DFB-Museum in Dortmund: Bevorzugt Dortmund den BVB?

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DFB-Museum in Dortmund: Die dunkle Seite des Museums-Märchens

Bevorzugt Dortmund den BVB?

Obwohl das soziale Elend der Nordstadt nur einen Steinschlag vom Fußballmuseum entfernt ist, könnte der Kontrast zwischen den Armutsmigranten im Norden und den Videoinstallationen aus den größten Momenten deutscher Fußballgeschichte größer nicht sein. Oberbürgermeister Sierau sieht dennoch kein Problem. „Wir haben auch Konzepte für die Nordstadt. Zudem sind durch das Fußballmuseum rund 100 Arbeitsplätze geschaffen worden, davon profitieren auch die Menschen aus der Nordstadt.“

Ob sich Dortmunds sozial Schwächere den Eskapismus in die Welt des runden Leders im Betonquader überhaupt leisten können, ist allerdings fraglich. 17 Euro kostet das Erwachsenenticket ohne Ermäßigung. Ursprünglich kalkuliert war es mit einem Preis von knapp mehr als sieben Euro.

Als ein Reporter vom Fernsehen Sierau im Fußballmuseum nach der sozialen Verträglichkeit der Preise fragt, reagiert dieser schroff und verweist auf Ermäßigungen und Gruppentickets. Doch so günstig sind auch diese nicht: Schulklassen zahlen immerhin 10 Euro pro Schüler. Als der Fernsehreporter Sierau dann noch fragt, ob er aufgrund seiner BVB-Dauerkarte in Fragen des Fußballs befangen sein könnte, verliert dieser endgültig die Contenance: „Ich bin überhaupt nicht befangen, aber vielleicht schließen Sie von sich auf andere“, sagt Sierau nennt den Reporter einen „Trittbrettfahrer journalistischer Art.“

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Die engen Banden zwischen Ullrich Sierau und dem BVB sind dabei kein Geheimnis. So sitzt der erklärte Fußballfan Sierau auch im Wirtschaftsrat des BVB. „Und ich bin auch Mitglied im Beirat des BVB“, erklärt Sierau unumwunden im Gespräch mit der Wirtschaftswoche. Ungenauigkeiten bei der Trennung der Ämter hat Sierau sich keine zuschulden kommen lassen. 2014 forderten etwa die Grünen wegen der Überlassung von stadteigenen Stadionhallen an den BVB die Prüfung eines möglichen Interessenskonflikts Sieraus von der Kommunalaufsicht. Die Aufsicht antwortete, dass Sierau „vor den entscheidenden Verhandlungen“ die Verantwortung übertragen habe.

Dennoch ist die Kulanz, die Dortmund gegenüber dem börsennotierten Unternehmen BVB zeigt, in vielen Fällen belegt: Seien es steuerliche Erleichterungen aus der Zeit, als der BVB finanziell angeschlagen war, oder günstige Verträge mit der Stadt, wie 2013 die Überlassung von stadteigenen Sporthallen unter dem Stadion an den BVB unter dem gutachterlich festgelegtem Wert. Die Stadt bestreitet einen Verkauf unter Wert und spricht von der Einpreisung einer möglichen Rechtsstreitigkeit mit dem BVB, die dadurch abgewendet wurde.

Doch auch unter Sportvereinen herrscht Unmut. Der Eishockeyverein Eisadler, der immerhin ein 250-Mann starkes Nachwuchskader trainiert, stöhnt unter der Übermacht des BVB: „Wir können uns kaum Ausrüstung leisten, während das Unternehmen BVB ständig von der Stadt hofiert wird.“

Die Stadt sieht hingegen keine Bevorzugung des BVB. Bei dem Projekt Fußballmuseum verweist Sierau auf den Nutzen für die Stadt: Die Gastronomie, der Einzelhandel, die Hotelerie, sie alle würden von dem Museum profitieren. Genau Zahlen könne er nicht nennen, sagt Sierau, man könne ja beim Gaststättenverband nachfragen. Doch auch der konnte - trotz mehrmaliger Anfragen - keine Zahlen oder Schätzungen bereitstellen.

Selbst Bastian Pütter, sicher kein Freund des Fußballmuseums, räumt auch positive Effekte der Dortmunder Ausgaben für Fußball ein. „Der ideele Nutzen des Fußballs für die Region ist nicht zu unterschätzen. Nach dem Niedergang der Schwerindustrie ist Fußball der letzte Zusammenhalt der Identität dieser Stadt.“

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Besonders günstig, das zeigt der Fall Dortmund, sind diese Ideale nicht zu haben. Besonders für den Steuerzahler nicht.

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