DIW-Präsident Klaus Zimmermann: "Höhepunkt der Jobkrise erst 2010"

DIW-Präsident Klaus Zimmermann: "Höhepunkt der Jobkrise erst 2010"

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Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus F. Zimmermann, erläutert am Mittwoch (15.04.2009) auf einer Pressekonferenz im Bundespresseamt in Berlin die "Frühjahrsgrundlinien" seines Institutes zur Konjunktur. Foto: Tim Brakemeier dpa/lbn (c) dpa - Bildfunk

DIW-Präsident Klaus Zimmermann über Strategien gegen die Jobkrise und die arbeitsmarktpolitischen Fehler der großen Koalition.

WirtschaftsWoche: Herr Zimmermann, Deutschland steckt in der schlimmsten Rezession der Nachkriegszeit. Was kommt auf dem Arbeitsmarkt noch auf uns zu?

Zimmermann: Bisher steigen die Arbeitslosenzahlen nur in mäßigem Tempo. Der Arbeitsmarkt reagiert derzeit erst mit Verzögerung auf die Konjunktur. Daher steht uns der Höhepunkt der Jobkrise wohl erst 2010 bevor.

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Welche Jobs sind besonders bedroht?

Anders als sonst betrifft die Krise diesmal nicht überwiegend gering Qualifizierte, sondern auch gut qualifizierte Fachkräfte in exportorientierten Branchen, die unter der globalen Nachfragekrise leiden. Dennoch halte ich Szenarien von fünf Millionen Arbeitslosen im nächsten Jahr für übertrieben. Wir werden kein neues Zeitalter der Verelendung und Massenarbeitslosigkeit erleben. Gerade weil es um Fachkräfte geht, die man im nächsten Aufschwung dringend braucht, versuchen die Betriebe ihre Leute so lange zu halten, bis es wirklich nicht mehr geht.

Die ersten, die gehen müssen, sind vielerorts die Zeitarbeiter. Ist der Aufstieg der Zeitarbeit durch die Rezession beendet?

Überhaupt nicht! Zeitarbeit wird sogar weiter zunehmen. Sie erfüllt eine wichtige Funktion, weil sie die Unternehmen personalpolitisch flexibler macht. Sicher, Zeitarbeiter müssen in der Krise als Erste gehen. Sie werden aber im nächsten Aufschwung auch als Erste wieder eingestellt. Es gibt schon jetzt Betriebe mit Großaufträgen, die Zeitarbeiter anheuern, weil ihnen Festanstellungen zu riskant sind.

Wie stark muss die Wirtschaft wieder wachsen, damit der Jobabbau gestoppt wird – oder gar neue Arbeitsplätze entstehen?

Um 1,3 bis 1,5 Prozent. In den nächsten Jahren dürfte es uns aber schwerfallen, diese Wachstumsraten zu erreichen...

...weshalb die Regierung erneut erwägt, den Bezug von Kurzarbeitergeld zu verlängern – jetzt von 18 auf 24 Monate. Ist das sinnvoll?

Angesichts der aktuellen Krise, die atypisch lang und tief verläuft, habe ich die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes auf 18 Monate begrüßt, da sie den Unternehmen hilft, Fachkräfte vorerst zu halten und weiterzubilden. Aber wenn sich die Lage bis Herbst 2010 nicht entspannt, muss man das Instrument infrage stellen.

Warum?

Kurzarbeit verhindert, dass die Schwächen einzelner Unternehmen und Branchen aufgearbeitet werden und verzögert so die strukturelle Anpassung. Deshalb halte ich eine Ausweitung auf 24 Monate für problematisch. Die längere Bezugsdauer darf auch auf keinen Fall zum Dauerzustand werden. Die Regierung muss sie nach dem Ende der Krise wieder auf sechs Monate zurückführen.

Aber ist es nicht billiger, Kurzarbeit statt Arbeitslosigkeit zu finanzieren?

Das lässt sich so pauschal nicht sagen. Sicher ist es billiger, nur den Ausfall eines Teils des Gehalts auszugleichen als den Ausfall des kompletten Gehalts. Außerdem vermeidet man die hohen Reintegrationskosten, die anfallen, wenn jemand längere Zeit arbeitslos gewesen ist. Auf der anderen Seite besteht die Gefahr von Mitnahmeeffekten bei den Unternehmen – und falschen Anreizen für eine langsamere Anpassung überholter Strukturen.

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