EEG-Reform : Auch Genossen müssen zahlen

ThemaEnergiewende

KommentarEEG-Reform : Auch Genossen müssen zahlen

von Andreas Wildhagen

Bei der Energiewende-Reform gilt: Man sollte kein Mittelständler sein, kein Handwerker und kein Privatmensch, um Vorteile zu ergattern.

Einer derjenigen, der eigentlich am meisten profitiert, hat die Nase voll: Der Energiekonzern E.On, der mit seinem deutschen Offshore-Windpark Amrumbank zur Zeit ein Vorzeigeprojekt vor der nordfriesischen Insel errichtet, plant derzeit keine weiteren See-Windparks auf deutschem Meeresgrund. Und das obwohl die Offshore-Windparkbetreiber bei der EEG-Energiewenden –Reform von Kanzlerin Merkel (CDU) und ihrem Vizekanzler Gabriel (SPD) eigentlich gut weggekommen sind. Von 6,5 Gigawatt dürfen demnächst noch weitere 1,2 Gigawatt zugebaut werden. Da fällt kaum auf, dass vor Jahren eigentlich 10 Gigawatt an Energieleistung auf dem Meer geplant war. Aber die Einspeisevergütung bleibt und so könnte eigentlich kräftig weiter geplant werden. Doch E.On lässt sich nicht noch einmal auf einen trügerischen Pfad der Hoffnung locken, wo Investitionen wegen ihrer staatlich wohltuenden Förderung als lohnend erscheinen.

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Echter Nutznießer wird EnBW sein, der nach neuen Geschäftsmodellen am meisten suchende Konzern. Mit der Abschaltung der Kernkraftwerke geht EnBW die Hälfte seiner früher so sicher geglaubten Gewinne flöten. Aber Windkraftanlagen in Baden-Württemberg kann der Konzern kaum bauen, da es kaum gute oder von der Bevölkerung im Schwarzwald oder im Neckartal goutierte Standorte gibt. Also bleibt nur noch die Flucht über die See in Richtung Offshore-Windpark übrig. Und da plant EnBW von den deutschen Versorgern am meisten: See-Windparks mit einer Leistung von gut 1000 Megawatt sind in Karlsruhe und in Stuttgart in der Planung, RWE liegt bei 700 Megawatt und Schlusslicht ist Vattenfall. Die Württemberger und die Badener können sich als Gewinner der vorläufigen Energiewende-Reform fühlen.

Gewinner sind auch deutsche Industrieunternehmen, die diese Windflügel bauen: Das ist Siemens, das 60 Prozent aller Anlagen entwickelt und baut und auch ThyssenKrupp, der beileibe kein reiner Stahlkonzern ist, sondern auch große Lager für Windflügel baut, bei ThyssenKrupp Rothe Erde. Fast jedes dritte Radlager aller Windflügelmaschinen kommt von ThyssenKrupp.

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Und wer sind die Verlierer? Vor allem die Haushaltskunden, die die EEG-Umlage auch weiterhin voll berappen müssen. Und vor allem die Eigenstromerzeuger, die eigentlich viel Initiative entwickeln, um sich von dem großen und furchteinflößenden Energiewendemoloch selbstständig machen wollen. Nur wer die Bagatellgrenzen einer 10-Kilowattanlage im Keller unterschreitet bleibt befreit von der EEG-Umlage. Voll zahlen müssen dagegen demnächst die Supermärkte, die auf ihren Dächern oft  Solarpanelen installiert haben und die wie Aldi geneigt sind, jeden Cent,den sie im Einkauf, also auch Stromeinkauf sparen, zu einem Gutteil an den Kunden weiter zu geben. Auch Handwerker darf man im neuen Umlagesystem nicht sein. Und wer sich als Mieter einer Einkaufsgenossenschaft anschließt, der wird außer turbulenten Mitgliederversammlungen nichts von seiner Genossenschaft haben. Denn den Genossen solcher Provenienz wird auch keine EEG-Umlage geschenkt.

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