Einblick: Kluges Votum gegen Olympia

kolumneEinblick: Kluges Votum gegen Olympia

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"Nein zu Olympia" steht am 06.09.2015 beim Schanzenfest in Hamburg auf die Schanzenstraße gesprüht.

Kolumne von Miriam Meckel

Die Abstimmung gegen Olympia ist ökonomisch klug. Die Erfahrung zeigt: Die Kosten von Großprojekten laufen immer aus dem Ruder. Eine Kolumne.

Schneller, höher, stärker – so lautet das Motto der Olympischen Spiele, das am vergangenen Wochenende in Hamburg entzaubert wurde. Vielen Hamburgern ging die Idee von Olympia als Selbstläufer in der weltoffenen Hansestadt zu schnell. Die Ablehnung war höher, als es Politik und Sportverbände eingeschätzt haben. Und offenbar fehlte der Glaube daran, dass Olympische Spiele eine Stadt wie Hamburg stärker machen können. Das ist eine Niederlage für diejenigen, die glauben, Deutschland zeige sich über Großprojekte wie Olympia offen für die Welt und die Zukunft. Aber ist es wirklich ein Rückschritt für Deutschland als ein auf Wachstum und Zukunft ausgerichtetes Land? Keineswegs. Richtig ist, dass es Spiele gegeben hat, die für das Austragungsland tatsächlich schneller, höher, weiter bedeutet haben. Mit den Spielen 1964 ist Japan in eine Phase der wirtschaftlichen Dynamik eingetreten. In Los Angeles 1984 konnten zum ersten Mal Gewinne erzielt werden. Und die Sommerspiele in Südkorea 1988 waren die Startrampe für die demokratische und wirtschaftliche Entwicklung des Landes.

Olympia-Referendum Hamburg sagt "Nein" zu Olympia

Hamburg hat sich gegen die Olympischen Sommerspiele 2024 entschieden. Knapp, aber eindeutig. Welche Lehren sind aus dem Nein zu ziehen? Und wer hat Schuld am gescheiterten Referendum?

Eine Passantin geht in Hamburg über einen Schriftzug, den Olympia-Gegner auf den Boden am Ausgang einer U-Bahnstation gesprüht haben. Quelle: dpa

Seitdem wurde es kompliziert. Ob Montreal 1976, Sydney 2000, Athen 2004, Peking 2008: Die Mammutveranstaltungen waren nicht kostendeckend, beschädigten die Umwelt, hinterließen Sportstätten, die alsbald zu Ruinen einer irrealen wirtschaftlichen Aufschwungshoffnung verkamen. Manch einer nannte das Größenwahn. Jetzt treten also wieder die Untergangspropheten an die Rampe und beklagen das Provinzielle, Unentschlossene an Deutschland, das uns im internationalen Wettbewerb zusehends Nachteile beschert. Deren Lieblingsthese lautet: Großveranstaltungen und Großprojekte lassen sich bald nur noch in autoritären Staaten umsetzen, weil die Bevölkerung dort keine Chance hat, alles in Grund und Boden zu stimmen. Übersetzt heißt das: Demokratie ist eine negative Wettbewerbsverzerrung im globalen Wirtschaftsraum. Man könnte auch den Umkehrschluss ziehen: dass die Hamburger klug entschieden haben, weil sie aus der Vergangenheit gelernt haben.

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Die Spiele 2008 in Peking haben mehr als 40 Milliarden Dollar gekostet. Sie haben keinen Wachstumsboom gebracht, und das große Stadion („Vogelnest“) verschlingt pro Jahr zehn Millionen Dollar, ohne dass es genutzt wird. Die Bilanz von Sotschi 2014 sieht noch desaströser aus. In ihrem Buch „Why Nations Fail“ haben die beiden US-Ökonomen Daron Acemoglu und James Robinson 2012 eine überzeugende Interpretation angeboten, in der sich die Olympiaentscheidung Hamburgs spiegeln lässt. Danach setzt modernes Wachstum auf politischer Stabilität auf. Investition und Innovation sind Vertrauensakte, die nur gelingen, wenn vernünftig erwartbar ist, dass sie nicht an politischer Willkür oder wackligen Rahmenbedingungen scheitern. Offenbar war diese Sorge gegeben. Zu Recht: Die derzeitigen deutschen Großprojekte, die Elbphilharmonie, Stuttgart 21, der Flughafen Berlin-Bandenburg, laufen in den Kosten immer weiter aus dem Ruder. Daran scheitert bei uns nicht die Nation. Aber Olympia – als Zeichen für politische Vernunft und wirtschaftliche Weitsicht, also für demokratische Reife.

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