Einbruchszahlen: Aufrüstung der Hausbesitzer gegen die Einbruchangst

Einbruchszahlen: Aufrüstung der Hausbesitzer gegen die Einbruchangst

Jeder kennt den Spruch „My home is my castle“. Angesichts gestiegener Einbruchzahlen nehmen viele Hausbesitzer das inzwischen wörtlich. Eigenheime werden mit professionellen Sicherheitsmaßnahmen aufgerüstet.

Die Zutrittskontrolle für Besucher kennen die meisten Bürger bislang nur aus dem Büro oder aus dem Fernsehen. Doch wegen der stark gestiegenen Einbruchzahlen rüsten inzwischen viele Bürger ihre Häuser mit professioneller Sicherheitstechnik aus. Das Angebot geht inzwischen weit über Alarmanlage und Bewegungsmelder hinaus - vom einbruchhemmenden Fensterglas bis zum Fingerabdrucksensor für die Haustür ist alles zu haben.

Der alte Spruch „My home is my castle“ ist inzwischen in vielen Fällen wörtlich zu nehmen. Bei der Messe „Bau 2017“ in München ist der Einbruchschutz in dieser Woche ein großes Thema.

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Die Angst vor Einbrechern ist in Einfamilienhaussiedlungen bundesweit seit einigen Jahren eines der Top-Gesprächsthemen. Knapp 168.000 Einbrüche zählte die Polizei bundesweit im Jahr 2015, wobei die Fallzahlen je nach Bundesland weit auseinander liegen. Vergleichsweise sicher können sich die Einwohner Bayerns, Thüringens und Mecklenburg-Vorpommerns fühlen, wo auf 100.000 Einwohner jeweils weniger als 100 Einbrüche gezählt werden.

Die wichtigsten Fragen rund um Einbrüche

  • Wann passieren die meisten Einbrüche?

    Die meisten Einbrüche finden in den sogenannten „dunklen Monaten“ statt. Das heißt zwischen Oktober und Februar. Bevorzugte Uhrzeiten sind die Dämmerungszeiten.

  • Wie gehen die Täter zumeist vor?

    Im Grunde ganz einfach: Die meisten benutzen laut Polizei einen Schraubenzieher. Zumeist nähern sich Einbrecher von der Gartenseite und hebeln Fenster oder Fenstertüren auf. Dreiviertel aller Einbrüche laufen so ab, heißt es.

  • Wie schützt man sich effektiv?

    Einbruchssichere Fenster und Türen sind wohl der effektivste Einbruchsschutz. Wer persönlich zugeschnittene Infos sucht, kann sich kostenlos und neutral von Beamten der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle beraten. Dort werden auch geprüfte Handwerksbetriebe empfohlen.

  • Helfen elektronische Meldesysteme?

    Laut Polizei gilt: Erst muss die Außenhaut gesichert sein, dann kann man über weitere Schutzmechanismen nachdenken. „Meldeanlagen melden den Einbruch, verhindern aber keinen“, heißt es bei der Polizei.

  • Nach einem Einbruch: Was tun?

    Polizei anrufen und abwarten. Am besten nichts anfassen oder gar aufräumen. Alle weiteren Schritte lassen sich dann mit den Beamten besprechen.

In Bremen dagegen ist laut polizeilicher Kriminalstatistik die Gefahr, Opfer eines Einbrechers zu werden, mehr als zehnmal so hoch wie in Thüringen. Zwar waren Anfang der neunziger Jahre die Fallzahlen sogar noch höher als heute, aber viele Bürger sind verunsichert.

Ein Trend: die Videoüberwachung. „Die Leute wollen die Leute an der Haustür nicht nur sprechen, sondern auch sehen“, sagt Clemens Jesenitschnig, Sprecher des auf Gebäudekommunikation spezialisierten Furtwanger Unternehmens Siedle. Moderne Videokameras speichern die Filmaufnahmen - so können die Bewohner nachträglich jeden betrachten, der vor ihrer Haustür stand. 2015 wurden in Deutschland demnach 65.000 Türstationen verkauft - davon bereits 15 Prozent mit Videoüberwachung. 2014 waren es nach Siedle-Angaben erst 12 Prozent.

Verbreitung für den privaten Hausgebrauch finden somit auch Technologien, die bis vor einigen Jahren ausschließlich in Hochsicherheitsbereichen von Firmen, Behörden und Forschungsinstituten zu finden waren. Der Ditzinger Hersteller Gretsch-Unitas etwa verkauft ein Haustür-Sicherheitskonzept mit Fingerscanner. „Das läuft sehr gut“, sagt eine Sprecherin.

Der Einbruchschutz ist oft mit „smart home“-Produkten vernetzt. Wer gerne per Handy Heizung und Wohnzimmerlampe an- oder ausschaltet, kann, entscheidet sich häufig auch für ferngesteuerte Türkontrolle und Videoüberwachung. Ein Eigenheimbesitzer hat damit inzwischen ähnliche Kontrollmöglichkeiten wie die Sicherheitsleute in einem Bürohochhaus.

Polizei und Versicherungen allerdings legen weniger Wert auf High Tech als auf schlichte mechanische Sicherung - etwa einbruchhemmendes Fensterglas und Türbeschläge oder zusätzliche Schlösser für die Fenster. Denn die polizeiliche Erfahrung lehrt, dass es Einbrecher eilig haben. Gelingt es ihnen nicht, innerhalb kurzer Zeit in ein Haus oder eine Wohnung einzudringen, ziehen viele wieder ab.

Deutschland So viele Wohnungseinbrüche wie noch nie

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist 2015 auf ein Rekordniveau gestiegen. Mehr als 167.000 Einbrüche gab es in Deutschland. Das macht knapp zehn Prozent mehr als im Vorjahr.

So viele Wohnungseinbrüche wie noch nie. Quelle: dpa

In Bayern etwa zählte die Polizei 2015 insgesamt 7480 Einbruchsdelikte - davon blieben 46 Prozent unvollendet. „Fast jeder zweite Einbruch blieb also im Versuchsstadium stecken, weil die Täter gestört oder von einer wirkungsvollen Sicherungstechnik abgehalten wurden“, sagt ein Sprecher des bayerischen Innenministeriums in München.

Hilfreich für die Branche ist die staatliche Hilfe. Die öffentliche Kfw-Bank fördert den Absatz der Anti-Einbruchs-Technik abhängig von der Investitionssumme mit bis zu 1500 Euro Zuschuss. Doch eine gesetzliche Norm für den Einbruchschutz gibt es nicht, stattdessen zertifizieren mehrere Institute die Produkte der Hersteller. Doch eine neue Fenstersicherung allein garantiert keineswegs den Schutz. „Planungs- und Montagefehler können schnell dazu führen, dass die Einbruchhemmung von Fenstern und Türen nicht mehr wirkt“, sagt Jürgen Benitz-Wildenburg, Sprecher des Instituts für Fenstertechnik (ift) in Rosenheim.

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