Diskussion: Pro und contra Migration

Diskussion: Pro und contra Migration

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Gastarbeiter aus Italien tauschen am 15.12.1962 auf der Post in Wolfsburg DM gegen Lire. Ob es Sinn macht den Fachkräftemangel mit der Zuwanderung von Fachkräften zu bekämpfen isit strittig.

von Hans Jakob Ginsburg

Eine Flut von Mails und eine gesittete und höfliche Diskussion – über die Zuwanderung von ausländischen Fachleuten streiten Leser wie Experten.

Vielen Unternehmen fehlen qualifizierte Mitarbeiter. Darüber besteht Konsens. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle fordert darum, die Zuwanderung von Fachleuten einfacher und attraktiver zu machen. Da gibt es keinen Konsens mehr: Von rechts wie von links ist das Argument zu hören, erst einmal sollten doch Einheimische auf die entsprechenden Stellen gesetzt werden: Leute vielleicht, bei deren Ausbildung nachgeholfen werden muss, dann natürlich junge Leute oder auch Berufstätige, denen einfach Anreiz und Chance geboten werden muss, aus der Arbeitslosigkeit heraus zu kommen.

Es gibt hörenswerte Argumente pro und contra Zuwanderung - weit jenseits romantischer Begeisterung über offene Grenzen einerseits und „Kinder-statt-Inder"-Phantasien andererseits. Vor allem aber gibt es Diskussionsbedarf. Selten hat ein Beitrag auf dieser Internetseite in so kurzer Zeit so viele Reaktionen meinungsfreudiger User provoziert wie Renate Köchers „Mehrheit der Bürger gegen mehr Zuwanderung". Dabei hat die Allensbach-Chefin ja nur ganz nüchtern die Ergebnisse einschlägiger Umfragen referiert und analysiert.

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Diskussion lohnt sich

Angenehm, dass die große Mehrheit der Zuschriften das kontroverse Thema gesittet und höflich angeht. Kaum verwunderlich, dass nicht nur die Mehrheit der vom Allensbacher Institut Befragten, sondern auch die Mehrheit der Einsender Zuwanderung eher ablehnt. Die Demoskopin Köcher hatte unterstrichen, dass die Einstellung zur Migration mit aktuellen ökonomischen Fragen weniger zu tun hat als mit anderen sozialen und politischen Faktoren. Dementsprechend unterscheiden Sie – unsere Leser – sich insgesamt nicht sehr von der Gesamtbevölkerung.

Was nichts daran ändert, dass sich die wirtschaftspolitische Diskussion über Zuwanderung lohnt. Es gibt hier bei den Zuwanderungsgegnern ein oft wiederholtes Argument, das wahrscheinlich nicht zutrifft: Danach führt Zuwanderung von Arbeitnehmern regelmäßig zu niedrigeren Einkommen einheimischer Kollegen, vielleicht sogar dazu, dass die ihren Arbeitsplatz verlieren. Bei Unqualifizierten, die sowieso schon wenig verdienen, kann es leicht dazu kommen. Neu ins Land kommende Hochqualifizierte dagegen lassen eher Unternehmen und Branchen aufblühen. Im klassischen Einwanderungsland USA haben Wissenschaftler diesen Zusammenhang gründlich erforscht. Danach kann der Zustrom von „Indern" die Job- und Verdienstchancen von einheimischen „Kindern" und deren Eltern nur verbessern.

Außerökonomische Faktoren

Bleiben zwei außerökonomische Faktoren: der demografische Wandel und die Akzeptanz von Zuwanderern durch die Ansässigen. Wenn einfach viel zu wenige Kinder nachwachsen wie derzeit in Deutschland, gewinnt Zuwanderung an volkswirtschaftlicher Attraktivität. Und Deutschlands herkömmlicher Standortnachteil Fremdenfeindlichkeit verliert offenbar an Gewicht. Unter den vielen E-Mails zu Renate Köchers Artikel finden sich nur ganz wenige, in denen das Vorurteil die Feder führt – leicht erkennbar immer dann, wenn bei der Diskussion über neue Zuwanderung nach Deutschland wirkliche oder vermeintliche Probleme mit den hier schon lange lebenden Migranten zitiert werden.

So kann sich der WirtschaftsWoche-Redakteur, der selber seit zwei Jahrzehnten allmorgentlich mit der Straßenbahn nach Düsseldorf fährt, über den User nur wundern, der aus seinen langjährigen Erfahrungen in öffentlichen Verkehrsmitteln seine Ablehnung von noch mehr Ausländern in Deutschland ableitet. Meine Erfahrungen sind anders, sie haben aber mehr mit den „Deutschen" als mit den „Fremden" zu tun. In den Neunzigerjahren war es noch so, dass selbst in der überfüllten Straßenbahn von Krefeld nach Düsseldorf ein Platz in der Regel frei blieb: der neben dem Mann aus Afrika, dessen Nachbar keiner sein wollte. Das ist seit Jahren nicht mehr so. Den WirtschaftsWoche-Redakteur zwingt das zwar oft zum Stehen, aber es freut ihn.

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