Deutscher Bundestag: Cyber-Attacke offenbar schlimmer als befürchtet

Deutscher Bundestag: Cyber-Attacke offenbar schlimmer als befürchtet

, aktualisiert 10. Juni 2015, 23:00 Uhr
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Nach dem Cyberangriff auf das interne Datennetz des Bundestags muss nun womöglich das gesamte System erneuert werden.

Totalschaden im Bundestag: Wegen des Cyber-Angriffs auf den Bundestag muss nach Medieninformationen womöglich die komplette Soft- und Hardware des Parlamentsnetzes ausgetauscht werden.

Die Cyberattacke auf den Bundestag hat Medienberichten zufolge deutlich mehr Schaden angerichtet als bisher bekannt. Nach Informationen von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“ muss das Parlament sein gesamtes Computer-Netzwerk neu aufbauen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sei zu dem Ergebnis gekommen, dass das Netz nicht mehr gegen den Angriff verteidigt werden könne und aufgegeben werden müsse. Einem Bericht von „Spiegel Online“ zufolge fließen noch immer Daten in unbekannter Richtung ab.

Der Bundestag wollte sich am Mittwoch nicht zu den Berichten äußern. Das geschehe auch aus Respekt vor den zuständigen parlamentarischen Gremien, sagte Bundestagssprecher Ernst Hebeker. Seinen Angaben zufolge wird sich der Ältestenrat des Parlaments an diesem Donnerstag mit dem Hackerangriff beschäftigen.

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Diese Cyber-Gefahren gilt es zu entschärfen

  • Cyber-Kriminalität

    Friedrich will die Bürger schneller vor Risiken warnen und den Informationsaustausch zwischen Unternehmen über neu entdeckte Angriffsstrategien verbessern.

  • Wirtschaftsspionage

    Großkonzerne treiben teils großen Aufwand, Geschäftsgeheimnisse gegen digitalen Diebstahl zu sichern. Kleineren Unternehmen aber fehle oft das Risikobewusstsein, moniert der Innenminister.

  • Schutz kritischer Netze

    Die Nationale Strategie zum Schutz kritischer Infrastrukturen stammt von 2009. Sie soll Strom-, Wasser- oder Telefonnetze absichern. Ihre Umsetzung zieht sich hin.

  • Vorratsdatenspeicherung

    Friedrich will Telefon- und Internet-Verbindungsdaten EU-konform sechs Monate speichern. Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger geht das zu weit.

Vor vier Wochen war bekanntgeworden, dass Bundestags-Computer das Ziel einer beispiellosen Cyberattacke geworden waren. Unbekannte hatten einen Trojaner ins Netzwerk eingeschleust und Daten abgezweigt. Wer hinter dem Angriff steckt, ist bislang unklar. Wiederholt war aber darüber spekuliert worden, dass ein ausländischer Geheimdienst dahinterstecken könnte, möglicherweise der russische.

Laut „Spiegel Online“ wird in Parlamentskreisen bereits ein „Totalschaden“ befürchtet. Womöglich müsse nicht nur die Software der Rechner neu installiert, sondern auch die komplette Hardware ausgetauscht werden. Dies würde Monate dauern und Kosten in mehrstelliger Millionenhöhe verursachen. NDR, WDR und „SZ“ berichten, die Angreifer hätten mittlerweile sogar Administratoren-Rechte an sich gebracht. Sie hätten somit Zugriff auf beliebige Systeme des Bundestags sowie auf alle Zugangsdaten der Fraktionen, Abgeordneten und Mitarbeiter.

Weitere Artikel

Der SPD-Netzexperte Lars Klingbeil kritisierte die Informationspolitik der Bundestagsverwaltung. „Gegenüber den Abgeordneten gibt es kaum Kommunikation und große Verunsicherung. Keiner weiß hier so richtig, was los ist“, sagte der Obmann der SPD-Bundestagsfraktion im Ausschuss Digitale Agenda der „Mitteldeutschen Zeitung“.

„Wir haben das im Ausschuss zweimal auf die Tagesordnung gesetzt. Und es ist niemand von der Bundestagsverwaltung gekommen, der uns da einen Bericht gegeben hat.“ Auch sein CDU-Kollege Tankred Schipanski, sagte: „Das ist von Seiten der Bundestagsverwaltung eine merkwürdige Informationspolitik.“

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