Deutsche Soldaten in Afghanistan: "Wir haben 19 Anschläge verhindert"

Deutsche Soldaten in Afghanistan: "Wir haben 19 Anschläge verhindert"

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Der Bundesnachrichtendienst (BND) will nach eigenen Angaben seit 2011 19 Anschläge auf deutsche Soldaten in Afghanistan verhindert haben.

In der NSA-Affäre ist der Bundesnachrichtendienst heftig in die Kritik geraten. Jetzt geht BND-Präsident Schindler in die Offensive - und redet über Erfolge seiner Agenten.

Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat nach eigenen Angaben seit 2011 in 19 Fällen Anschläge auf deutsche Soldaten in Afghanistan verhindert. Insgesamt unterstütze der auch für den Schutz deutscher Soldaten im Ausland zuständige Auslandsnachrichtendienst den Afghanistan-Einsatz derzeit mit rund 300 Mitarbeitern vor Ort und in der Zentrale, sagte BND-Präsident Gerhard Schindler in einer am Montag veröffentlichten Rede bei einem Geheimdienst-Kongress in Berlin. Aktuell sind rund 1500 deutsche Soldaten in Afghanistan im Einsatz.

Erstmals nannte Schindler auch konkrete Zahlen zu BND-Aktionen im Zusammenhang mit der Befreiung von im Ausland entführten deutschen Staatsangehörigen. „In den letzten fünf Jahren waren wir an der Lösung von über 30 Entführungsfällen beteiligt. In vier Fällen haben wir dabei den Aufenthaltsort der Geiseln ermittelt“, sagte er.

Was ist über die NSA-Spionage in Deutschland bekannt?

  • Wie konnte die NSA Merkels Handy abhören?

    Der GSM-Standard, mit dem Telefongespräche auf Handys verschlüsselt werden, gilt schon lange als geknackt. Die Gespräche können von Lauschern also entschlüsselt werden. Dazu müssen die Angreifer die Telefonate allerdings mitschneiden. Es besteht der Verdacht, dass sich auf dem Dach der US-Botschaft im Berliner Regierungsviertel technische Vorrichtungen befinden, die dazu genutzt werden können.

  • Hört die NSA Merkels Handy weiter ab?

    Nachdem der „Spiegel“ das Abhören des Merkel-Handys aufgedeckt hatte, reagierte US-Präsident Barack Obama. „Die Vereinigten Staaten überwachen die Kommunikation der Kanzlerin nicht und werden sie nicht überwachen“, erklärte Sprecher Jay Carney Ende Oktober. Was die heute als gesichert geltenden Abhörmaßnahmen in der Vergangenheit nicht ausschloss. Das Weiße Haus gab zudem keine Zusicherung, dass Merkels Umfeld nicht abgehört wird.

  • Kann Merkel sich gegen die Telefon-Überwachung schützen?

    Die Kanzlerin kann ein besonders geschütztes Kryptohandy nutzen. Damit wurde die Bundesregierung im vergangenen Herbst ausgestattet. Diese Geräte verwenden zusätzliche Verschlüsselungstechnik. Allerdings funktioniert die sichere Kommunikation nur, wenn die Gesprächspartner ebenfalls über ein solches Sicherheitshandy verfügen. Die Hersteller berichten, dass seit Bekanntwerden des Spähskandals die Nachfrage nach ihren teuren Geräten gestiegen sei.

  • Warum wurde Merkel abgehört?

    Die USA und Deutschland arbeiten eng zusammen, etwa in der Nato. Doch nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA wurde Deutschland zum wichtigsten Aufklärungsziel in Europa, wie der ehemalige NSA-Mitarbeiter Thomas Drake dem „Spiegel“ sagte. Einige der Todespiloten lebten unentdeckt von deutschen Sicherheitsbehörden in Hamburg. Die USA sollen sich außerdem für die wirtschaftliche Lage und die außenpolitischen Ziele Deutschlands interessieren.

  • Seit wann wurde Merkel belauscht?

    Nach Berichten des früheren Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden soll der Geheimdienst NSA seit 2002 das Privat-Handy Merkels abgehört haben. Damals war sie CDU-Vorsitzende. Die NSA soll mehr als 300 Berichte über Merkel gespeichert haben.

  • Interessierte sich der US-Geheimdienst nur für Merkel?

    Offenbar nicht. Nach Recherchen der „Süddeutschen Zeitung“ und des NDR wurde auch schon SPD-Kanzler Gerhard Schröder abgehört. Grund sei sein Konfrontationskurs zu den USA im Irak-Krieg 2003 gewesen.

  • Wie sieht es mit der deutschen Bevölkerung aus?

    Dass die Kanzlerin belauscht wurde, brachte den NSA-Skandal in Deutschland erst richtig ins Rollen. Doch auch die Kommunikation ganz normaler Internetnutzer kann vom US-Geheimdienst und seinem britischen Partnerdienst GCHQ ausgespäht werden. Die Dienste zapfen zum Beispiel die Unterseekabel an, über die Daten verschickt werden.

Dabei richte der BND seine Aufklärungssysteme gezielt auf den jeweiligen Fall aus und stelle die erforderlichen Kontakte her - „zu Partnern im Ausland und, wenn es sein muss, auch zu den Entführern selbst“. Eingebunden sei der BND auch in Geheimverhandlungen im Nahen und Mittleren Osten. So vermittle der Dienst seit fast zwei Jahrzehnten immer wieder erfolgreich zwischen der radikalen Schiitenbewegung Hisbollah und Israel. Bekannt ist etwa, dass der BND an der Freilassung des von der radikal-islamistischen Hamas im Gazastreifen entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit im Oktober 2011 mitgewirkt hatte.

Bei den BND-Einsätzen in Afghanistan gehe es nicht nur um strategische Erkenntnisse, sagte Schindler. „Wir müssen zum Beispiel wissen, in welcher Seitenstraße gerade eine neue Sprengfalle verbaut worden ist. Auf der Basis dieser Erkenntnisse erstellen wir Warnmeldungen, und unsere Warnmeldungen retten Leben.“ Dabei stützt sich der BND nicht nur auf Informanten, sondern auch auf abgehörte Telefongespräche und gemeinsam mit Partnerdiensten abgefangene Internet-Kommunikation.

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Schindler verteidigte die internationale Zusammenarbeit des BND mit anderen Geheimdiensten. So wie Deutschland Lageinformationen und Warnmeldungen zum Beispiel von den Mongolen, den Ungarn, den Dänen, den Aserbaidschanern, den Jordaniern oder anderen in Afghanistan engagierten Nationen erhalte, „so dürfen diese Partner zu Recht erwarten, dass auch wir unsere Erkenntnisse an sie weitergeben“. Dabei gehe es auch um den Austausch personenbezogener Daten, etwa wenn Angehörige der Terrororganisation Al-Kaida, Taliban-Kommandeure oder Selbstmordattentäter identifiziert werden müssten. Vor allem im Zusammenhang mit der NSA-Affäre um die Datenschnüffelei des US-Geheimdienstes National Security Agency hatte unter anderem die Opposition heftige Kritik an der internationalen Zusammenarbeit des BND und dem damit verbundenen Datenaustausch geübt.

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