DIW-Studie: Arbeit verliert an Wert

DIW-Studie: Arbeit verliert an Wert

Die Einkommensunterschiede in Deutschland haben sich deutlich vergrößert. Das ist das Ergebnis einer Langzeitstudie des DIW. Während die Besserverdiener zulegen, sinkt das Einkommen im unteren Lohnbereich.

Der Trend zur wachsenden Lohnspreizung verschärft sich seit Jahrzehnten, nie waren die Unterschiede größer als heute. Das zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Zusammenarbeit mit der Freien Universität Berlin (FU Berlin).

Bis zum 30. Lebensjahr sind die Unterschiede demnach gering, dann teilt sich die Kurve: Mittlere Einkommen stagnieren, der Verdienst der Arbeitskräfte mit geringer Ausbildung sinkt gar – auch, weil hier besonders oft Arbeitslosigkeit droht.

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Die Besserverdienenden aber – das sind überwiegend Bürger mit einem Hochschulabschluss – kommen in den Genuss von kräftigen Lohnzuwächsen. Karrieresprünge und Beförderungen sorgen für wachsende Einkommen – und dafür, dass die Schere zwischen den Einkommen immer weiter auseinander geht.

Entwicklung der realen Lebenseinkommen nach Einkommensgruppen und Jahrgängen. (zum Vergrößern bitte anklicken) Quelle: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)

Entwicklung der realen Lebenseinkommen nach Einkommensgruppen und Jahrgängen. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Bild: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)

Demnach ist das Lebenseinkommen, also die Gesamtheit aller über das Erwerbsleben erzielten Löhne und Gehälter, im unteren Lohnbereich über die vergangenen Jahrzehnte real gesunken. Im mittleren Bereich blieb es in etwa stabil, im oberen Lohnbereich nahm es eher zu.

Insgesamt hat sich die Ungleichheit der Lebenseinkommen – gemessen am Gini-Koeffizienten – zwischen den Geburtsjahrgängen 1935 und 1972 in etwa verdoppelt. „Es wird vor allem für die Arbeitnehmer in den mittleren und unteren Lohnbereichen zunehmend schwerer, eigenes Vermögen aufzubauen“, fasst Holger Lüthen, DIW-Mitarbeiter und einer der Autoren der Studie, die Folgen der wachsenden Ungleichheit zusammen. „Gerade die Bezieher niedriger Einkommen können so auch weniger Vermögen als Erbschaft an die nächste Generation weitergeben.“

Die Ungleichheit von Einkommen wird bislang meist an den Jahreseinkommen gemessen. Um eine längerfristige Perspektive einzunehmen und verzerrende Effekte wie Lohnunterschiede zwischen Berufseinsteigern und erfahrenen Angestellten oder unterschiedliche Erwerbsverläufe gleichaltriger Personen herauszufiltern, haben die Wissenschaftler alle rentenversichungspflichtigen Einkommen seit 1949 analysiert und die Lebenseinkommen von westdeutschen, männlichen Angestellten ab dem Jahrgang 1935 verglichen.

Bei den Frauen zeigt sich den Studienautoren zufolge eine ähnliche Entwicklung wie bei den Männern. Da der aber die Fallzahlen der Frauen besonders in frühen Geburtsjahrgängen recht gering waren, stützt sich die Untersuchung hauptsächlich auf den größeren Datensatz der männlichen Angestellten. Um mehr Jahrgänge miteinander vergleichen zu können, haben sich die Wissenschaftler in der weiteren Auswertung auf das bis zum 40. Lebensjahr erzielte Gesamteinkommen konzentriert.

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Das Ergebnis ist ein deutlicher Trend immer weiter divergierender Lebenseinkommen. Der Gini-Koeffizient, das übliche Maß für Ungleichheit, lag für das bis zum 40. Lebensjahr erzielte Lebenseinkommen des Geburtsjahrgangs 1935 noch bei 0,12. Dabei würde der Wert 0 einer völligen Gleichheit aller Einkommen, der Wert 1 einer völligen Ungleichverteilung entsprechen.

Für den Geburtsjahrgang 1972 lag der Gini-Koeffizient bei 0,25. „Bis zu 40 Prozent dieser Verdoppelung lassen sich durch die erhöhte Arbeitslosigkeit erklären“, so die Autoren.

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Besonders für die Bezieher niedriger Einkommen steigt das Risiko beschäftigungsloser Zeit deutlich an. Waren Vertreter des Jahrgangs 1935 bis zum 40. Lebensjahr im Durchschnitt etwa fünf Monate arbeitslos, so waren es im Jahrgang 1972 bereits 40 Monate. Die restlichen 60 Prozent des Anstiegs der Ungleichheit führen die Wissenschaftler auf die seit Jahrzehnten steigende Lohnspreizung zurück.

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