Egon Bahr: SPD-Politiker Egon Bahr gestorben

Egon Bahr: SPD-Politiker Egon Bahr gestorben

Das SPD-Urgstein Egon Bahr ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Der frühere Bundesminister gilts als Architekt der deutschen Ostpolitik unter Kanzler Brandt und prägte den Leitgedanken "Wandel durch Annäherung".

Der Architekt der deutschen Ostpolitik, der SPD-Politiker Egon Bahr, ist tot. Der frühere enge Vertraute des SPD-Kanzlers Willy Brandt starb im Alter von 93 Jahren, wie ein Parteisprecher am Donnerstag bestätigte. Brandt und Bahr gelten als Architekten der deutschen Ostpolitik in den 1970er Jahren. Die damalige Annäherung an Moskau und die DDR war eine wichtige Voraussetzung zur späteren Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas.

SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Mit großer Bestürzung und tiefer Trauer haben wir in der letzten Nacht vom Tode Egon Bahrs erfahren.“ Die deutsche Sozialdemokratie und viele Menschen in Europa trauerten um einen „mutigen, aufrichtigen und großen Sozialdemokraten, den Architekten der deutschen Einheit, Friedenspolitiker und Europäer“, sagte Gabriel. 

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Bahr sei ein großer Vordenker mit einzigartiger politischer Tatkraft gewesen. „Er vertraute wesentlich auf die Macht der Freiheit und die Kraft des Gesprächs, das war die Grundlage für den „Wandel durch Annäherung““, sagte Gabriel.

Wichtige Lebensstationen des Egon Bahr

  • 1956

    Über den damaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin, Willy Brandt, gelangt der Journalist Bahr zur SPD.

  • 1963

    Bahr stellt das Konzept „Wandel durch Annäherung“ vor.

  • 1966

    Brandt wird in der Großen Koalition Außenminister, Bahr geht als Sonderbotschafter in das Auswärtige Amt in Bonn.

  • 1969

    Bahr arbeitet im Kanzleramt dem ersten SPD-Kanzler Brandt zu. Mit Moskau und Warschau verhandelt er über Verträge zu einem Gewaltverzicht und einer Normalisierung der Beziehungen. Er sucht zudem die Annäherung an die DDR, um das deutsch-deutsche Verhältnis zu verbessern, unter anderem wird ein Transitabkommen geschlossen.

  • 1972

    Bahr wird Bundesminister für besondere Aufgaben und setzt vor allem Brandts neue Ost - und Deutschlandpolitik fort.

  • 1974

    Der größte Tiefschlag ist Brandts Rücktritt nach der Enttarnung des DDR-Spions Günter Guillaume im Kanzleramt. Dennoch wird er wenig später im Juli unter Nachfolger Helmut Schmidt noch einmal Minister, für wirtschaftliche Zusammenarbeit.

  • 1976

    Nach der Wahl scheidet er aus dem Kabinett aus. Er wird zunächst SPD-Bundesgeschäftsführer. Sein großes Thema ist aber bis heute die Abrüstungs- und Friedenspolitik geblieben.

Bis zuletzt sei Bahr stets ein loyaler und unermüdlicher Ratgeber der SPD gewesen. „Wir werden seine analytische Brillanz, seine Rationalität und Leidenschaft, aber auch sein Temperament und seinen liebenswürdigen Humor sehr vermissen“, betonte Gabriel. „Ich werde Egon auch als Freund und Ratgeber sehr vermissen.“ 

Bahr war erst Ende Juli noch in Moskau und hatte sich dort zusammen mit dem Ex-Sowjetpräsidenten Michail Gorbatschow für ein Ende der Entfremdung zwischen Deutschland und Russland in der Ukrainekrise ausgesprochen. Bahrs Expertise war bis zuletzt gefragt.

Der Vorsitzende der Linken-Fraktion, Gregor Gysi, erklärte: „Mit Egon Bahr geht ein großer deutscher Politiker.“ Zunächst - wie er ihm selbst gesagt habe - ein „Kalter Krieger“, sei er schließlich „für geregelte vernünftige Beziehungen zur Sowjetunion, zu ganz Osteuropa einschließlich der DDR“ eingetreten. „Wandel durch Annäherung war sein Ziel, mehr Wandel, als wir alle erlebt haben, war letztlich nicht zu erreichen. Schon seit 1990 suchte er auch das Gespräch mit meiner Partei, mit mir.“

SPD-Vize Ralf Stegner erklärte: „Egon Bahr war ein großer Sozialdemokrat, kluger Friedenspolitiker und engagierter Europäer. Der frühere Bundesminister, Weggefährte, Berater und Freund Willy Brandts hat nicht nur die Weichen für die neue Art von Entspannungspolitik gestellt, sondern sich in seinem ganzen Leben unermüdlich für Frieden und Entspannung eingesetzt.“

FDP-Chef Christian Lindner twitterte: „Die neue Ostpolitik war ein Verdienst von Egon Bahr. Die Freien Demokraten trauern um einen großen Mann.“



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