E-Government: Behörden sollen mit De-Mail Geld sparen

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E-Government: Behörden sollen mit De-Mail Geld sparen

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De-Mail soll durch verschlüsselte E-Mails mit beglaubigtem Absender die Kommunikation mit Behörden erleichtern. Auch die Bundesregierung will in der Verwaltung mit De-Mail arbeiten. In der Stadtverwaltung Potsdam setzt man bereits auf die elektronische Post.

von Christian Schlesiger

Eine Verwaltungsreform soll Behörden ins digitale Zeitalter katapultieren. Aber der Start der De-Mail ist holprig. Jetzt will der Bund den Durchbruch erzwingen.

Was haben Apotheker, Bioläden und Sexshops gemeinsam? Sie verkaufen Stoffe nach dem Arzneimittelgesetz. Die Verwaltung im Hochsauerlandkreis setzt daher externe Gutachter ein, die überprüfen, ob die Unternehmer in der Region Medikamente sicher aufbewahren und dabei die Gesetze befolgen. Bisher schicken die Experten ihre Endergebnisse mit den sensiblen Daten per Post an die Behörde. Schon bald aber sollen sie ihre Post elektronisch per De-Mail versenden: sicher und vertraulich. „Wir müssen kein Papier mehr scannen“, sagt Amtsapotheker Raimund Stahl. „Die Abläufe werden kürzer und schneller.“

Es klingt nicht gerade wie eine Revolution, die sich im Hochsauerlandkreis anbahnt. Und doch soll es genau das sein. Die De-Mail ist das Prestigeprojekt der Verwaltungsreform des Bundesinnenministeriums. Sie soll die Behörden in das digitale Zeitalter katapultieren: Amtsprozesse verschlanken, Bürgern den Weg zum Amt ersparen und Kommunikation im Netz sicherer machen. Wenn es gut liefe, ließen sich so Milliarden einsparen.

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E-Government Die Verwaltung soll digital werden

Bürgern sollen Behördengänge künftig erleichtert werden. Die Regierungskoalition hat ein Gesetz zur Förderung von E-Government verabschiedet. Doch noch gibt es Fallstricke.

Die Telekom bietet sichere Mails an, die vor allem in der Verwaltung eine große Zahl von Briefen überflüssig machen soll. Quelle: ddp

Doch der Start ist holprig. Seit zwei Jahren gibt es das De-Mail-Gesetz bereits – die Resonanz bei Unternehmen, Verbrauchern und Behörden ist gering. Jetzt will der Bund den Durchbruch erzwingen. Vergangene Woche brachte die Bundesregierung das E-Government-Gesetz auf den Weg, das Behörden zur De-Mail-Kommunikation verpflichtet. Jeder vierte der jährlich rund 17,5 Milliarden Briefe könnte durch die De-Mail ersetzt werden, schätzt das Bundesinnenministerium.

Wofür braucht man die De-Mail eigentlich?

Doch davon ist Deutschland noch weit entfernt. Gerade mal drei Unternehmen haben sich vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI) zertifizieren lassen: Deutsche Telekom, das IT-Unternehmen Mentana-Claimsoft und 1&1 mit den E-Mail-Postfächern Web.de und GMX. Bei Telekom und 1&1 haben sich zusammen rund 2,5 Millionen Bürger für die De-Mail registrieren lassen. 500.000 von ihnen haben zudem ihre Identität überprüfen lassen. „Wir erwarten, die kritische Masse von eine Million De-Mail-Nutzer 2014 zu erreichen“, sagt Jan Oetjen, Chef von Web.de und GMX.

Den meisten Deutschen ist offenbar noch gar nicht klar, wofür sie eine De-Mail brauchen. „Am ehesten ist die De-Mail vergleichbar mit dem physischen Einschreiben“, sagt Jürgen Vogler, Leiter E-Business bei Francotyp-Postalia, dem Mutterunternehmen der Mentana-Claimsoft. Die Anbieter des digitalen Briefes greifen damit eines der lukrativsten Geschäfte der Deutschen Post an. Pro Einschreiben zahlt der Kunde bis zu 5,65 Euro, wenn er den Brief etwa persönlich zustellen und sich per Rückschein darüber informieren lässt.

So geht die De-Mail:

  • Der Kunde registriert sich online

    Der Kunde registriert sich online bei De-Mail-Anbietern wie web.de, gmx.de, t-online.de, fp-demail.de

  • Der Kunde bestätigt seine Identität

    Der Kunde bestätigt seine Identität mit dem Personalausweis unter anderem bei Hermes-Paketshops – oder der Identifizierer kommt zum Nutzer nach Hause

  • Der Kunde kommunziert per De-Mail

    Der Kunde kommuniziert per De-Mail mit Behörden, Firmen und Nutzern. Der Empfang ist kostenlos, Versand ab 39 Cent (plus monatlichem Freikontingent)

Das Kind an der Schule anmelden

Denkbare Szenarien gibt es zuhauf: Wer umzieht, kann seine neue Adresse bald elektronisch ummelden, indem er eine De-Mail mit angehängtem Mietvertrag an das Einwohneramt schickt. Bewerber reichen ihre Unterlagen sicher bei potenziellen Arbeitgebern ein. Eltern melden ihre Kinder an der Schule an. Vor allem Unternehmen, Banken und Versicherungen erhoffen sich einen Durchbruch der De-Mail. Viele bieten ihren Kunden bereits an, via De-Mail zu kommunizieren (siehe Kasten).

Tatsächlich scheinen sich auch Behörden auf die neue Zeit einzustellen. „Viele Verwaltungen sind dabei, die technische Infrastruktur aufzubauen“, sagt Vogler. Francotyp-Postalia etwa installiert für ein Bundesland ein System, das die De-Mail-Kommunikation für alle nachrangigen Ämter ermöglicht. Welches Land das ist, verrät er nicht. Die Deutsche Telekom dockt bald 40 Städte wie Bonn und Düsseldorf an.

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