
Das Feuerwerk beim Altstadtfest, die zweimonatigen Kulturtage im Herbst, die neuen Instrumente für die Musikschule, die Metzler-Orgel für St. Magdalena – das alles könnte sich die Stadt nicht leisten ohne Maria-Elisabeth Schaeffler. Die INA-Bigband eröffnet die Kirchweih, das Liebfrauenhaus pflegt christliche Werte, die Lebenshilfe engagiert sich für Behinderte – weil Maria-Elisabeth Schaeffler zuweilen ihr Scheckbuch zückt. Keiner in der Stadt lässt was auf Frau Schaeffler kommen, sagen zwei Lokalredakteure. „Es macht mich heute noch wütend, wie man über sie hergefallen ist“, sagt ein leitender Angestellter.
Völlig daneben ist die Kritik seiner Parteifreunde gewesen, sagt der SPD-Bürgermeister.
Fällt Schaeffler in den nächsten Jahren als Gewerbesteuerzahler aus, bricht ihm praktisch der gesamte Haushalt weg. An eine saubere Planung sei derzeit ohnehin nicht im Traum zu denken. Bereits in diesem Jahr wurden in Herzogenaurach weniger Primeln gepflanzt. Auch die Kehrmaschine dreht nicht mehr ganz so oft ihre Runden. Luxusprobleme, sicher. Die Arbeitslosigkeit liegt unter drei Prozent. Noch.
Schaeffler: Kein Abbau von Arbeitsplätzen bis 2010
Denn tatsächlich läuft die Uhr ab für zahlreiche Mitarbeiter bei Schaeffler. Bis Ende Juni 2010, so hat man sich mit den Gewerkschaften verständigt, werden keine Arbeitsplätze abgebaut; danach werde man weiter sehen. Mehr als 6000 Mitarbeiter haben zwischenzeitlich kurzgearbeitet.
Die Auftragslage ist schwach, die Überkapazitäten sind hoch, die Verbindlichkeiten enorm. Mindestens 1000 Menschen werden wohl ihren Arbeitsplatz verlieren. Und je näher der Zeitpunkt rückt, desto lauter wird die Kritik an Maria-Elisabeth Schaeffler. Die Beschäftigten sind hin- und hergerissen. Sie solidarisieren sich mit einer Persönlichkeit, der sie viel zu verdanken haben – und sie ärgern sich über eine Frau, die ihr gesundes Unternehmen ohne Not an den Bettelstab brachte.
Sie ist das Opfer der Hybris ihres Vorstandschefs geworden, sagt einer. Sie hat die Tragweite des Deals nicht begriffen, sagt ein anderer. Sie war schlicht überfordert, sagt ein Dritter. Die Tränen damals seien jedenfalls echt gewesen. Maria-Elisabeth Schaeffler habe um ihr Unternehmen geweint – und sich ihrer selbst geschämt.
Ein leitender Schaeffler-Ingenieur erinnert sich, dass er am Tag der Übernahme all seine Conti-Aktien verkauft hat: „Ich wusste, dass sie viel zu teuer waren und dachte nur: Oh, Gott, das geht nicht gut.“ Sein Kollege wiederum ging aus ganz anderen Gründen frustriert nach Hause.
Jahrelang musste er sich bei Conti hin- und herschubsen lassen, länger arbeiten ohne Lohnausgleich, ständig bedroht von einer Lohnkürzung oder Kündigung, permanent erpresst von der nächsten Standortverlagerung. Conti ist für Arbeitnehmer die Hölle, sagt er, Schaeffler das Paradies.
Er zweifelt, dass die beiden Unternehmen je zusammenwachsen; die Kulturen seien zu unterschiedlich, da könne kein zweites Bosch draus werden. Das ganze Monopoly sei in Wahrheit ein einziges Trauerspiel, sagt er, aber bitte: Was wolle man ändern?
Viele Kollegen hätten angefangen, sich neue Jobs zu suchen, seit die Extras ausbleiben und der Name der Firma beschädigt ist. Er selbst wolle dennoch vorerst bleiben. Am Ende sei die Schaeffler-Gruppe noch immer ein Familienunternehmen. Und Frau Schaeffler eine ehrenwerte Frau, der ihre Mitarbeiter nicht gleich sind.
Zukunft baut auf Substanz auf, nicht auf Kredit
Frankfurt Auch in Frankfurt an der Kaiserstraße kann es noch ehrenwert zugehen, jedenfalls bei Hauck & Aufhäuser, einer Art Vermögensverwaltung mit Banklizenz. Die Gründung des Hauses liegt 213 Jahre zurück. Goethe war damals ein Teenager, Beethoven mit seinem ersten Klavierkonzert beschäftigt.
Man wird von Stilmöbeln empfangen und Antiquitätenkatalogen; man nimmt in Salons Platz, die „Mendelssohn“ oder „Hölderlin“ heißen, man schaut auf Ölbilder und Blumengestecke, nimmt altmodische Lampenschirme und edle Vorhangstoffe wahr. Das Geschäft von Hauck & Aufhäuser besteht darin, das Vermögen ihrer Kunden zu sichten, zu sichern und wenn möglich zu vermehren. Das Haus gehört zu großen Teilen Unternehmern, zu geringen Teilen einer Lebensversicherung und der kuwaitischen Herrscherfamilie, das Management wird von zwei persönlich haftenden Gesellschaftern angeführt, einer von ihnen heißt Volker van Rüth.
Auch er glaubt an die Gier wie an ein anthropologisches Gesetz – und daran, dass der Kapitalismus nicht ohne Krisen zu haben sei. Aber van Rüth sieht auch Fortschritte und Lernprozesse. Die Eigenkapitalvorschriften der Banken seien strenger, ihr Risikomanagement verbessert worden. Vor allem aber spürt er in Frankfurt eine anonyme Dankbarkeit dem Staat gegenüber, dafür, dass es noch einmal gut gegangen sei.
Tatsächlich sei man sich in der Krise näher gekommen; jetzt sei die Frage, ob man auch gemeinsam etwas lerne. Zum Beispiel, dass feste Werte zählen, keine losen Versprechen. Dass Zukunft auf Substanz aufbaut, nicht auf Kredit. Und dass Vertrauen nur da entsteht, wo man nicht Getriebenen, sondern Verantwortlichen begegnet.











- als Spam melden
- antworten
- als Spam melden
- antworten
- als Spam melden
- antworten
Alle Kommentare lesen05.09.2009, 21:20 UhrAnonymer Benutzer: herbert ax
was soll`s das Spielkasino (man nennt diese betreiber heute aber auch banken) ist wieder offen. Ein neues Spiel läuft schon wieder , boni und Gehälter sind durch die anderen Steuerzahler mehr oder weniger unfreiwillig gesichert. Nein boni sind es ja jetzt nicht mehr, es muß heißen "Treueprämie,Halteprämie,Leistungsprämie, oder Ausgleichszahlung für verminderte bezüge". Wie bescheuert muß man eigentlich sein um diesen Typen noch zu trauen. Wir sind von Narren Umzingelt , aber leider sitzen die auch noch in den Parteien und Regieren. Es läuft alles weiter wie gehabt aber warscheinlich wird der Einsatz jetzt noch erhöht damit noch mehr Profit herauskommt, wenns kracht egal , der Staat wird es wieder richten.
schönes Wochenende
04.09.2009, 13:29 UhrAnonymer Benutzer: christoph claus
Ein sehr beindruckend geschriebener bericht volles Lob an den Verfasser
03.09.2009, 21:00 UhrAnonymer Benutzer: KaterKarlo
Klasse Artikel! Und hört endlich auf ständig mit dem Schwämmchen Weichspüler in die Augen zu träufeln. Es gehört wieder eine Diskussion der Themen in die Landschaft. Dazu muss angespitzt und polarisiert werden. Das Aussitzen der anstehenden Probleme muss bestraft werden - denn nicht die taktierenden Aussitzer leiden unter der Vertagung der Probleme in die Politikerrente. ich wünsche Angela Murks zwei Kinder - Sie würde sich schlagartig in einer anderen Welt wiederfinden. beispielsweise Verantwortung übernehmen zu müssen statt Seifenblasen in die Welt zu pusten.