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Denkfabrik: Privatisierung hat ein gewaltiges Potenzial

von Patrick Adenauer

Fast alles, was der Staat macht, könnte effizienter und billiger von privaten Unternehmen übernommen werden. Man muss es nur richtig organisieren, sagt Patrick Adenauer.

Patrick Adenauer Quelle: Tom Rathmann für WirtschaftsWoche
Patrick Adenauer Quelle: Tom Rathmann für WirtschaftsWoche

Warum eigentlich muss man nach dem Niedergang des sozialistischen Systems und angesichts der chronisch dürftigen Ergebnisse staatlicher Unternehmertätigkeit ordnungspolitisch immer noch begründen, warum man für Privatisierung eintritt? Diese Debatte ist geführt, die Beweise sind erbracht – national und international. Und trotzdem sind die politischen und gesellschaftlichen Widerstände in Deutschland groß – und es drohen sogar Rückschritte. Nach zeitweise großen Privatisierungsfortschritten, etwa bei Post, Krankenhäusern und Infrastruktur, kommt es zum Beispiel im Entsorgungsbereich zunehmend zur „Rekommunalisierung“. Die Wettbewerbsverzerrungen zwischen öffentlichen und privaten Anbietern, namentlich in der sogenannten kommunalen Daseinsvorsorge, dauern an.

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Dabei gibt es viele gute Gründe, die Staatstätigkeit zurückzudrängen. Privatisiert werden muss einerseits wegen des wachsenden Drucks der leeren Kassen (auch wenn derzeit die Steuereinnahmen stärker sprudeln) und um politische Handlungsspielräume zurückzugewinnen, die durch wachsende Zinslastquoten verloren gegangen sind. Die ausgewiesene Staatsverschuldung von rund 1,5 Billionen Euro ist ja nur die Spitze des Eisbergs: Die nicht ausgewiesene Verschuldung der Sozialversicherung und des Pensionssystems liegt bei über vier Billionen Euro. Entsprechend beträgt die wahre Schuldenquote bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt nicht die offiziell genannten rund 64 Prozent. Sondern ein Mehrfaches davon. Einem monopolistischen Unternehmen, das nicht in Konkurs gehen kann, bei dem Missmanagement mit Steuergeldern ausgeglichen wird, fehlt der Druck zur bestmöglichen Produktion, zur Anpassung an den Verbraucher und die Bürgerwünsche. Staats– und Gemeindebetriebe verfügen selbst bei geringer Effizienz in der Regel über kostengünstige Möglichkeiten zur Kreditfinanzierung, weil der Staat als Eigentümer hohe Bonität genießt. Zudem besteht für Manager eines unwirtschaftlich geführten Staatsbetriebs kaum die Gefahr, dass das Unternehmen von einem externen Käufer übernommen wird und sie selbst entlassen werden. Da Staatsbetriebe in der Regel nicht am Kapitalmarkt gehandelt werden, wird die Leistung des Managements nicht laufend bewertet und durch steigende oder fallende Kurse belohnt oder bestraft.

Vom unwirtschaftlichen Leistungs- zum effizienten Gewährleistungsstaat

Wer will, dass die Gebietskörperschaften öffentliche Güter garantieren, die vom Markt nicht spontan oder nicht zu politisch gewünschten Konditionen hervorgebracht werden, braucht nur die Produktion zu gewährleisten. Es ist aber nicht notwendig, die Leistungen selbst anzubieten. Dies geht bis in die hoheitliche Sphäre hinein. So kann aus dem unwirtschaftlichen Leistungs- ein effizienter Gewährleistungsstaat werden, der sich privater Initiativen bedient, wie bei TÜV und Schornsteinfegern. Der „beliehene Unternehmer“ auf Staatslizenz hat eine alte Tradition. Das eröffnet ein riesiges Privatisierungsprogramm. Nach dem Grundsatz der Subsidiarität sollte all das nicht Aufgabe des Staates sein, was ebenso gut oder besser durch Private erbracht werden kann. Begründungspflichtig ist, wer die Privatisierung wirtschaftlicher Staatstätigkeit verweigert – nicht der, der sie fordert. Sehr ärgerlich ist es darum, dass zum Beispiel in Brandenburg die Landesgemeindeordnung in einer Weise revidiert wurde, dass scheinprivatisierte kommunale Unternehmen mit Privaten auf deren Markt konkurrieren dürfen. Der Staat als unfairer Wettbewerber bei Abschleppdienst, Gärtnerei, DSL-Anschlüssen und Nachhilfe? Ludwig Erhard dürfte sich im Grabe umdrehen.

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17 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 17.12.2008, 03:27 UhrAnonymer Benutzer: Joachim Datko

    Das beispiel Schornsteinfeger zeigt, dass es egal ist, ob das Monopol von einer behörde gehalten wird oder "privatisiert" ist. Unserer Meinung nach machen Monopole ihre Kunden zu Opfern.

    Dr. Dr. Horst Poller von Haus & Grund Württemberg hat die Schornsteinfeger ein Symbol für nutzlose beschäftigung, für Monopolisten und für Lobbyisten genannt.
    Siehe:
    http://www.sueddeutsche-wohnwirtschaft.de/sites/artikel.php?artikel_id=126

    Joachim Datko - Forum für eine faire, soziale Marktwirtschaft
    www.monopole.de

  • 11.11.2008, 16:06 UhrAnonymer Benutzer: TomCat

    ich kann mich den anderen nur anschließen - ein Dummbabler vor dem Herrn, der sich wichtig machen will. Lasst ihn doch sich selbst wegrationalisieren von einer noch größeren Heuschrecke, dann sieht der Knabe, wo in der Nahrungskette sein Platz ist.
    Wenn dann - wie einer der Vorredner schreibt - dann der städtische Kindergarten an der börse ist, wird er via Crossborder-Leasing wieder zurückgemietet - damit man damit dann richtig auf die Schnauze fällt. Das bübelchen hat noch nicht genug Lehrgeld bezahlt...

  • 14.10.2008, 12:47 UhrAnonymer Benutzer: Franca

    Zu Lebzeiten seines Großvaters wäre der von Herrn Patrick Adenauer verbreitete Unsinn über die Allzuständigkeit und Effizienz der privaten Wirtschaftstätigkeit nicht einmal als Leserbriefmeinung in einem Provinzblatt gedruckt worden. ich hoffe, dass die WiWo in Zukunft auf die Elaborete dieses Volksverdummers verzichtet.

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