Denkfabrik: Spitze und Breite bei Bildung

Denkfabrik: Spitze und Breite bei Bildung

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Ein Schüler Arne rauft sich die Haare, symbolhaft für das Abschneiden Deutschlands bei der PISA-Studie

Dass Bildung lohnt, weiß jeder. Doch welch überragende Bedeutung die Bildung für das Wirtschaftswachstum hat, weist jetzt der Ökonom Ludger Wößmann empirisch nach.

Viele Meinungsführer in den Zeitungen kritisieren in schöner Regelmäßigkeit den Wirbel um Deutschlands schlechtes Abschneiden bei den Pisa-Tests. Auf das, was da getestet wird, komme es in der modernen Wirtschaft nicht so an, wird dann lapidar argumentiert. Doch stimmt das? Wie wichtig ist Bildung tatsächlich für das Wachstum einer Volkswirtschaft? Dieser Frage sind mein Kollege Eric Hanushek von der amerikanischen Stanford University und ich empirisch nachgegangen.

Seit Mitte der Sechzigerjahre gibt es internationale Vergleichstests von Schülerleistungen in Mathematik und Naturwissenschaften. Wir haben die Leistungen aller 36 Tests auf eine gemeinsame Skala gebracht. Es ist uns gelungen, die durchschnittlichen schulischen Leistungen der Bevölkerung in 50 Ländern, für die auch Daten über das langfristige Wirtschaftswachstum über vier Jahrzehnte vorliegen, abzubilden. Nimmt man das Maß der schulischen Leistungen in übliche Wachstumsmodelle auf, ist das Ergebnis eindeutig: Je besser die Leistungen in den Pisa-Vorgängertests, desto höher ist das Wachstum der Volkswirtschaft.

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Im einfachsten Modell gehen nur die Ausgangsniveaus des Pro-Kopf-Einkommens und der in Jahren gemessenen Quantität der Bildung ein. Ohne Berücksichtigung der schulischen Leistungen erklären die Berechnungen nur ein Viertel der Wachstumsunterschiede zwischen den Ländern. Wenn wir die schulischen Leistungen berücksichtigen, lassen sich mit dem Modell drei Viertel der gesamten internationalen Wachstumsunterschiede erklären. Zudem schwindet dann der Einfluss der Zahl der Schuljahre. Anders ausgedrückt: Bildung wirkt sich nur in dem Maße wirtschaftlich aus, wie sie auch tatsächlich kognitives Wissen vermittelt hat. Es reicht nicht, die Schulbank zu drücken, auf das Gelernte kommt es an.

Die Größe dieses Effektes ist imposant: Langfristig gehen 50 zusätzliche Pisa-Punkte – in etwa der Abstand zwischen uns und den Pisa-Spitzenreitern Finnland oder Korea – mit einem zusätzlichen jährlichen Wachstum von gut 0,6 Prozentpunkten einher. 50 zusätzliche Pisa-Punkte hätten über das letzte Jahrzehnt gerechnet unser Wachstum um etwa die Hälfte erhöht. Und unser Pro-Kopf-Einkommen wäre – über 40 Jahre gerechnet – heute 30 Prozent höher. Der statistische Effekt ist überaus robust. Er findet sich in der Gruppe der entwickelten Länder genauso wie bei Entwicklungsländern. Auch wenn man die Effekte weiterer Wachstumsdeterminanten wie Sicherheit der Eigentumsrechte, Fertilität oder geografische Lage herausrechnet, bleibt der Effekt der schulischen Leistungen signifikant. Neben dem Ausgangsniveau des Pro-Kopf-Einkommens und den institutionellen Rahmenbedingungen gehören die in Pisa und ähnlichen Tests gemessenen kognitiven Basiskompetenzen zu den wichtigsten Ursachen volkswirtschaftlichen Wachstums überhaupt.

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