EEG-Umlage: Neue Preissteigerung droht schon

ThemaEnergiewende

EEG-Umlage: Neue Preissteigerung droht schon

von Henning Krumrey

Die EEG-Umlage steigt auf einen neuen Rekord von 5,27 Cent pro Kilowattstunde. Doch damit nicht genug. 2013 könnte die Rekordmarke erneut übertroffen werden - pünktlich zur Bundestagswahl.

Von ihren Kollegen im Bundeskabinett unterscheidet die Minister Peter Altmaier (Umwelt, CDU) und Philipp Rösler (Wirtschaft, FDP) die ganz direkte Demokratie. Sie können die Folgen ihrer Politik selbst ablesen – auf der Stromrechnung. Da kommt auf beide jetzt Böses zu.

Wie jeder durchschnittliche Singlehaushalt muss Altmaier im kommenden Jahr knapp 36 Euro mehr einplanen als 2012. Rösler kann für seinen Vierpersonenhaushalt in Hannover sogar 90 Euro extra kalkulieren. Der Grund: Die EEG-Umlage steigt von derzeit 3,59 Cent auf den neuen Rekord von 5,277 Cent pro Kilowattstunde.

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Der Anstieg um fast die Hälfte ist der größte Kostentreiber auf der Stromrechnung deutscher Haushalte. Denn auf die Elektro-Umverteilungsgebühr kommt auch noch 19 Prozent Mehrwertsteuer drauf – genau ein weiterer Cent.

Wo der Staat beim Strompreis kassiert

  • Energiebeschaffung und Vertrieb

    Dies ist mit rund 33 Prozent der größte Einzelposten. Energieriesen wie E.ON und RWE erzeugen ihren Strom weitgehend in eigenen Kraftwerke. Kleinere Versorger wie Stadtwerke kaufen Strom direkt von den Konzernen oder an der Strombörse. Der dortige Preis ist zuletzt gesunken.

    (Quelle: Bundesnetzagentur/Reuters)

  • Strom- und Umsatzsteuer

    Sie machen einen Anteil von 24 Prozent aus. Die FDP hat sich dafür ausgesprochen, die Stromsteuer zu senken, um die Bürger zu entlasten. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) lehnt dies ab.

  • Netzengelte

    Netzentgelte

  • EEG-Umlage

    Ökostrom deckt ein Viertel der Versorgung in Deutschland. Die Umlage zur Förderung von Strom aus Sonne, Wind und Biomasse steigt 2013 um fast die Hälfte auf 5,3 Cent je Kilowattstunde. Bereits jetzt beträgt der Anteil am Preis 13,7 Prozent.

  • Konzessionsabgabe

    Die Abgabe zahlen die Netzbetreiber an Städte und Gemeinden für die Nutzung von Straßen und anderen öffentlichen Grundstücken. Diese Kosten machen einen Anteil von 6,5 Prozent aus.

  • Abrechnung, Messung und Messstellenbetrieb

    Diese Dienstleistungen tragen mit einem Anteil von 2,7 Prozent zum Strompreis bei.

  • KWKG-Umlage

    Mit dem Gesetz zur Kraft-Wärme-Kopplung soll die Energieeffizienz erhöht werden. Mit dieser Umlage werden Anlagen gefördert, die neben Strom auch die entstehende Wärme nutzen. Der Anteil am Strompreis lag zuletzt bei 0,2 Prozent.

Die Verbraucherschützer laufen Sturm. „Um die Stromkunden zu entlasten, sollte die Regierung die Mehrwertsteuer auf die Umlage erlassen“, verlangt Holger Krawinkel, Energieexperte der Verbraucherzentrale Bundesverband. „Das wären knapp vier Milliarden Euro. Und es wäre einfacher, als das ganze EEG umzubauen.“

So funktioniert die Umlage

  • Einspeisevergütung

    Wer Strom aus erneuerbaren Energien ins öffentliche Netz leitet, kassiert dafür die vom Gesetz festgelegte Einspeisevergütung. Die Netzbetreiber verkaufen den Strom an der Börse. Die Differenz zwischen den Erlösen und den Zahlungen an die Einspeiser ergibt den Zuschussbedarf für die Erneuerbaren, aktuell rund 20 Milliarden Euro. Das belastet jeden zahlungspflichtigen Stromkunden mit 5,27 Cent pro verbrauchte Kilowattstunde (derzeit 3,59).

    Ein doppelter Hebel führt bei schnellem Ausbau der erneuerbaren Energien zu einem rasanten Anstieg der Umlage (siehe folgende Kurztexte)

  • Die Ausgangslage

    Immer mehr Betreiber von Solarpanelen, Windmühlen und Biogasanlagen mit immer mehr gelieferter Leistung haben Anspruch auf die Vergütung, die teilweise noch deutlich über dem durchschnittlichen Strompreis liegt.

  • Preisverfall

    Das rasch wachsende Angebot an der Strombörse führt dort zu einem Preisverfall. Die Erlöse pro Kilowattstunde fallen.

  • Die Folge

    Die Folge: Die Differenz zum Vergütungssatz wächst – und das für immer größere Mengen.

Etwa 2000 Unternehmen sind von der Umlage befreit

Weitgehend befreit von der EEG-Umlage sind energieintensive Betriebe. „Da wir ein Prozent des gesamten deutschen Strombedarfs haben, müssten wir bei einem Gesamtvolumen für die Erneuerbaren von 20 Milliarden Euro 200 Millionen Euro Umlage zahlen“, sagt Heinz-Peter Schlüter, Inhaber und Aufsichtsratsvorsitzender der Trimet Aluminium – bei 1,3 Milliarden Euro Umsatz. Tatsächlich zahlt Trimet drei Millionen Euro. „Wir werden nie den vollen Betrag zahlen – entweder weil wir von der Umlage entlastet sind oder weil es unser Unternehmen sonst nicht mehr gäbe.“

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Mit ein Grund für den Anstieg ist, dass die schwarz-gelbe Koalition die Zahl der Ausnahmen deutlich erhöht hat. Waren 2011 noch 813 Unternehmen weitgehend befreit, ist die Zahl der Anträge nun auf rund 2000 hochgeschnellt. Nach Angaben des Wirtschaftsministers machten aber selbst die dicken Brocken vergangenes Jahr nur 0,6 Cent pro Kilowattstunde aus.

Der rasante Anstieg dürfte weitergehen. Denn bei der EEG-Novelle im Sommer führte der Gesetzgeber eine Obergrenze ein, ab der es keine weitere Förderung für neue Solarpanele geben wird: 52 Gigawatt. Ende August waren 30 Gigawatt in Deutschland installiert, bereits wieder über fünf Gigawatt mehr als Ende 2011. Für jeden Häusle- und Ackerbesitzer ist der Deckel der Startschuss zum Windhundrennen: Nur wer schnell baut, kann sicher sein, die auf 20 Jahre garantierte Vergütung – und damit eine sichere Rendite – einzuheimsen.

Im nächsten Oktober präsentieren die Übertragungsnetzbetreiber die nächste Quittung – vielleicht sogar vor der Bundestagswahl.

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