
Zum einen ist es die Überheblichkeit. Dass die Universitätspräsidentin und der Transparency-International-Gründer Peter Eigen verheiratet sind, würde Schwan eigentlich verpflichten, beide Interessen und Funktionen besonders streng auseinander zu halten. Schwan aber bietet sich und Ihren Mann auf dem Briefpapier der hoch angesehenen Viadrina-Universität als Moral-Tandem an. „Wir“, schreibt sie an den Pharma-Konzern, „wir könnten sie dabei unterstützen, saubere Mistreiter zu finden und ein System der good governance und eines öffentlich transparenten ´Code of Conduct´ zu stärken, das Ihnen eine uneingeschränkte Glaubwürdigkeit verschafft, die Sie jetzt nicht haben.“ „Wir“, „uneingeschränkete Glaubwürdigkeit“. Und von einer Viadrina-Kostenstelle spendet Schwan auch noch 5000 Euro an eine Organisation, die ihr Mann gegründet hat. Unfassbar.
Zum zweiten ist es die Anspruchshaltung. Schwan konfrontiert Ratiopharm mit ihrem Angebot und fordert gleich im nächsten Satz eine Spende für eine ihr nahestehende Einrichtung. Das Unternehmen solle die Humboldt-Viadrina School of Governance „mit einem nennenswerten Betrag“ unterstützen: „Um unserer beider Glaubwürdigkeit willen gehören beide Projekte zusammen.“ Zusammen? Nein, Recht und Gesetz fordern, Spende und Leistung so deutlich wie möglich voneinander zu trennen.
Weshalb Ratiopharm das unmoralische Angebot vor einem Jahr ja auch zurückwies. Der aufgrund seines Geschäftsgebarens in der Tat umstrittene Konzern aus Ulm zeigt sich da der Wissenschaftlerin, die sich fürs Bundespräsidentenamt für geeignet hält, in Sachen Moral überlegen. Auch unfassbar.
Zum dritten frappiert das Unschuldsgefühl, mit dem Schwan das alles verteidigt. „Jedenfalls hätte es mehr“ als ein Betrag von 20.000 Euro sein müssen, was sie von Ratiopharm erwartete, erläutert sie den Vorgang. Und sie beschreibt, dass ein „größeres Team“ „eine jahrelange Beschäftigung mit der Firma hätte eingehen müssen“, damit sich Ratiopharm „aus einer tiefen Krise hätte herausarbeiten“ könnte: „Dies entspricht der üblichen Praxis von Transparency International.“ Noch einmal unfassbar. Denn Schwan äußert sich über eine Organisation, bei der sie keinerlei Funktionen hat. Und bisher trat Transparency International keineswegs wie eine Unternehmensberatung auf.
Alles aufgeklärt habe Schwan zu dem Vorgang, meint SPD-Generalsekretär Hubertus Heil. Doch klar ist in dem Fall bisher nur: Auch vermeintliche Moral-Eliten brauchen Kontrolle.













