Denkfabrik: Schaut auf die Daten!

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Der deutsche Leistungsbilanzüberschuss führte zu einer Debatte zwischen Marcel Fratzscher und Hans-Werner Sinn.

Kolumne

Hans-Werner Sinn und Marcel Fratzscher haben über die Interpretation der hohen deutschen Leistungsbilanzüberschüsse gestritten. Wer hat recht?

Ist der Überschuss der deutschen Leistungsbilanz das Spiegelbild der an die Euro-Partnerländer vergebenen Rettungskredite, oder reflektiert er eine heimische Investitionsschwäche, verbunden mit einer hohen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft? Diese Frage haben in den vergangenen Wochen an dieser Stelle zwei herausragende Ökonomen diskutiert. Hans-Werner Sinn vertrat die erste, Marcel Fratzscher die zweite These. Wer hat recht?

Die Meinungen

Unumstritten sind die Fakten: Erstens hat Deutschland seit 2005 einen hohen Leistungsbilanzüberschuss, der seit Beginn der Euro-Krise im Jahr 2010 gegenüber den Euro-Ländern gesunken und gegenüber dem Rest der Welt gestiegen ist. Zweitens hatten unsere Euro-Partnerländer vor der Krise hohe Leistungsbilanzdefizite, die seit der Krise stark gesunken sind. Folglich entwickelte sich die Leistungsbilanz der gesamten Euro-Zone von einem Defizit vor der Krise zu einem Überschuss im vergangenen Jahr. Drittens sprang über das Target2 -Zahlungssystem die Bundesbank und über Kredite und Garantien der deutsche Staat ein, als im Zuge der Krise private Kapitalflüsse von Deutschland in die Krisenländer versiegten. So konnte ein Finanzierungsstopp der Leistungsbilanzdefizite der Krisenländer verhindert werden.

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Anlass der Diskussion ist nun, dass der deutsche Leistungsbilanzüberschuss trotz des Rückgangs der Defizite der Partnerländer hoch blieb. Hätte sich der Rest der Welt in dieser Geschichte neutral verhalten, so hätte man erwartet, dass der Rückgang der Leistungsbilanzdefizite der Krisenländer mit einem Rückgang des Leistungsbilanzüberschusses Deutschlands verbunden gewesen wäre. Entsprechend wären die Nettokapitalexporte Deutschlands und die Nettokapitalimporte der Krisenländer gesunken. Da es anders gekommen ist, muss der Rest der Welt eine Rolle gespielt haben.

Ein hoher Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands, verbunden mit einer annähernd ausgeglichenen Leistungsbilanz der anderen Euro-Länder, muss direkt oder indirekt zu deutschen Nettokapitalexporten in den Rest der Welt außerhalb der Euro-Zone führen. Hans-Werner Sinn vertritt die These, dass dies nicht direkt geschieht, sondern dass deutsche Kredite über Hilfsprogramme und Target2 in die Krisenländer fließen, die das Geld in den Rest der Welt weitergeleitet haben. Die Krisenländer hätten demnach eine insgesamt ausgeglichene Kapitalbilanz, würden aber aus Deutschland Kapital importieren und ins Nicht-Euro-Ausland Kapital exportieren. Der deutsche Leistungsbilanzüberschuss, so Sinn, erlaube es also den Krisenländern, ausländischen Anlegern ihr Kapital zurückzuzahlen.

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