Deutsche Auswanderer: Dann geht doch!

KommentarDeutsche Auswanderer: Dann geht doch!

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Viele Deutsche wandern aus - wichtig wäre allerdings, dass Deutschland sich stärker um Rückkehrer kümmern würde.

von Cordula Tutt

Überhaupt nicht schlimm ist, dass jährlich mehr als 100.000 qualifizierte und meist junge Menschen aus Deutschland fortziehen. Dennoch liefert eine Studie gute Gründe, mehr für eine Willkommenskultur und für die Rückkehrer zu tun.

Gar nichts ist schlecht daran, dass es junge Menschen und Hochqualifizierte aus Deutschland fortzieht. Zur guten Ausbildung und zur Berufserfahrung gehört heute halt auch, dass jemand länger im Ausland gelebt hat, andere Eindrücke gesammelt, den Alltag bewältigt und eine andere Sprache gut gelernt hat. Und was spricht dagegen, wenn eine junge Frau oder ein junger Mann frei nach der Devise loszieht: Rein in ein Land, raus mit der Sprache? Alles prima fürs eigene Leben wie für die Gesellschaft, aus der man kommt. Schließlich kehren die allermeisten Auswanderer wieder zurück nach Deutschland und bringen frische Ideen mit.

Eine Studie des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) bietet nun erstmals genauere Zahlen und Motive der mobilen Deutschen. Über sie ist jenseits von Auswanderer-Dokus im Fernsehen weniger bekannt als über jene krisengeplagten Bürger aus Ländern der südlichen EU, die in Deutschland einen Job und ein bisschen Glück suchen. In den fünf Jahren zwischen 2009 und 2013 sind also etwa 710.000 Menschen fortgezogen und haben sich in Deutschland abgemeldet. Dem standen 580.000 Rückkehrer gegenüber. Deutschland verliert demnach jährlich im Schnitt etwa 25.000 Staatsbürger durch Abwanderung.

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1700 Aus- und Rückwanderer haben die Wissenschaftler befragt: Neue Erfahrungen waren ihr wichtigster Antrieb sich zu verabschieden, ein besseres Einkommen und andere berufliche Möglichkeiten spielten auch eine Rolle. Wer zurückkehrt nach Deutschland, tut dies oft wegen seiner Familie oder seines Partners.

Austauschprogramme und Stipendien

Besonders in Aufbruchsstimmung sind die Deutschen, deren Eltern oder die selbst erst hierher gekommen sind. Wer einmal mobil war, hat vor dem nächsten Schritt weniger Bammel. Dieses Phänomen lässt sich gut bei Auslandschinesen und Auslandsindern beobachten, die seit Generationen weltweit mobil sind und oft über ein verzweigtes Netz an Kontakten zu Familien mit ähnlicher Geschichte verfügen. Unter Deutschtürken könnte sich im Kleinen Ähnliches entwickeln.

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Vieles spricht dafür, den neugierigen Deutschen den Weg ins Ausland weiter zu erleichtern – über Austauschprogramme, Stipendien oder Entsendungen durchs eigene Unternehmen. Doch genauso wichtig wird, dass sich Deutschland stärker um die kümmert, die vielleicht zurückkehren wollen. Diese Art von Willkommenskultur bei Unternehmen oder Wissenschaftseinrichtungen ist nur wenig entwickelt.

Jemand, der im Ausland war und samt Familie zurückkehrt, braucht oft nicht nur einen Job, sondern auch einen zweiten für den Partner. Die Kinder würden vielleicht gerne weiter auf eine internationale Schule gehen. Dabei können „Willkommensbeauftragte“ helfen – das kostet kaum etwas, ist oft aber Gold wert, um gut anzukommen. Damit kann man werben.

Fast noch wichtiger ist, dass wir den Eingewanderten in Deutschland mehr von einer „Willkommenskultur“ zuteil werden lassen. Auf ihre Zahl bezogen ziehen besonders viele Deutsche mit ausländischen Wurzeln weg. Wer nicht richtig angekommen ist, sucht eher das Weite.

Das zeigt auch das Beispiel von Jawed Karim. Er wurde 1979 als Sohn eines Chemikers aus Bangladesh und einer deutschen Biochemikerin in Merseburg geboren. Die Familie mit deutschem Pass und teilweise dunkler Hautfarbe wanderte 1992 in die USA aus, weil sie Hass gegen sich verspürte. Karim, jung, deutsch und ideenreich, gründete später mit zwei Kumpels das Videoportal YouTube. 2006 verkauften sie es für 1,65 Milliarden US-Dollar an Google.

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