Dreikönigstreffen: Kampfredner gegen Bergprediger

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Dreikönigstreffen: Kampfredner gegen Bergprediger

von Henning Krumrey

Der Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle beteiligt sich nicht an Attacken auf den FDP-Chef Philipp Rösler. Aber seinen Führungsanspruch macht er beim Dreikönigstreffen in Stuttgart mehr als deutlich.

Den wichtigsten Satz seines gedruckten Redemanuskripts trug der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler gar nicht vor, obwohl vom Erfolg bei der Landtagswahl in zwei Wochen auch sein Schicksal abhängt: „Ich akzeptiere konstruktive Kritik. Aber was ich nicht akzeptieren kann ist, wenn durch Profilierungssucht Einzelner dieser Erfolg in Niedersachsen für uns alle gefährdet wird.“ Statt der deutlichen Ermahnung forderte er mit bergpredigthafter Ruhe etwas mehr Geschlossenheit und hielt ansonsten das grundsätzlichste Grundsatzreferat, das die Parteimitglieder und die Kundgebungsteilnehmer im Stuttgarter Staatstheater seit Jahren zu hören bekamen.

Dabei hatte der baden-württembergische Spitzenkandidat für die Bundestagswahl, Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel, in seiner Rede zur Überraschung der Parteiführung und der Gäste seine Kritik an Rösler und Co. nicht nur wiederholt, sondern auch noch ausführlich begründet. Die Führungsmannschaft sei acht Monate vor der Bundestagswahl „nicht in der optimalen Aufstellung. Das ist, als würde Jogi Löw den besten Außenstürmer zum Torwart machen.“ Er wisse, dass er dies „mit hohem persönlichen Risiko“ sage, denn laute oder gar vorlaute Kritik führe leicht zu „Klassenkeile“. Aber viele sagten dasselbe nur hinter dem Rücken der anderen, machten sich aber dieselbe Sorge um die FDP wie er. Für die bei solch festlichem Anlass gänzlich ungewöhnliche Attacke auf die eigenen Reihen erntete Niebel durchaus Beifall.

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Fünf Redner stehen auf dem Programm des Dreikönigstreffens der FDP, aber nur zwei interessieren: Parteichef Philipp Rösler und Fraktionsvorsitzender Rainer Brüderle. Letzterer könnte FDP-Chef werden.

Quelle: dapd

Rösler aber konterte nicht, sondern lieferte eine umfassende philosophisch-politische Abhandlung über den Liberalismus in seiner Anundfürsichlichkeit, die zwar rundum richtig auf die Haltungen der FDP-Anhänger passte, aber die Zuhörer nicht mitriss. Die anderen Parteien wollten immer mehr Bevormundung und versprächen „absolute Sicherheit für jeden“. Die Folge: „Der Staat von heute unterdrückt nicht. Er macht es viel geschickter. Es reicht, wenn er als vermeintlicher Wohltäter nach und nach alle Teile der Gesellschaft von sich abhängig macht. Dann erlischt die Flamme der Freiheit – nicht mit einem Schlag, sondern ganz langsam.“ Die Liberalen sagten dagegen den Bürgern: „Ihre Freiheit ist unser Auftrag.“

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