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DIHK-Präsident Driftmann: "Das Thema Betreuungsgeld regt mich auf!"

von Christian Ramthun und Cornelia Schmergal

Der DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann wettert gegen die Herdprämie – und fordert eine Anwerbeoffensive für südeuropäische Arbeitskräfte.

Der Präsident des Deutsche Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Hans Heinrich Driftmann Quelle: dapd
Der Präsident des Deutsche Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Hans Heinrich Driftmann, ist ganz klar gegen das Betreuungsgeld Quelle: dapd

WirtschaftsWoche: Herr Driftmann, unsere Wirtschaft wächst, in vielen Nachbarländern herrscht dagegen Rezession. Kann die Euro-Krise doch noch auf die deutschen Unternehmen übergreifen?

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Driftmann: Diese Frage treibt die 3,6 Millionen Unternehmen, die wir vertreten, tatsächlich um. Unsere Umfragen zeigen: Die Unternehmen und ihre Beschäftigten haben in der Vergangenheit die richtigen Maßnahmen eingeleitet. Auch die Politik, beginnend mit der Agenda 2010, hat die Rahmenbedingungen an einigen Stellschrauben verbessert. Das müssen wir jetzt fortschreiben. Andere Länder durchlaufen gegenwärtig einen schmerzhaften Anpassungsprozess, sodass dort bald wieder eine ernst zu nehmende Konkurrenz für Deutschland entsteht. Auf keinen Fall dürfen wir aus der Arroganz des Erfolges heraus unseren Vorsprung verspielen.

An wen richtet sich Ihre Mahnung?

Ich richte sie vor allem an die Bundesregierung. Da gibt es derzeit angesichts sprudelnder Steuerquellen wieder die Tendenz, aus Imagegründen teure und überflüssige Maßnahmen zu ergreifen. Ich halte das nicht für seriös, denn der Staat ist immer noch hoch verschuldet.

Welche Maßnahmen halten Sie konkret für falsch?

Denken Sie nur an das Betreuungsgeld. Dieses Thema regt mich wirklich auf! Die 1,2 Milliarden Euro, die hier künftig ausgegeben werden sollen, sollte man besser nutzen, um die Kinderbetreuung wie versprochen auszubauen. Ich rate dringend vom Betreuungsgeld ab. Es setzt für den Arbeitsmarkt die falschen Signale.

Warum? Weil es Frauen vom Arbeitsmarkt fernhält?

Ja. Dabei brauchen wir mehr Frauen in der Wirtschaft. Eine der größten Herausforderungen für die Unternehmen ist der Fachkräftemangel. 37 Prozent der Unternehmen sagen schon heute, dass sie offene Stellen zwei Monate oder länger nicht besetzen können. Das entspricht ungefähr 1,2 Millionen freien Stellen. Diese Situation ist eine echte Gefahr für den Standort Deutschland. Deshalb müssen wir alle brachliegenden Potenziale und Reserven ausschöpfen. Dazu gehört auch, dass künftig immer mehr ältere Beschäftigte freiwillig über das 67. Lebensjahr hinaus arbeiten werden. Und wir brauchen dringend mehr Zuwanderung.

Glauben Sie wirklich, dass sich die deutschen Unternehmen ausreichend um die verstärkte Akquise weiblicher Fachkräfte kümmern?

Sicher gibt es mancherorts noch Nachholbedarf. Wir müssen die Frauen unterstützen – die Wirtschaft gemeinsam mit der Politik. Und wir müssen bessere Rahmenbedingungen für berufstätige Frauen schaffen. Dazu gehören auch, da wo möglich, mehr Betriebskindergärten. Viele Eltern haben es nach meiner Erfahrung gern, wenn ihre kleinen Kinder während der Arbeitszeit in räumlicher Nähe bleiben. Allerdings muss die Politik die gesetzlichen Vorgaben entschlacken und flexibler machen. Ich wollte in meinem Unternehmen einen Betriebskindergarten bauen – das ist dann quasi an ein paar Quadratmeter fehlender Rasenfläche gescheitert. Ich finde das unglaublich.

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1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 13.06.2012, 13:25 Uhrbubi111

    Die Chefs von Industriefirmen beweisen einen erstaunlichen Tunnelblick. Wenn sie Probleme haben schreien sie nach der einfachsten Lösung - die Gesellschaft soll möglichst billig liefern... „Die Betriebe sind keine Erziehungsanstalt“ - sind sie doch...
    Die Lehrlinge müssen das lernen, was sie in der Familie und in der Schule nicht gelernt haben...,
    aussortieren allein reicht nur in Zeiten des Überangebotes...

    Es rächt sich wenn die Politik und die Gesellschaft diese primitiven Reflexe immer wieder befriedigt: - Die Industrieleiter müssen sich auch um gesellschaftliche Probleme, eben um auch Politik kümmern – sollten sie wie jeder Staatsbürger. Einfacher ist es nach dem Staat oder der städtischen Verwaltung zu schreien, wenn der Schmutz auf dem Bürgersteig liegt, statt selbst den Besen zu Hand zu nehmen. Jetzt erst fällt auf, dass die Lehrer oft nicht richtig ausgebildet sind und selber vom Leben ( in der Arbeitswelte ) keine Ahnung haben und die Jugend auf die Arbeitswelt nicht vorbereiten können und wollen...
    Bisher galt und gilt noch bei Ingeneuren: diese sollen gut ausgebildet von der Hochschule kommen – und Weiterbildung, Fortbildung Fehlanzeige! Aussortieren, was nicht mehr gut genug ist, und dann halt woanders ausgebildete Fachkräfte abstauben...
    Die Industrie hat die „Gast- oder Fremdarbeiter“ geholt...aber die gesellschaftlichen und familiären Probleme waren dann zweitrangig... diese gehen dann die Bosse nichts mehr an... Hauptsache die kurzfristigen Bilanzen stimmen...

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