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Doris Schröder-Köpf: Die Wunderwaffe der SPD

von Maike Freund Quelle: Handelsblatt Online

Zu blond, zu dünn, die falschen Klamotten. Kritik, die Doris Schröder-Köpf nicht selten zu hören bekommt. Doch in ihrem Wahlkreis ist sie beliebt – und das nicht nur, weil sie die Frau des Ex-Bundeskanzlers ist.

Integrationsbeauftragte, das will Doris Schröder-Köpf in Niedersachsen werden. Quelle: dpa
Integrationsbeauftragte, das will Doris Schröder-Köpf in Niedersachsen werden. Quelle: dpa

HannoverEs ist, als hätte Doris Schröder-Köpf die beiden für die Medien bestellt: „Ich sagt Ihnen: Sie werden das Rennen machen!“ Umarmungen, Küsse, Händeschütteln und noch mehr Umarmungen folgen. Von Berührungsangst von Seiten der Landtagskandidatin keine Spur. Die beugt sich über den Kinderwagen des Passanten, schäkert mit dem Kind. Und wieder – wie bestellt – strahlt das Kind sie an. Nebenbei stellt Schröder-Köpf dem Vater ein paar Fragen: „Liegt ihnen etwas auf dem Herzen? Haben Sie Fragen an mich?“ Doch zu meckern hat der Mann nichts, er ist einfach froh, Schröder-Köpf zu treffen. „Nächste Woche sprechen wir uns wieder. Und ich sag´ Ihnen, dann haben Sie gewonnen. Viel Glück!“

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Heute ist die Frau des Ex-Bundeskanzlers Gerhard Schröder mit ihrem Wahlkampfteam in Hannover-Mittelfeld, in ihrem Wahlkreis 24 im Süden Hannovers unterwegs. Sie geht von Tür zu Tür, von Passant zu Passant – trotz der eisigen Kälte, trotz des Schnees – um ihre Wahlkampf-Flyer zu verteilen, um mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen, um für ihren Einzug in den Landtag zu werben.

Während andere Viertel des Wahlkreises eher gutbürgerlich oder ziemlich reich sind, leben in Mittelfeld viele Arbeiter, Migranten und Rentner. Mit ihren Hauptthemen – Integration und Demografie – ist das hier für Schröder-Köpf sozusagen ein Heimspiel. Doch wegen des Wetters sind nur wenige Menschen auf den Straßen unterwegs, wollen sich nur wenige auf ein Schwätzchen einlassen.

Sollte Stephan Weil, der SPD-Spitzenkandidat, die Landtagswahl am Sonntag gewinnen, wird Schröder-Köpf wohl Integrationsbeauftragte in seinem Team. Gerade liegt Rot-Grün laut Umfragen mit einer knappen Mehrheit vorne. Vor allem wünscht sich Schröder-Köpf aber, dass ihre zukünftige Politik als Serviceangebot wahrgenommen wird. Dass die Bürger mit ihren Anliegen ins Wahlkreisbüro kommen. Sie will, dass die Schwellen niedriger werden.

Bei Werner Weisse rennt sie da offene Türen ein. So begeistert ist der 91-jährige aus Mittelfeld von Schröder-Köpf. Und schnell kommen die zwei ins Gespräch. Woher er sie kennt? „Na, über den Gerd.“ Gemeint ist Gerd Schröder – Ex-Bundeskanzler und Mann von Doris Schröder-Köpf – ein Grund für ihre Bekanntheit, aber auch für Häme.

Zu blond, zu dünn, die falschen Klamotten – solche Kritik sei sie gewohnt, sagt die 48-jährige Mutter dreier Kinder. „Solche Dinge darf man nicht persönlich nehmen, wenn man sehr bekannt ist.“ Bekannt eben wegen ihres berühmten Manns. Diese Prominenz, die für sie bestimmt oft von Vorteil ist, die sie jedoch auch manchmal in die Schusslinie geraten lässt, obwohl es gar nicht um sie geht. Ob die Kritik an ihr auch noch an der Politik ihres Mannes liegen würde? „Teils, teils“, sagt sie.


Sie empfindet sich nicht als Neuling

Sie klingelt. Doch es öffnet niemand. Schröder-Köpf steckt einen Flyer in den Briefkasten und öffnet das Törchen zum nächsten Einfamilienhaus. Auch hier hat sie kein Glück, wieder öffnet niemand. Natürlich habe sie am Anfang Angst vor Ablehnung gehabt. Und hätte die innere Barriere überwinden müssen, um an fremden Haustüren zu klingeln. Doch die Menschen würden ihr überwiegend freundlich, höflich und mit viel Sympathie begegnen.

An der nächsten Tür öffnet ein etwas verdutzt wirkender Mann. „Guten Tag“, sagt Schröder-Köpf. Ich bin heute hier im Wahlkreis unterwegs, um persönlich Hallo zu sagen.“ Sie drückt ihm einen Flyer in die Hand. Vorgestellt hat sie sich nicht. Das braucht sie auch nicht. Die Menschen hier kennen sie – wenigstens die meisten.

„Guten Tag. Darf ich Ihnen ein Prospekt geben?“ „Danke, danke“, die Frau winkt ab. Ich habe schon zwei im Briefkasten.“ Die Wahlkampfhelfer waren fleißig. 36.000 Flyer hatten sie bestellt, bis Sonntag werden sie alles verteilt sein. Doch wie ihre Chance steht, direkt in den Landtag einzuziehen, weiß sie nicht.

„Nur weil ein Unternehmer mich mit Handkuss begrüßt, heißt das nicht, dass er auch das Kreuz am Sonntag für mich macht“, sagt sie. Und dann buhlt ja auch noch Hannovers CDU-Chef Dirk Toepffer um die Gunst der Wähler.

Der stellt bei dieser Wahl auch seine politischen Erfahrungen in den Vordergrund. „Was ist Erfahrung?“, kontert Schröder-Köpf. „Ich habe viele Jahre Berufserfahrung, ich habe drei Kinder. Das sind Erfahrungen, die ein Landesparlament bunter machen. Und das brauchen wir auch.“ Sie findet, dass ihr politischer Weg auch einer für andere Mütter sein könnte. Und obwohl diese Landtagswahl ihr erster echter Ausflug in die Politik ist, empfindet sie sich nicht als Neuling. Zu viel habe sie schon am politischen Leben als Frau des Ex-Bundeskanzlers teilgenommen.


Die Delegierten haben sich klar für sie entschieden

Doch die Bekanntheit der Schröders ist auch ein Grund für Spitzen des Konkurrenten Toepffers gegen die Frau des Ex-Bundeskanzlers. Der wollte vor dem Haus der „Herausforderin Doris Schröder-Köpf“ ein CDU-Wahlplakat anbringen. Doch daraus wurde nichts, schreibt er auf seiner Internetseite. „Was andernorts erlaubt ist, gilt nicht vor den Privathäusern ehemaliger Politgrößen“, stichelt Toepffer weiter. Da ist es wieder, die Verbindung, die ihr zwar Bekanntheit beschert, jedoch nicht ihrem politischen Programm.

Und dann gab es da noch den Übertritt von Sigrid Leuschner zu den Linken am Dienstag, der die SPD im Wahlkreis bewegt. Enttäuscht sei Leuschner von der SPD in Niedersachsen, von den Auftritten des SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück und auf von ihrer Behandlung durch die Partei.

Ja, Leuschners Wut habe sie gespürt, sagt Schröder-Köpf. Doch die Delegierten hätten sich klar für sie als Kandidatin entschieden. Der Übertritt Leuschners zu den Linken sei vor allem eine Enttäuschung für die ehrenamtlichen Wahlhelfer, die so viel Zeit und Mühe investiert hätten.

Woher sie Schröder-Köpf kenne? „Von den Wahlplakaten“, sagt eine Passantin. Und tatsächlich kommt man im Wahlkreis 24 gar nicht an ihren Fotos von vorbei. Sie werde ihre Stimme Schröder-Köpf geben, sie sei sympathisch und interessiere sich für die Probleme der Bürger. Sie glaubt, dass von ihr in Zukunft politisch noch viel mehr zu erwarten sei. „Sie könnte eine Wunderwaffe für die SPD werden.“

„Ich muss meiner Frau Bescheid sagen, dass Sie hier sind. Die will sie wählen!“, sagt ein Passant. Er selbst, sagt er, dürfe nicht wählen, er käme von der Elfenbeinküste. Doch seine Frau sei Deutsche und die habe ihm erst vor ein paar Tagen gesagt, dass sie ihr Kreuz bei Schröder-Köpf machen wolle. Die beiden reden über seine zwei Kinder, über den Job, sein Leben in Deutschland und in Hannover. Dann zückt er sein Handy, um seine Frau anzurufen, damit sie Schröder-Köpf ja nicht verpasst.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 13.04.2013, 18:10 Uhrawtwahl

    Doris Schroeder-Koepf ? lieber nicht, vielleicht verhungert SIE in
    ihrer Legislaturperiode, oder so (smile)

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