kolumneDenkfabrik: Traumjob Minijob?

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Die Arbeitslosenquote geht kontinuierlich zurück und liegt mit rund sieben Prozent heute auf dem niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung

Kolumne von Renate Köcher

In Deutschland gibt es keinen Trend zu "prekärer" Beschäftigung. Die Zahl sozialversicherungspflichtiger Vollzeitjobs nimmt immer weiter zu, die vielfach kritisierten Minijobs sind bei den Bürgern in Wahrheit beliebt.

In einem Umfeld voller Unsicherheiten und Risiken entwickelt sich der deutsche Arbeitsmarkt bemerkenswert. Während die Arbeitslosenzahl in Südeuropa steil ansteigt und in vielen anderen europäischen Ländern stagniert, baut Deutschland kontinuierlich Arbeitsplätze auf. 28,6 Millionen sozialversicherungspflichtige Beschäftigte bedeuten den höchsten Stand seit fast 20 Jahren. Die Arbeitslosenquote geht kontinuierlich zurück und liegt mit rund sieben Prozent heute auf dem niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung.

Die außerordentlich robuste Verfassung des Arbeitsmarktes spiegelt sich auch in der Einschätzung über die Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes wider. Nur noch neun Prozent der Erwerbstätigen befürchten, sie könnten in absehbarer Zeit ihren Arbeitsplatz verlieren. Noch nie waren die Sorgen um den Job in den vergangenen 20 Jahren niedriger als heute.

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Entgegen der Behauptung, es würden vor allem „prekäre“ Arbeitsverhältnisse aufgebaut, nimmt vor allem die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten zu. Allein im Jahr 2011 ist die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten um rund 718.000 gestiegen, die der Vollzeitbeschäftigten um 422.000 – während die Zahl der ausschließlich geringfügig Beschäftigten um fast 60.000 zurückgegangen ist.

Es ist auch keineswegs so, dass die meisten geringfügig Beschäftigten in diese Beschäftigungsform gedrängt wurden und an sich lieber eine Teilzeit- oder Vollzeitstelle hätten. 57 Prozent der Minijobber sind mit ihrer Beschäftigungsform zufrieden; ein Teil von ihnen hat parallel eine Teil- oder Vollzeitstelle. Anders als die Zeitarbeit werden Minijobs auch von der überwältigenden Mehrheit der Bürger positiv bewertet und als Beschäftigungsform gesehen, die keineswegs primär den Interessen der Arbeitgeber dient.

Nicht nur der dynamische Aufbau von Arbeitsplätzen ist bemerkenswert, sondern auch die veränderte Struktur der Beschäftigten. Während immer wieder neu über die Verlängerung der Lebensarbeitszeit gestritten wird, verläuft die faktische Entwicklung spektakulär und gleichzeitig völlig geräuschlos. Im Jahr 2000 waren lediglich 28 Prozent der 60- bis 65-jährigen Männer erwerbstätig, ein Jahrzehnt später 49 Prozent. Der Anteil erwerbstätiger Frauen in dieser Altersgruppe erhöhte sich im selben Zeitraum von 12 auf 33 Prozent, hat sich also innerhalb von einem Jahrzehnt fast verdreifacht.

Frauen stellen unter den Beschäftigten einen immer höheren Anteil, da die Erwerbsquote von Frauen stetig wächst, anders als bei Männern. Anfang der Neunzigerjahre waren 78 Prozent der 15- bis 65-jährigen Männer erwerbstätig, dagegen nur 57 Prozent der gleichaltrigen Frauen. Heute liegt die Erwerbsquote von Männern knapp unter dem Niveau von 1991, die der Frauen dagegen rund zehn Prozent höher.

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