Deutschland: Steinmeier: Industrielle Basis schützt Deutschland vor Finanzkrise

Deutschland: Steinmeier: Industrielle Basis schützt Deutschland vor Finanzkrise

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Außenminister Frank-Walter Steinmeier

Deutschland ist nach Einschätzung von SPD-Vize und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier durch seine erfolgreich arbeitende Industrie besser gegen die Finanzkrise gefeit als andere Nationen wie die USA und Großbritannien. Dies sagte Steinmeier im Interview mit der WirtschaftsWoche.

„Deutschland ist nicht den ökonomischen Moden hinterhergehechelt, hat nicht ausschließlich auf Dienstleistungen und den Finanzsektor gesetzt. Das Interesse der Regierungen, denen ich angehörte, war immer auch die Stärkung des industriellen Sektors“, sagte Steinmeier im Gespräch mit der WirtschaftsWoche. „Ich war nie der Überzeugung, dass wir die Zukunft unserer Wirtschaft ausschließlich auf Dienstleistungen bauen können. Im Gegenteil. Viele Male haben wir in Brüssel dafür gestritten, dass Europa seine industriellen Fähigkeiten nicht preisgibt. Dass einzelne Staaten im Grunde fast ihr ganzes Nationaleinkommen an einem Finanzplatz erwirtschaften, kann nicht der Maßstab sein. Auch deshalb sind wir heute das industriell stärkste Land in Europa. Dass die Finanzkrise der vergangenen Monate Deutschland nicht in dem Maße erfasst hat wie zum Beispiel die USA und Großbritannien, hängt eben auch mit dem starken industriellen Rückgrat unserer Wirtschaft zusammen.“

Dabei lobt Steinmeier besonders kleinere und mittlere Unternehmen dafür, dass sie Arbeitsplätze in großer Zahl geschaffen haben. „Gerade eigentumsgeführte Unternehmen und industrielle Mittelständler haben in den vergangenen Jahren die positiven Rahmenbedingungen sozialdemokratischer Reformpolitik genutzt, um massiv Arbeitsplätze aufzubauen. Es ist doch wirklich schade: Genau in dem Moment, in dem wir die Erfolgsgeschichte einer Renaissance der deutschen Industrie mit robusten Auftragseingängen und mehrheitlich gut bezahlten Arbeitsplätzen zu erzählen haben, die Geschichte vom Exportweltmeister und einem Beschäftigungsaufbau in Millionenhöhe – ausgerechnet in diesem Moment brechen Nachrichten von Missmanagement, Gier und Steuerskandalen über uns herein.“

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Für die Zukunft erwartet Steinmeier eine noch stärkere gegenseitige Abhängigkeit des Westen und der aufstrebenden Wirtschaftsräume Asiens. Das schaffe neuen Druck, sich gegenseitig um das Wohlergehen des anderen zu kümmern. „Wir sind in einer Übergangsphase; die Welt sucht nach einer neuen Ordnung. Diese neue Ordnung wird mit Sicherheit eine multipolare sein: Der Westen bleibt eine bestimmende Macht, gerät aber in wachsende Konkurrenz mit asiatischen Einflusssphären, vornehmlich China, aber auch Indien, Vietnam, Indonesien oder Südkorea. Unsere Aufgabe ist es, die Überzeugung von einem gemeinsamen globalen Bewusstsein zu stärken; zu verdeutlichen, dass mehr Gestaltungswille auch mehr Bereitschaft zur Übernahme globaler Verantwortung bedeutet. Dass die Menschheit ihre zentralen Probleme zum ersten Mal nur noch gemeinsam lösen kann, birgt auch eine historische Chance: Es hat noch nie ein größeres wechselseitiges Interesse am Wohlergehen der jeweils anderen gegeben.“ Allerdings müsse man sich von der Vorstellung verabschieden, dass wirtschaftlicher Erfolg nur demokratischen Gesellschaften vergönnt sei. Das gelte allenfalls für den langfristigen Erfolg. „Ich habe nie daran geglaubt, dass Globalisierung die Staaten und Gesellschaften automatisch immer ähnlicher werden lässt“, so Steinmeier in der WirtschaftsWoche. „Was wir tatsächlich erleben, ist eine extrem uneinheitliche Entwicklung. In China zum Beispiel wächst die Volkswirtschaft unter der Regie einer Ein-Parteien-Herrschaft, in Indien gedeiht sie im Rahmen einer westlich geprägten Demokratie. Das zeigt, dass eine günstige wirtschaftliche Entwicklung nicht nur am politischen System hängt. Ihre Dauerhaftigkeit aber schon. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass langfristig nur Demokratien dafür sorgen können, die mit rasantem Wirtschaftswachstum eintretenden Widersprüche in einer Gesellschaft zu bewältigen.“

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