kolumneDenkfabrik: Unflexible Azubis

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Unternehmen bilden ihre Lehrlinge immer mehr passend zu ihrem Unternehmen aus. Damit fehlt aber die Flexibilität für die spätere Berufslaufbahn.

Kolumne von Ludger Wößmann

Das System der dualen Berufsausbildung in Deutschland hat sich bewährt. Ausruhen sollte man sich darauf nicht, denn eine Gefahr wird unterschätzt: Angesichts des Strukturwandels in der Wirtschaft kann die frühe und hohe Spezialisierung der Auszubildenden ihre Jobchancen im Alter beeinträchtigen.

Die duale Berufsausbildung, in der Lehrlinge parallel im Betrieb und in der Berufsschule ausgebildet werden, hat eine tief verwurzelte Tradition im deutschsprachigen Raum. Hierzulande durchläuft mehr als die Hälfte eines jeden Jahrgangs eine Lehr- oder Anlernausbildung.

Das Besondere an unserem System: Die Jugendlichen erwerben berufsspezifische Kompetenzen, die meist passgenau auf die spätere Berufstätigkeit vorbereiten. Die Azubis kennen daher die Realität der Wirtschaft und besitzen in der Regel exakt die Kompetenzen, die die Unternehmen erwarten. Deshalb fällt ihnen der Übergang von der Schul- in die Arbeitswelt vielfach leichter als Absolventen allgemeinerer Bildungsgänge.

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Aber das ist nur eine Seite der Medaille. Die andere Seite: Wenn sich die von der Wirtschaft benötigten Kompetenzen über die Zeit verändern, dann steigt die Gefahr, dass die jeweils auf einen spezifischen Beruf ausgerichteten Kompetenzen auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr benötigt werden. Der sich beschleunigende technologische und (berufs-)strukturelle Wandel führt dazu, dass ganze Industrien nach Osteuropa oder Ostasien abwandern.

Dynamische Aspekte der Ausbildung fehlen

Trotz bester Ausbildung werden in der deutschen Wirtschaft daher zum Beispiel kaum mehr Schneider nachgefragt. Dafür benötigen die Betriebe umso mehr Mechatroniker. Und wer weiß, welche Kompetenzen in 30 Jahren – wenn die heutigen Azubis noch nicht einmal 50 Jahre alt sind – in der Wirtschaft gefragt sind?

Allgemeinere Bildungsinhalte, die nicht auf einzelne Berufsgruppen zugeschnitten sind, lassen sich vergleichsweise leichter in anderen Berufszweigen anwenden. Diesen Aspekt der Berufsausbildung in einer dynamischen und globalisierten Wirtschaft machen wir uns hierzulande nicht genügend bewusst.

Eine neue Studie von Eric A. Hanushek (Stanford University), Lei Zhang (Tsinghua University) und mir zeigt diesen Konflikt zwischen besseren Beschäftigungschancen in jungen Jahren und schlechteren in älteren Jahren auf und belegt seine empirische Relevanz.

Daten von 15 000 Menschen im Alter von 16 bis 65 Jahren aus 18 Ländern erlauben es uns, die Beschäftigungsstrukturen über den gesamten Berufslebenszyklus abzubilden. Einflussfaktoren wie individuelle sprachliche und mathematische Kompetenzniveaus oder Aspekte der familiären Herkunft sind in der empirischen Analyse herausgerechnet.

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