1 Grüne Leitindustrie

In Güstrow auf mecklenburgischem Flachland entsteht Zukunft. 20 Riesentanks ragen zeltförmig gen Himmel. Drinnen gärt Mais-Silage bei 36 Grad Celsius luftdicht verschlossen vor sich hin. Dabei entsteht methanhaltiges Biogas, das die Bioenergiefirma Nawaro in Energie umwandelt — genug für 50 000 Haushalte.
In der Energieversorgung spielt Biogas noch eine untergeordnete Rolle. Doch deutsche Unternehmen bestreiten auf dem Weltmarkt 90 Prozent des globalen Geschäfts mit Biogasanlagen. Und das ist noch nicht alles: Bei nachhaltiger Mobilität beträgt der Weltmarktanteil deutscher Unternehmen 20 Prozent, bei Energieeffizienz 30 Prozent, so eine Studie der Beratung Roland Berger (siehe Grafik).
Dank rigider Umweltgesetze, großzügiger Subventionen und gut ausgebildeter Ingenieure arbeiten hierzulande bereits 1,2 Millionen Menschen in der Greentech-Industrie — mehr als im Automobilsektor. Der Teil des Bruttoinlandsprodukts, der mit Umwelttechnologien erwirtschaftet wird, soll bis 2020 von acht auf 14 Prozent steigen, so die Prognose von Roland Berger. Insbesondere der Maschinenbau, die Paradebranche der deutschen Industrie, habe das Thema „früh als Megatrend identifiziert“, sagt Berater Torsten Henzelmann.
2 Begehrtes Gütesiegel
Es ist Ironie der Geschichte: 1887 führten Briten die Bezeichnung „Made in Germany“ ein, um heimische Konsumenten vor minderwertigen Produkten aus Deutschland zu warnen. Heute steht das Label weltweit für Qualität — mehr denn je.
Deutsche Marken haben Kultstatus: Amerikaner lieben Mercedes, BMW und Audi, Russen und Araber begehren Haushaltsgeräte von Liebherr und Miele, Chinesen kaufen Zwilling-Messer und WMF-Kochtöpfe, und in Japan gilt Florena-Handcreme als Premiummarke mit Preisen von über 15 Euro. Chinesische Firmen werben in Radio und TV mit dem Slogan „Die Qualität ist sehr deutsch“.
Von all dem profitiert der deutsche Standort: Justus Haucap, Chef der Monopolkommission, sagt: „Die hohen Standortkosten sind vergleichbar mit einer Franchisegebühr, die ein Unternehmen dafür zahlt, mit ,Made in Germany‘ werben zu dürfen.“
3 Erfolgreicher Umschlagplatz
Moderne Logistik geht heute so: Das mittelständische Unternehmen Fiege vom Niederrhein fertigt Bauteile, Bleche und Ersatzteile und liefert diese im Auftrag des Hubschrauberproduzenten Eurocopter nicht nur im 24-Stunden-Service in aller Welt aus, sondern baut diese gleich ein. » » Kontraktlogistik heißt das, ist ein Wachstumsmarkt — und die Deutschen sind vorne dabei.
Unter den 20 führenden Kontraktlogistikern der Welt kommt die Hälfte aus Deutschland: Darunter befinden sich Konzerne wie DHL und DB Schenker, Mittelständler wie Fiege und Dachser oder branchenfremde Konzerntöchter wie Volkswagen Logistics. Das Potenzial ist riesig: Allein in Deutschland ist der Markt erst zu 25 Prozent ausgeschöpft.
Die Logistik ist eine weitere deutsche Paradedisziplin. Knapp 200 Milliarden Euro setzten hiesige Unternehmen im vergangenen Jahr um. Damit ist das -Volumen rund doppelt so groß wie in Frankreich, dem zweitgrößten Markt Europas. Mehr noch: Eine Studie der Weltbank ehrt Deutschland als weltweit führenden Logistikstandort! Damit wurde Singapur vom Thron gestoßen. Deutschland punktet mit guter Infrastruktur, professioneller Zollabfertigung und hoher Pünktlichkeit.








