Deutschlands Konjunktur: Ungesundes Wachstum

Deutschlands Konjunktur: Ungesundes Wachstum

, aktualisiert 23. Mai 2017, 09:22 Uhr
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Das Wachstum in Deutschland ist stark exportgetrieben.

von Norbert HäringQuelle:Handelsblatt Online

Die deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal kräftig gewachsen. Geht man nach den Zahlen des Statistischen Bundesamts, waren die Wachstumstreiber allerdings nicht die, die man sich wünschen würde.

FrankfurtAuf den ersten Blick ein hervorragendes Ergebnis: schon im ersten Quartal wuchs die deutsche Wirtschaft um 0,6 Prozent, bestätigte Destatis die vorläufige  Rechnung. Hochgerechnet sind das immerhin zweieinhalb Prozent im Jahr. Auf den zweiten Blick sieht es allerdings nicht mehr ganz so gut aus. Der ungewöhnlich milde Winter hat den Bau begünstigt, der praktisch keine Winterpause einlegen musste. Die 0,2 Prozentpunkte, die der Bau zum Wachstum beigetragen hat, dürften zu einem Gutteil darauf beruhen. Im nächsten Quartal ist von hier mit einem Abzugsposten zu rechnen. Bedenklicher sind die 0,4 Prozentpunkte, die der Außenhandel beigesteuert hat.

Das bedeutet ein weiterhin stark exportgetriebenes Wachstum. Bei dem bereits erreichten extremen Niveau des Außenhandelsüberschusses und dem akuten Streit mit den Handelspartnern darum, muss man diese Art des Wachstums ungesund nennen. Früher oder später muss der Außenhandelsüberschuss deutlich runter, weil er in dieser Höhe dauerhaft nicht bestehen bleiben kann. Je hartnäckiger er oben bleibt und je später die Korrektur einsetzt, desto abrupter wird sie wahrscheinlich stattfinden.

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Der private Konsum, der verwendungsseitig zwei Drittel des Bruttoinlandsprodukts ausmacht, hat nur 0,2 Prozent zum Wachstum beigetragen. Das ist sehr wenig. Die Ausrüstungsinvestitionen nahmen zwar nach drei Quartalen des Rückgangs endlich wieder etwas zu, aber mit plus 1,2 Prozent eher bescheiden. 

Schließlich deuten die „Vorratsveränderungen“ mit einem großen negativen Wachstumsbeitrag von 0,4 Prozentpunkten darauf hin, dass die Zahlen von Destatis mit einiger Vorsicht zu genießen sind. Denn was vornehm Vorratsveränderungen heißt, ist in Wahrheit  die Kategorie, die den statistischen Fehler auffängt. Wenn die verschiedenen Arten, das Bruttoinlandsprodukt zu schätzen, zu verschiedenen Ergebnissen führen, wird der Ausgleich über diese Größe hergestellt.

Unter dem wichtigen Vorbehalt, dass die Zahlen später nicht deutlich revidiert werden, lässt sich resümierend feststellen, dass im ersten Quartal die deutsche Wirtschaft weiterhin eine vom Außenhandel getriebene Wirtschaft, mit schwacher Binnennachfrage und schwachen heimischen Investitionen war. Es ist bei dieser Datenlage schwer, dem Vorwurf des Auslands zu begegnen, dass Deutschland mehr für seine Binnennachfrage tun und allmählich von seinen hohen Außenhandelsüberschüssen herunterkommen müsste. Da die Unternehmen sehr gute Gewinne machen und offenkundig preislich sehr wettbewerbsfähig sind, liegt die Vermutung nahe, dass es die im Verhältnis zur guten Wirtschaftslage schwache heimische Nachfrage ist, die die Investitionen im Heimatland dämpft, nicht die Standortattraktivität von der Kostenseite.

Quelle:  Handelsblatt Online
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