Der Wandel in Zahlen: Erst Vollbeschäftigung, dann Vollkatastrophe

ThemaArbeitsmarkt

Der Wandel in Zahlen: Erst Vollbeschäftigung, dann Vollkatastrophe

von Lin Freitag

Die gute Nachricht zuerst: Schon im Jahr 2015 kann es in Deutschland Vollbeschäftigung geben. Doch danach geht es nur noch bergab. 2030 könnte es zehn Millionen mehr Jobs als Arbeitnehmer geben.

Im Juni betrug die Arbeitslosenquote in Deutschland 6,5 Prozent. Das sind 2,8 Millionen Menschen ohne Job. Aus der heutigen Perspektive scheint das trotz des starken Rückgangs der letzten Jahre noch zu viel. Und doch werden sich die Bundesbürger vielleicht in ein paar Jahren danach zurücksehnen. Denn Deutschlands Zukunft wird durch ein Überangebot an Arbeit geprägt sein – davon gehen die Autoren einer aktuellen Studie aus.

Die Unternehmensberatung BCG untersuchte die Entwicklung von 25 verschiedenen Arbeitsmärkten. Das Ergebnis: In vielen Ländern wird es bis 2020 noch mehr Arbeitnehmer als Jobs geben. Zehn Jahre später sieht das allerdings ganz anders aus. Für Deutschland fallen die Prognosen besonders düster aus.

Anzeige

In der Bundesrepublik werden schon in sechs Jahren zwei Millionen Arbeitnehmer fehlen. Bis zum Jahr 2030 kann sich die Zahl sogar auf zehn Millionen erhöhen. Im internationalen Vergleich steht Deutschland damit schlecht dar: Sogar in Japan, bislang immer das Paradebeispiel für die dramatischen Folgen des demographischen Wandels, wird die Lücke nicht so groß ausfallen.

Studie Deutschland stehen „Goldene Zwanzigerjahre“ bevor

Das Forschungsinstitut Prognos erwartet ab 2020 ein goldenes Jahrzehnt für die deutsche Wirtschaft - doch bis zum Absturz ist es nicht weit.

Mitten im Geldsegen: Für die kommenden Jahre geht es Deutschland gut. Quelle: getty images

Noch schlimmer als die Bunderepublik trifft es nur Brasilien. Dem WM-Gastgeber werden in sechs Jahren vorrausichtlich neun Millionen Arbeitskräfte fehlen. Dieser Wert kann sich allerdings bis zum Jahr 2030 auf bis zu 41 Millionen erhöhen. Diese Zahl entspricht 33 Prozent der Arbeitskräfte und ist damit die größte Arbeitskräftelücke der 25 untersuchten Volkswirtschaften.

Auch zwei andere BRIC-Staaten trifft der Wandel hart. Hat China im Jahr 2020 noch einen Überschuss zwischen 55 Millionen und 75 Millionen Arbeitskräften, kann das zehn Jahre später schon ganz anders aussehen. Die Autoren der Studie sagen der Volksrepublik einen Mangel von bis zu 25 Millionen Arbeitnehmern voraus. Russland wird schon im Jahr 2020 mehr Jobs als Arbeitnehmer haben.

Anders sieht es in den USA aus. Dort wird es in zehn Jahren voraussichtlich einen Überschuss von 17 Millionen bis 22 Millionen Erwerbstätigen geben – und auch 2030 verfügen die USA noch über ein Plus von mindestens sieben Millionen Arbeitnehmern. Der größten Herausforderung sieht sich Südafrika mit einem Überhang von 36 Prozent im Jahr 2020 gegenüber, der bis 2030 sogar auf 39 Prozent steigen kann.

weitere Artikel

Einen Weg aus dieser Misere zu finden, ist schwierig. Selbst wenn ab sofort wieder sehr viel mehr Kinder geboren werden, könnte Deutschland die Situation bis 2030 kaum entschärfen. Um die Lücke zu schließen, müsste laut Studie Folgendes geschehen: Die Erwerbstätigenquote der 65-Jährigen und Älteren müsste sich von aktuell etwas über vier Prozent auf zehn Prozent erhöhen. Die Erwerbstätigenquote von Frauen müsste sich von derzeit 71 auf 80 Prozent erhöhen.

Außerdem müssten mehr Frauen Vollzeit arbeiten. Und weil das immer noch nicht reicht, müsste sich auch noch die jährliche Nettozuwanderung auf 460.000 erhöhen. Und weil auch das immer noch nicht reicht, müssten auch noch enorme Investitionen in Bildung und Qualifizierung folgen, damit sich die Arbeitsproduktivität von aktuell 0,9 Prozent auf 1,2 Prozent erhöht.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%