischen Rettungskrediten und Exportüberschüssen hingewiesen. Die Rettungskredite flossen nach Südeuropa, wurden dort für die Tilgung von Auslandsschulden auch von Drittländern eingesetzt, und die Drittländer erwarben verstärkt deutsche Waren. Außerdem wurden weiter Importgüter aus Deutschland und dem Rest der Welt bezogen, wenn auch nicht so viele wie vorher.

Export Rettungskredite treiben die Exportüberschüsse

Die Kritik an den deutschen Exportüberschüssen wächst, aber sie ist nicht gerechtfertigt. Diese Überschüsse sind das Spiegelbild der milliardenschweren Rettungsmaßnahmen für Krisenländer.

Quelle: imago / IPON

Meine Argumentation hat DIW-Präsident Marcel Fratzscher vor einer Woche bestritten, indem er den kausalen Zusammenhang zwischen dem öffentlichen Kapitalexport und der Leistungsbilanz leugnet. Deshalb noch einmal der Versuch, den Sachverhalt klarzustellen.

Der zentrale Punkt ist die Identität von Kapitalverkehr und Leistungsbilanz. Deutschland produziert Güter. Im Wert der produzierten Güter entstehen Einkommen. Einkommen sind Ansprüche auf Güter. Wenn wir die Ansprüche durch Konsum und Investition selbst realisieren, also wertmäßig so viel Güter absorbieren, wie wir erzeugen, ist die Leistungsbilanz ausgeglichen. Wenn wir mit unseren Ersparnissen Güteransprüche an Ausländer verleihen oder, wie man sagt, Kapital exportieren, fließen per saldo auch Güter dorthin. Es entsteht ein Leistungsbilanzüberschuss. Die Frage, ob die Kapitalströme die Leistungsbilanz determinieren oder umgekehrt die Leistungsbilanz die Kapitalbilanz, ist müßig. Beide messen denselben Vorgang.

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