DFB-Museum in Dortmund: Die dunkle Seite des Museums-Märchens

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DFB-Museum in Dortmund: Die dunkle Seite des Museums-Märchens

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Deut5sches Fussballmuseum in Dortmund ist ab dem 25.Oktober geöffnet.

von Andreas Macho

In Dortmund wird das neue Museum des DFB eröffnet. Der Sinn des „zentralen Erinnerungsorts des deutschen Fußballs“ ist umstritten - trotzdem kostet er das Land NRW und die Ruhrgebietsstadt viel Geld.

Der Schuh aus dem Märchen steht unter Sicherheitsglas. Kein Damenschuh von Aschenputtel ist es, sondern das Stollenschuhwerk von Fußballstürmer Mario Götze. 2014 schoss er Deutschland damit zum Weltmeister. Ab Sonntag kann die Reliquie nun unter allem möglichen High-Tech-Klimbims im neuen Dortmunder Fußballmuseum bestaunt werden.

Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau pilgerte bereits vor der Eröffnung des Museums zu Götzes Schuh. Bei der Vorabbesichtigung des Fußballmuseums lehnte er so lässig über dem Glaskasten mit der Reliquie, als stünde er an der Theke einer Bar. „Noch nie war ich dem Schuh so nahe. Ich bin froh, dass wir ihn in Dortmund haben“, sagte Sierau.

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Keine Sportart weckt in Deutschland so starke Emotionen wie Fußball. Die Heim-Weltmeisterschaft und der WM-Titel der Deutschen von 2014 versetzten das Land in einen kollektiven Freudentaumel. Um diesem Sommermärchen von 2006 ein Denkmal zu setzen und einen „zentralen Erinnerungsort des deutschen Fußballs“ zu schaffen, haben der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Stadt Dortmund unter Bezuschussung des Steuerzahlers das Deutsche Fußballmuseum errichtet. Mehr als 36 Millionen Euro verschlang der Bau in der Dortmunder Innenstadt.

Dieses Wochenende, wenige Tage nach den Vorwürfen, dass der DFB das Sommermärchen durch schwarze Kassen gekauft haben könnte, wird es eröffnet. Das Land NRW förderte das Projekt mit 18,5 Millionen Euro. Die Stadt Dortmund steuerte nach Angaben von 2010 – konkrete aktuelle Zahlen gibt es nicht – nochmal 3,232 Millionen Euro bei, um den Schuh des Stürmers nach Dortmund zu holen.

Umstrittenes Prestigeobjekt

Nun muss sich die Ruhrstadt allerdings Fragen nach der Sinnhaftigkeit des Prestige-Baus gefallen lassen. Denn Dortmund ist ohnehin chronisch klamm. In keiner anderen Stadt Nordrhein-Westfalens sind die Schulden in den vergangenen zehn Jahren so rasant angestiegen wie in Dortmund. Mehr als zwei Milliarden Euro beträgt das Minus.

Auch wenn Dortmunds Ausgaben für Sozialleistungen weiter steigen, ist die Teilnahme am öffentlichen Leben für sozial Schwache in der Stadt härter geworden: Eintrittsvergünstigungen für Hartz-IV-Empfänger wurden teils gestrichen, der Eintrittspreis für den beliebten Westfalenpark wurde angehoben. „Ein Schlag ins Gesicht, besonders für Familien“, sagt Utz Kowalski von der Linkspartei.

Zwanziger über WM 2006 „Eindeutig, dass es eine schwarze Kasse gab“

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach gerät immer stärker in Bedrängnis. Vorgänger Theo Zwanziger bestätigt die Existenz einer schwarzen Kasse und greift Niersbach scharf an. „So, wie ich das sehe, lügt Niersbach.“

Der damalige DFB-Präsident Theo Zwanziger und sein Nachfolger Wolfgang Niersbach im Jahr 2011: Schwere Vorwürfe gegen den aktuellen DFB-Präsidenten. Quelle: dpa

Für König Fußball hat Dortmund trotzdem stets Steuergeld übrig. Und das betrifft nicht nur das Fußballmuseum. Auch der Ballspielverein Borussia 09 (BVB) durfte bereits auf die Kulanz der Stadtoberen vertrauen. „Natürlich ist der BVB ein wichtiges Aushängeschild für die Stadt, aber man kann doch nicht immer ein Unternehmen derart bevorzugen“, sagt die CDU-Politikerin Annette Littmann. Für Unmut sorgt die Dominanz des BVB auch bei anderen Sportverbänden: „Zuerst kommt der BVB und dann kommt lange nichts. Für uns fällt eben kaum etwas ab“, heißt es etwa vom örtlichen Eishockeyverein.

Doch warum muss eine Stadt den Fußball überhaupt so unterstützen? Wer profitiert von dem Wechselspiel aus Begeisterung, Emotionalität und Werbeeinnahmen? Und warum muss der Steuerzahler die Begeisterung für den Ballsport eigentlich subventionieren?

Fragen dieser Art beantwortet schon ein Blick auf den Oberbürgermeister Dortmunds. Ullrich Sierau, der gelehnt über dem Schuh von Mario Götze den Journalisten nun Bonmots in den Block diktiert, ist die Nähe zum Fußball quasi auf den Leib geschneidert. Sein Sakko ziert ein Anstecker des DFB, um sein Handgelenk ist ein gelbes Band mit dem Logo des BVB gewickelt. „Dortmund hat das Glück einen Bürgermeister zu haben, der Fußball liebt“, wird er der Wirtschaftswoche später sagen.

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