EEG-Umlage: Warum der Strompreis nicht sinken wird

ThemaEnergiewende

EEG-Umlage: Warum der Strompreis nicht sinken wird

von Henning Krumrey

Die EEG-Umlage sinkt erstmals. Das ist Grund zu kleiner Freude - aber nicht zu großer Hoffnung. Billiger wird Strom auch in den nächsten Jahren nicht.

Zugegeben: Das erste Argument, das jetzt gleich kommt, ist gemein. Aber: Wenn der Bundesverband Erneuerbare Energien, also die Lobby der Windmüller und Solaranlagenbetreiber, verkündet, dass sie auch für die Jahre 2016 und 2017 eine stabile EEG-Umlage erwartet, dann muss sich der Bürger erschrecken. Denn der BEE ist wie jeder Branchenverband nicht an schlechten Nachrichten interessiert. Wenn also die Anhänger der Erneuerbaren schon nur mit einer Stagnation rechnen, dann wird es jedenfalls nicht besser.

Anlass für die offiziell beruhigende, in Wahrheit aber vielleicht doch düstere Prognose ist die Vorlage der EEG-Umlage für das kommende Jahr, also für 2015. Sie wird nämlich in der Tat erstmals seit der Einführung dieses Subventionsinstruments nicht kräftig steigen, sondern wenigstens leicht sinken. Ein Grund zur Hoffnung auf dauerhaft fallende Umlagen oder gar Strompreise ist es nicht. Und ein Erfolg der EEG-Reform, die die schwarz-rote Bundesregierung in den vergangenen Monaten ins Werk gesetzt hat, ist es auch nicht.

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Ökostrom-Umlage Keine Strompreisminderung zu erwarten

Erstmals sinkt die Ökostrom-Umlage, die Zahl für 2015 lautet: 6,17 Cent je Kilowattstunde. Aber der Spielraum für Strompreissenkungen ist eher gering - das „Schwarze-Peter“-Spiel hat schon begonnen.

2015 soll die Ökostrom-Umlage zum ersten Mal sinken. Strompreisminderungen sind trotzdem nicht zu erwarten. Quelle: dpa

Aber der Reihe nach:

Für die Stromkunden ist mit der Neuberechnung keine Entlastung in Sicht. Die EEG-Umlage sinkt zwar leicht, aber eben nur um 0,07 Cent je Kilowattstunde. Für einen Durchschnittshaushalt mit einem Verbrauch von 4000 kWh im Jahr, hat das Vergleichsportal Verivox ausgerechnet – ergibt das mal gerade eine Summe von 2,80 Euro – im gesamten Jahr. Dafür allein kann und muss kein Stromversorger seine Tarife absenken. Im Gegenteil: Weil der Netzausbau weiter voranschreitet und ebenfalls eine Menge Geld kostet, könnten die verlangten Netzentgelte so stark steigen, dass sie sogar den Rückgang bei der EEG-Umlage deutlich überkompensieren.

Mit der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes kann der EEG-Wert für das kommende Jahr schon deshalb so gut wie nichts zu tun haben, weil die Änderungen erst zum August dieses Jahres in Kraft getreten sind und es lange dauern würde, bis sich die Wirkung in der Realität zeigt. Die Umlage basiert auf Prognosen von Gutachtern. Sie müssen sagen, wie sich die Produktion erneuerbaren Stroms im nächsten Jahr wohl entwickeln wird.

Bekannt ist, welche Anlagen in diesem Jahr noch ans Netz gehen, auch der Zubau des kommenden Jahres ist absehbar. Zwar will die Bundesregierung diesen deckeln – doch auch in den vergangenen Jahren wurden kaum mehr Windmühlen aufgestellt und Solarpaneele installiert, als die Bundesregierung in ihren Plänen vorsieht. Eine Vollbremsung beim Ausbau, die mittelfristig tatsächlich zur Entlastung bei der Umlage führen könnte, ist gar nicht geplant.

Aus diesen Gründen schwitzt die Erde

  • Das Bevölkerungswachstum

    Die Anzahl der Menschen auf der Erde wächst jedes Jahr um etwa 70 bis 80 Millionen Personen. Das entspricht fast der Bevölkerungsgröße Deutschlands. Bis 2050 soll laut Schätzungen der Vereinten Nationen die Weltbevölkerung auf knapp 10 Milliarden Menschen angewachsen sein. Dass die Kinder nicht hierzulande oder bei unseren europäischen Nachbarn geboren werden, ist hinreichend bekannt. Vor allem in den Schwellen- und Entwicklungsländern in Afrika und Asien wächst die Bevölkerungszahl. Dadurch wächst auch der Bedarf an Rohstoffen, Energie, Wasser und Nahrung.

  • Wirtschaftswachstum

    Trotz Kyoto-Protokoll aus dem Jahr 1992 hat sich der CO2-Ausstoß kaum verringert. Lediglich als 2009 aufgrund der Wirtschafts- und Finanzkrise viele Industriestätten weniger produzierten, sank der Wert der Kohlendioxidemission auf 784 Millionen Tonnen. Schon ein Jahr später lag der Wert wieder bei 819 Millionen Tonnen. Dabei entsteht ein Großteil der Emissionen in nur wenigen Ländern wie China, den USA und der EU.

  • Automobile

    Während Carsharing und der öffentliche Nahverkehr in Ländern wie Deutschland in Zeiten hoher Benzinkosten viele Anhänger findet, ist der weltweite Trend eindeutig ein anderer. Immer mehr PKW fahren über den Globus. 2010 wurde erstmals die Eine-Milliarde-Marke geknackt. Besonders viele Autos pro Einwohner werden in Monaco und den USA gefahren.

  • Kohle, Kohle, Kohle

    Der seit Mai 2012 stetig ansteigende Ölpreis hat dafür gesorgt, dass Kohle wieder an Attraktivität gewonnen hat. Die Wiederauferstehung der Kohle ist für die Umwelt eine Katstrophe. Laut BUND sind Kohlekraftwerke mehr als doppelt so klimaschädlich wie moderne Gaskraftwerke. Die großen Dampfwolken aus den Kühltürmen der Kraftwerke machen ein anderes Problem deutlich: Mehr als die Hälfte der eingesetzten Energie geht meist als ungenutzte Wärme verloren.

  • Abholzung

    Das Handout der Umweltschutzorganisation WWF zeigt die illegale Abholzung eines Waldgebietes in Sumatra (Indonesien). Jährlich gehen knapp 5,6 Millionen Hektar Wald verloren. Die fortschreitende Abholzung von Regenwäldern trägt entsprechend mit zur globalen Erderwärmung bei. Denn die Wälder speichern Kohlendioxid.

  • Rindfleisch

    Rinder sind wahre CO2-Schleudern. Die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch in Brasilien erzeugt genauso viel klimaschädliches Kohlendioxid wie eine 1.600 Kilometer lange Autofahrt. In diese Rechnung fließen mehrere Faktoren ein. Zum einen können auf dem für die Rinder genutzten Weideland keine Wälder mehr wachsen. Zum anderen scheiden Rinder das klimaschädliche Gas Methan aus. Laut WWF sind in Deutschland fast 70 Prozent der direkten Treibhausemissionen auf die Ernährung mit tierischen Produkten zurückzuführen.

  • Wegwerfgesellschaft

    Nicht nur Unmengen an Verpackungsmüll produzieren die Deutschen. Wir schmeißen auch jede Menge Lebensmittel weg, pro Kopf etwa 100 Kilogramm pro Jahr. Auch diese Verschwendung wirkt sich massiv negativ auf das Klima aus.

  • Flugzeuge

    Flugzeuge stoßen CO2, Stickoide, Wasserdampf, Ruß, Sulfat und andere Partikel aus und verpesten so die Umwelt. Die größte Klimawirkung hat laut atmosfair.de das reine CO2, das immer beim Verbrennen von Benzin oder Kerosin entsteht. Außerdem die Bildung von Schleierwolken und Kondensstreifen, der Aufbau vom Treibhausgas Ozon in einem sensiblen atmosphärischen Stockwerk sowie der Abbau von Methan.

In die Berechnung der Umlage fließt aber nicht nur die Prognose der Erzeugung für das kommende Jahr ein, sondern auch die Liquiditätsreserve und der aktuelle Kontostand. Und hier schlummert der wahre Grund für die Entlastung. Fehlten vor einem Jahr über 2,2 Milliarden Euro in der Kasse, gibt es diesmal einen Überschuss von 1,3 Milliarden Euro. Mit anderen Worten: Die laufenden Schulden, die jahrelang mitgeschleppt wurden und nur langsam abgebaut werden konnten, sind endlich getilgt. Folglich muss für das kommende Jahr kein Geld mehr für diese Aufgabe mit der EEG-Umlage erhoben werden. Dieser Effekt macht 0,4 Cent je kWh aus – also deutlich mehr als jene 0,07 Cent, die am Ende als Entlastung herausgekommen sind.

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Mit anderen Worten: Die laufenden Ausgaben für die Subventionierung der grünen Stromerzeugung müssen also weiter gestiegen sein. Und in der Tat wächst die gesegnete Strommenge im nächsten Jahr von 150 auf 160 Terrawattstunden. Und in den nächsten Jahren wird dies weitergehen, denn auch der Ausbau der Erneuerbaren geht weiter voran - auch wenn die Vergütungen, die für die Betreiber garantiert sind, künftig immer kleiner ausfallen.

Damit steigt jedoch auch die gesamte Summe, die von allen Verbrauchern zur Finanzierung der Erneuerbaren aufzubringen ist. Im nächsten Jahr sind es bereits 21,8 Milliarden Euro.

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