_

Ehrensold: Staatsrechtler rütteln an Luxus-Rente für Wulff

von Heike Anger Quelle: Handelsblatt Online

Würde der 52-jährige Christian Wulff morgen als Staatsoberhaupt zurücktreten, würde er bis ans Lebensende knapp 200.000 Euro pro Jahr vom Steuerzahler erhalten. Staatsrechtler fordern nun eine Reform des Ehrensolds.

Christian Wulff darf sich schon jetzt aufs Alter freuen: Finanziell ist er bestens abgesichert. Quelle: dapd
Christian Wulff darf sich schon jetzt aufs Alter freuen: Finanziell ist er bestens abgesichert. Quelle: dapd
Anzeige

BerlinDie anhaltende Kritik an Bundespräsident Christian Wulff in der Kredit- und Medienaffäre rückt den Ehrensold für Altbundespräsidenten in den Fokus. Staats- und Verfassungsrechtler drängen nun auf eine Reform der Ruhebezüge. „Für jemanden, der noch hochdotierte Posten in der Wirtschaft annehmen kann, ist ein Ehrensold nicht sinnvoll“, sagte der Leipziger Verfassungsrechtler Christoph Degenhart dem Handelsblatt. „Vielleicht sollten die Bezüge dann bis zum Erreichen des Pensionsalters ruhen“, schlägt er vor. Ein lebenslanger Ehrensold führe im Falle eines Rücktritts des Amtsinhabers nach nur kurzer Amtsdauer „zu schwer nachvollziehbaren Ergebnissen“, meint auch der Speyerer Staatsrechtler Joachim Wieland.

Nach dem derzeit geltenden „Gesetz über die Ruhebezüge des Bundespräsidenten“ aus dem Jahr 1953 erhält ein Präsident mit Ablauf seiner Amtszeit oder bei vorzeitigem Ausscheiden aus dem Amt aus politischen oder gesundheitlichen Gründen bis an sein Lebensende einen Ehrensold in Höhe der vollen Amtsbezüge. Derzeit sind das 199.000 Euro pro Jahr. Dazu übernimmt der Staat je Ex-Präsident die Sach- und Personalkosten für ein Büro mit Sekretariat, persönlichem Referenten und einem Fahrer. Diese liegen im Schnitt bei 280.000 Euro jährlich. Derzeit gibt es vier Ex-Bundespräsidenten mit Ehrensold: den 92-jährigen Walter Scheel, den 91-jährigen Richard von Weizsäcker, den 77-jährigen Roman Herzog und den 68-jährigen Horst Köhler, der seit seinem Rücktritt 2010 die Ruhebezüge in Anspruch nimmt.

„Das Gesetz ist tatsächlich reformbedürftig“, sagte Wieland dem Handelsblatt. Es „atme“ noch die Vorstellung vom Amt des Bundespräsidenten als das eines „Ersatzkaisers“, wie sie in der Frühzeit der Bundesrepublik vorgeherrscht habe. Inzwischen werde das Amt zu Recht wie andere hohe Staatsämter behandelt, die auch in relativ jungen Jahren erreicht werden könnten. „Dem entspräche es, auch die vollen Bezüge nur für die zeitlich begrenzte Amtsdauer zu gewähren und dann eine großzügige Pensionsregelung anzuschließen, mit allen Anrechnungsregelungen, die für solche Pensionen gelten“, fordert der Staatsrechtler.

Degenhart schlägt darüber hinaus vor, den Ehrensold nach Amtszeit zu staffeln, wie das auch bei den Mitgliedern der Bundesregierung der Fall sei. Und: „Der Bundespräsident sollte mindestens eine volle Periode von fünf Jahren amtiert haben.“

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 12.01.2012, 13:26 UhrAnonymer Benutzer: gast

    Für ein 46jähriges Arbeitsleben(immer Rentenversichrungspflichtig beschäftigt), inclusiv der Erziehungszeiten für 2Kinder erhalte ich eine Rente von 843,68 Euro.Wäre ich nicht Verheiratet müßte ich betteln gehen und meine Kleidung bekäme ich höchstens von der Diakonie geschenkt.Ich willmich nicht beklagen,es gibt Menschen, denen es wesentlich schlechter geht.In alten Märchen liest man manchmmal, dass der König sich als armer Mann verkleidete um zu sehen was in seinem Land passierte, heute lässt man sich von Designern gratis einkleiden und urlaubt in den Villen der Reichen,weil man mit dem gewöhnlichen Volk nichts zu Tuen haben will.

  • 09.01.2012, 12:08 UhrAnonymer Benutzer: Schoeppe

    Es ist schlichtweg eine Unverschämtheit was da an Geldern gezahlt wird. Es ist dringend notwendig, die Bezüge an Leistung zu koppeln. - So wie Wulff in den letzten Tagen aufgetreten ist, muß er zurücktreten und er muß gegenüber der Bundesrepublik Schadensersatz in einer Höhe zahlen, die ihn letztlich in die private Insolvenz treibt. - Als ihm das Amt angetragen wurde, wußte er von seiner Vorteilsnahme, die mit dem Amt des Präsidenten nicht vereinbar ist. - Henning Schoeppe Damm 12 38159 Vechelde

  • 05.01.2012, 22:22 UhrAnonymer Benutzer: Derkon

    Was hat sich in den letzten Jahrhunderten des Klerus und des Adels geändert? NICHTS!

    Wir Bürger wollen es nicht anders, ausser, wir streben Neues an. Aber dazu haben wir keinen Ar...und keine Ei..in der Hose. Wir sind zu feige. Das nutzt man halt aus. Aber lachen ( die Obrigkeit ) kann man auch nicht immer. Irgendwann wendet sich jedes Blatt. Zugunsten der Menschlichkeit. Zugunsten der Freiheit und Brüderlichkeit.

Alle Kommentare lesen

Blogs

Leos späte Rache
Leos späte Rache

Der Fall Deutsche Bank gegen Leo Kirch zeigt: Die größten Schweinereien passieren, wenn sich der Staat in die Wirtschaft...

weitere Fotostrecken