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Der Fall Schwan: Unmoralisches Angebot

von Harald Schumacher

Was macht eigentlich an dem Brief von Gesine Schwan an die Ratiopharm-Geschäftsführung so fassungslos?

Gesine Schwan während einer Quelle: AP
Gesine Schwan während einer Pressekonferenz im Willy-Brandt-Haus in Berlin Quelle: AP

Zum einen ist es die Überheblichkeit. Dass die Universitätspräsidentin und der Transparency-International-Gründer Peter Eigen verheiratet sind, würde Schwan eigentlich verpflichten, beide Interessen und Funktionen besonders streng auseinander zu halten. Schwan aber bietet sich und Ihren Mann auf dem Briefpapier der hoch angesehenen Viadrina-Universität als Moral-Tandem an. „Wir“, schreibt sie an den Pharma-Konzern, „wir könnten sie dabei unterstützen, saubere Mistreiter zu finden und ein System der good governance und eines öffentlich transparenten ´Code of Conduct´ zu stärken, das Ihnen eine uneingeschränkte Glaubwürdigkeit verschafft, die Sie jetzt nicht haben.“ „Wir“, „uneingeschränkete Glaubwürdigkeit“. Und von einer Viadrina-Kostenstelle spendet Schwan auch noch 5000 Euro an eine Organisation, die ihr Mann gegründet hat. Unfassbar.

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Zum zweiten ist es die Anspruchshaltung. Schwan konfrontiert Ratiopharm mit ihrem Angebot und fordert gleich im nächsten Satz eine Spende für eine ihr nahestehende Einrichtung. Das Unternehmen solle die Humboldt-Viadrina School of Governance „mit einem nennenswerten Betrag“ unterstützen: „Um unserer beider Glaubwürdigkeit willen gehören beide Projekte zusammen.“ Zusammen? Nein, Recht und Gesetz fordern, Spende und Leistung so deutlich wie möglich voneinander zu trennen.

Weshalb Ratiopharm das unmoralische Angebot vor einem Jahr ja auch zurückwies. Der aufgrund seines Geschäftsgebarens in der Tat umstrittene Konzern aus Ulm zeigt sich da der Wissenschaftlerin, die sich fürs Bundespräsidentenamt für geeignet hält, in Sachen Moral überlegen. Auch unfassbar.

Zum dritten frappiert das Unschuldsgefühl, mit dem Schwan das alles verteidigt. „Jedenfalls hätte es mehr“ als ein Betrag von 20.000 Euro sein müssen, was sie von Ratiopharm erwartete, erläutert sie den Vorgang. Und sie beschreibt, dass ein „größeres Team“ „eine jahrelange Beschäftigung mit der Firma hätte eingehen müssen“, damit sich Ratiopharm „aus einer tiefen Krise hätte herausarbeiten“ könnte: „Dies entspricht der üblichen Praxis von Transparency International.“ Noch einmal unfassbar. Denn Schwan äußert sich über eine Organisation, bei der sie keinerlei Funktionen hat. Und bisher trat Transparency International keineswegs wie eine Unternehmensberatung auf.

Alles aufgeklärt habe Schwan zu dem Vorgang, meint SPD-Generalsekretär Hubertus Heil. Doch klar ist in dem Fall bisher nur: Auch vermeintliche Moral-Eliten brauchen Kontrolle.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 27.05.2008, 19:18 UhrAnonymer Benutzer: Eva Kaiser

    Frau Schwan missfiel mir im DW-TV (sehr), als sie sich als bUNDESPRÄSiDENTEN-Kandidatin vorstellte. Möchte nicht von ihr repräsentiert werden im Ausland,

  • 26.05.2008, 21:17 UhrAnonymer Benutzer: hardy

    was kann einen eigentlich noch wundern bei diesem moralisch verkommenen politpack???

  • 26.05.2008, 18:58 UhrAnonymer Benutzer: Alfred Bader, Divisional-Manager

    Wäre der Fall Gensine Schwan "Unmoralisches Angebot", auch ohne ihre bewerbung zur bundespräsidenten-Wahl veröffentlich worden??

    Sollte jedoch dieser Vorgang wirklich so stattgefunden haben, macht dies schon sehr betroffen.
    Mein persönlicher Eindruck bei einem Vortrag "Zwischen Markt und Moral..." von Frau Prof. Schwan in Wiesbaden, am 28.03.2007, waren durchaus positiv.
    bei der bewerbung von Frau Prof. Schwan gegen den amtierenden bundespräsidenten kommt man schon ins Grübeln, zumal bei den bereits jetzt ersichtlichen Hintergründe.
    Vor allem, wenn man hier das politische Umfeld betrachtet und man sich auch seitens ihrer politischen befürworter nicht scheut, den Postkommunisten der ehemaligen DDR für ihre Wahl eine Schlüsselfunktion einzuräumen.
    Dies würde sich weniger für einen weiteren Vortrag von Frau Prof. Schwan über das Thema "Zwischen Politik und Moral..." eignen.
    Doch dürfen wir ja alle noch dazu lernen.

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