Eggert Voscherau im Interview: "Klare Position"

Eggert Voscherau im Interview: "Klare Position"

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Eggert Voscherau, der Präsident der Chemiearbeitgeber

SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier ist in der Wirtschaft sehr geschätzt, so der langjährige BASF-Manager Eggert Voscherau.

WirtschaftsWoche: Herr Voscherau, Sie kennen Frank-Walter Steinmeier von vielen Treffen und Reisen. Wie finden Sie ihn als SPD-Kanzlerkandidaten?

Voscherau: Ich traue Herrn Steinmeier zu, dass er die große Volkspartei dazu bringt, wieder die Sprache der arbeitenden Bevölkerung zu sprechen. Als Arbeitgebervertreter begrüße ich dies, weil sich die Interessen von Unternehmen und Beschäftigten in wichtigen Fragen wie Steuern und Abgaben vielfach decken.

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Wie beurteilen Sie das Verhältnis zwischen Steinmeier und der Wirtschaft?

Herr Steinmeier hat stets ein offenes Ohr für die Anliegen der deutschen Industrie. Das gilt aktuell in seiner Position als Bundesaußenminister. Auf seinen Auslandsreisen bezieht er die Wirtschaft aktiv ein und bemüht sich um die Stärkung des Standorts Deutschlands in der Welt. Kennengelernt habe ich Herrn Steinmeier aber schon zuvor als Kanzleramtsminister unter Gerhard Schröder. In einer für die chemische Industrie schwierigen Zeit, als es um die Brüsseler Chemikalienrichtlinie und um den Emissionsschutz ging, hatte er klare Position für uns und den Standort Deutschland bezogen.

Aktuell muss die Wirtschaft vor allem steigende Energiepreise verkraften. Die energiepolitischen Pläne etwa der hessischen SPD lassen hier wenig Gutes erwarten. Glauben Sie, dass Steinmeier auf den linken Flügel der SPD einwirken kann?

Wenn einer die Partei überzeugen kann, dann er. Wir sind doch darauf angewiesen, aus Wissen unseren Wohlstand immer wieder neu zu schaffen. Bisher half uns dabei billige Energie, künftig müssen wir eben das mit teurer Energie machen. Das geht nur mithilfe einer intelligent verzahnten Wirtschafts-, Energie- und Umweltpolitik.

Woran machen Sie fest, dass Steinmeier dafür eine Idealbesetzung ist?

Steinmeier kann auch komplizierte Sachverhalte klar formulieren. Und er hat als Kanzleramtsminister den Mut und das Geschick bewiesen, zwischen dem Bundeswirtschafts- und Bundesumweltministerium zu vermitteln. Ihm ist es auch mit zu verdanken, dass die schwierige rot-grüne Koalition durchaus gute Reformen auf den Weg gebracht hat.

Könnten Sie sich eine Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP vorstellen, mit einem Kanzler Steinmeier?

Deutschland braucht eine Regierung, die den Mut hat, bis 2013 weiter wichtige politische Entscheidungen zu treffen. Bei einer Dreier-Ampel-Koalition stelle ich mir das schwer vor. Da besteht die Gefahr, dass der Schwanz mit dem Hund wedelt. Eine Zweier-Koalition der beiden großen Parteien halte ich für stabiler, wenn auch nicht für ideal.

Nun ja, bei der großen Koalition kann man nach drei Jahren auch nicht mehr von Mut und Reformfreude sprechen.

Das ist leider wahr.

Was versprechen Sie sich in puncto Reform von Steinmeier?

Steinmeier hat bei der Agenda 2010 vor nunmehr fünf Jahren eine entscheidende Rolle gespielt. Wenn er nun zusammen mit Franz Müntefering an der Spitze der Partei steht, bewegt ihn die Frage weiter, wie das Modell Deutschland mit seiner leistungsfähigen Wirtschaft und dem hohen Maß an sozialem Frieden stark bleiben kann. Und er ist ein Mann, dem ich zutraue, darauf neue Antworten zu finden.

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