Deutschland: ZEW-Barometer steigt auf höchsten Stand seit über drei Jahren

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Deutschland: ZEW-Barometer steigt auf höchsten Stand seit über drei Jahren

Kurz vor der Bundestagswahl steigt der Konjunkturoptimismus der Börsenprofis überraschend deutlich und erreicht den höchsten Stand seit April 2010. Auch die Lage der heimischen Wirtschaft war besser als im Vormonat.

Das ZEW-Barometer für die Konjunkturentwicklung in den kommenden sechs Monaten kletterte im September um 7,6 auf 49,6 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit April 2010, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner Umfrage unter 260 Anlegern und Analysten mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Wert von 46 Zählern gerechnet.
"Die Finanzmarktexperten sehen die deutsche Konjunktur weiter im Aufwind", sagte ZEW-Präsident Clemens Fuest. "Insbesondere die verbesserten Aussichten für die Euro-Zone sorgen dafür, dass der Konjunkturoptimismus der Experten zunimmt, obwohl die Wirtschaftszahlen für Deutschland zuletzt hinter den Erwartungen zurückblieben."

Konjunkturindikatoren

  • ZEW-Konjunkturerwartungen

    Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

  • ifo-Index

    Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

  • Einkaufsmanagerindex

    Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

  • Geldmenge (M1)

    Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

     

  • Baltic Dry Index (BDI)

    Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

  • GfK-Konsumklimaindex

    Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

     

Auch die Lage der heimischen Wirtschaft bewerteten die Finanzprofis besser als im Vormonat. Dieses Barometer kletterte überraschend deutlich um 12,3 auf 30,6 Zähler. Hier hatten Experten nur einen Anstieg auf 20,8 Punkte erwartet. Die deutsche Wirtschaft war nach einer Stagnation zu Jahresanfang im Frühjahr mit 0,7 Prozent kräftig gewachsen. Für das zweite Halbjahr rechnet das Bundeswirtschaftsministerium damit, dass sich das Wachstumstempo normalisiert.

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