Rente: Was der Milliarden-Zuschuss über unsere Altersvorsorge aussagt

AnalyseDeutschland: Was der Milliarden-Zuschuss über unsere Rente aussagt

von Max Haerder

Die Ausgaben des Bundes für die Rente werden im Jahr 2021 erstmals die Marke von 100 Milliarden Euro übersteigen. Das sollte uns drei Lehren der deutschen Altersvorsorge bewusst machen.

Die Zahl aus dem jüngsten Finanzbericht des Bundesfinanzministeriums sieht auf den ersten Blick monströs aus, für Fachleute ist sie allerdings alles andere als neu. Schon in den vergangenen Jahren prognostizierten die Finanzbeamten das Erreichen der 100-Millarden-Grenze meist für Anfang der Zwanzigerjahre. Nun also: 2021.

Einhundert Milliarden Euro aus Steuermitteln, die in die Rentenversicherung gepumpt werden, Jahr für Jahr. Zunächst ist das nur eine logische Konsequenz unseres Alterssicherungssystems - einerseits. Andererseits: Das baldige Überschreiten der symbolischen Marke ist ein guter Moment, um innezuhalten und sich drei Lehren vor Augen zu führen.

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1. Die gesetzliche Rente ist keine echte Versicherung

Versicherung, das klingt nach individuellem Anspruch, als solcher wird die Rente eigentumsrechtlich tatsächlich auch begriffen.

Altersvorsorge: So viel Rente darf der Standardrentner erwarten

  • Zur Prognose

    Die Prognosen beziehen sich auf den sogenannten Standardrentner, der 45 Jahre Beiträge gezahlt und immer das Durchschnittseinkommen der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten verdient hat. Die angegebene Bruttostandardrente versteht sich vor Steuern. Das Sicherungsniveau vor Steuern gibt das Verhältnis der Renten im Vergleich zum Durchschnittseinkommen der beitragszahlenden Beschäftigten abzüglich der durchschnittlichen Sozialversicherungsbeiträge an.

     

    Quelle: Rentenversicherungsbericht 2015, Deutsche Rentenversicherung Bund, Stand: November 2015

     

  • 2010

    Beitragssatz zur GRV: 19,9 %

    Bruttostandardrente: 1224 Euro monatlich

    Sicherungsniveau vor Steuern: 51,6 %

  • 2016

    Beitragssatz zur GRV: 18,7 %

    Bruttostandardrente: 1372 Euro monatlich

    Sicherungsniveau vor Steuern: 47,7 %

  • 2020

    Beitragssatz zur GRV: 18,7 %

    Bruttostandardrente: 1517 Euro monatlich

    Sicherungsniveau vor Steuern: 47,6 %

  • 2025

    Beitragssatz zur GRV: 20,4 %

    Bruttostandardrente: 1680 Euro monatlich

    Sicherungsniveau vor Steuern: 46,0 %

  • 2029

    Beitragssatz zur GRV: 21,5 %

    Bruttostandardrente: 1824 Euro monatlich

    Sicherungsniveau vor Steuern: 44,6 %

Und dennoch: Letztlich handelt es sich bei der gesetzlichen Altersvorsorge um eine Wette auf die gesellschaftliche Produktivität von morgen. Die Rentenkasse ist nicht der Sparstrumpf der Nation, für den ihn viele halten; nicht das Säckel, in dem die Milliarden für den Lebensabend brav gehortet werden.

Deutschland verfügt über keinen Staatsfonds. Bei uns finanziert die arbeitende Generation die, die bereits im Ruhestand ist. In der Hoffnung, dass deren Kinder (oder Einwanderer...) es einst genauso schaffen werden. Andersgesagt: Die Rente lebt von der Hand in den Mund.

Rentenversicherungsbericht Bundesregierung rechnet 2018 mit steigenden Renten

Beiträge runter, Renten rauf - doch das Ende der rosigen Zeiten ist absehbar. Der Jubel über die Entlastung der Beitragszahler hält sich bei manchen deshalb in engen Grenzen.

Millionen Beitragszahler können sich auf eine leichte Entlastung bei der Rente freuen Quelle: dpa

Die Umlage alleine, also das Geld der heutigen Beitragszahler, könnte die Renten, die heute fällig sind, schon lange nicht mehr alleine finanzieren. Rund 290 Milliarden Euro an Ausgaben hat die Rentenversicherung derzeit. Fast ein gutes Drittel der Einnahmen (rund 91 Milliarden) kommt bereits aus dem Steuertopf. Ohne diese Mittel wäre der Generationenvertag längst nicht mehr einzuhalten. Das sollte man wissen.

Allein aus diesem Grund ist der immer noch bestehende Mangel an betrieblicher und sonstiger privater Vorsorge besorgniserregend.

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