Einkommen und Steuern: Das Wettrennen der Steuersenker ist eröffnet

KommentarEinkommen und Steuern: Das Wettrennen der Steuersenker ist eröffnet

, aktualisiert 08. August 2016, 13:28 Uhr
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Im Sinne der Steuersenkungen überbietet Linnemann seine Unionskollegen Schäuble und Söder.

Quelle:Handelsblatt Online

Während Finanzminister Schäuble und selbst die CSU eher bescheidene Steuerentlastungen in Aussicht stellen, operiert der Wirtschaftsflügel der Union mit großen Zahlen. Haben die Pläne Chance auf Umsetzung?

Wenn es um Steuersenkungen geht, hantiert Carsten Linnemann gerne mit großen Zahlen. Der Chef der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) gehört traditionell zu den Stimmen innerhalb der Union, die auf eine möglichst kräftige Entlastung der Bürger drängen. So verwundert es nicht, dass Linnemann nun im gerade begonnenen Steuersenkungs-Wettrennen vorprescht. Er fordert mit seinem Konzept Steuersenkungen von rund 30 Milliarden Euro bis zum Jahr 2020.

Das ist fast drei Mal so viel wie das Entlastungsvolumen, das Wolfgang Schäuble (CDU) vorschwebt. Er hält zwölf Milliarden Euro für realistisch. Selbst Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) war vergleichsweise bescheiden. Sein Bayern-Tarif würde den Fiskus rund zehn Milliarden Euro kosten.

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Linnemann überbietet die beiden Unionskollegen also deutlich. Und er hat dafür durchaus gute Gründe. Erstens hat sich Schäuble mit seinen zwölf Milliarden Euro viel ärmer gerechnet als er ist. Der Fiskus hätte durchaus mehr Spielraum. Das lässt sich nicht zuerst an den stetig steigenden Steuereinnahmen ablesen. Rekordwerte sind hier die Regel: Solange die Wirtschaft wächst, tun es die Staatseinnahmen auch. Aussagekräftiger ist die Steuerquote, also das Verhältnis von Steuereinnahmen zu Bruttoinlandsprodukt (BIP).

Steuerbescheid Wer sich wehrt, kann sparen

Auch das Finanzamt macht Fehler. Manchmal handelt es sich um einfache Zahlendreher, manchmal bewerten die Beamten einen Sachverhalt anders als der Steuerzahler. Die Erfolgschancen bei einem Einspruch sind hoch.

Steuererklärung Quelle: dpa

Und sie zeigt durchaus Nachholbedarf in Sachen Entlastung: Aktuell beträgt sie rund 22,8 Prozent. Die Quote lag in Schäubles Amtszeit als Finanzminister schon mal mehr als einen Prozentpunkt niedriger. Mit anderen Worten: Es sind rund 30 bis 40 Milliarden Euro Entlastung drin – politischen Willen vorausgesetzt.

Doch an dem hat es bisher bei Schäuble gemangelt. Seit Amtsantritt als Finanzminister im Jahre 2009 präsentiert er sich als Etatist. Und anfangs war seine Knauserigkeit durchaus gut begründet. Für Schäuble hatte der Abbau der Neuverschuldung Priorität. Steuern zu senken und gleichzeitig Schulden zu machen, wäre ein Geschenk, das die kommende Generation zahlen muss. Doch nun hält Schäuble die schwarze Null schon seit drei Jahren.

Checkliste: Diese Belege helfen Steuern sparen

  • Einkünfte

    Lohnsteuerbescheinigung

    Bescheinigung über
    - Arbeitslosengeld/ Elterngeld/ Kurzarbeitergeld
    - Krankengeld / Mutterschaftsgeld

    bei Rentenbezug (z. B. Alters-, Erwerbsunfähigkeits-, Witwen-, private Versicherungsrenten)
    - bei erstmaligem Bezug den Rentenbescheid
    - jährliche Rentenbescheinigung

    Bescheinigung über vermögenswirksame Leistungen (z. B.: Bausparvertrag): Anlage VL

    Belege über Nebeneinkünfte

    Quelle: Aktuell Lohnsteuerhilfeverein e.V.

  • Einkünfte aus Kapitalvermögen

    Jahreszinsbescheinigungen, etwa von Bausparkassen, Banken, Fondsgesellschaften

    Steuerbescheinigungen bei einbehaltener Zinsabschlagsteuer (Abgeltungsteuer)

    Belege über Verkauf von Aktien / Grundstücken / Vermögenswerten etc.

  • Kinder

    bis 14 Jahre: Betreuungskosten z. B. Gebühren für Kindergarten, -hort, Babysitter, Tagesmutter

    über 18 Jahre: Ausbildungs- und Lehrverträge, Immatrikulationsbescheinigung bei Studium

    im Ausland: Familienstandsbescheinigung

    Belege über Schulgeld, Krankenversicherungsbeiträge, Lohnsteuerbescheinigung des Kindes, Waisenrentenbescheinigung

    Entlastungsbetrag für Alleinerziehende

  • Werbungskosten

    Gewerkschaftsbeiträge, Unfallversicherung, Rechtschutzversicherung

    Bewerbungskosten (z. B. Kopier-, Porto-, und Fahrtkosten, Bewerbungsmappen)

    Reisekosten: Erhöhte Fahrtkosten, Verpflegungspauschalen, Unterkunftskosten (z. B. Kraftfahrer, Bauarbeiter, Außendienst)

    Winterbeschäftigungsumlage

    Fahrten Wohnung - Arbeitsstätte, Auswärtstätigkeit
    - Entfernungs-km, Anzahl Fahrten
    - Sammelbeförderung z. B. Werkbus (TÜV-Bericht / ASU / Inspektionsrechnungen immer aufheben wg. km-Stand)
    - Unfallkosten PKW

    Arbeitsmittel (z. B. Computer, Druckerpatronen, Büromaterial, Werkzeug, Berufskleidung, Fachliteratur)

    doppelte Haushaltsführung (Miete, Mietnebenkosten, notwendiger Hausrat, Zweitwohnungssteuer)

    Steuerberatungskosten

    Fortbildungskosten (Kurs- und Prüfungsgebühren, Kosten für ein Zweitstudium)

    Arbeitszimmer (sofern der Arbeitgeber keinen geeigneten Arbeitsplatz stellt)

    beruflich veranlasste Umzugskosten (Spediteur, Umzugshelfer, Renovierungskosten, Anschlussgebühren, etc.)

  • Außergewöhnliche Belastungen

    rankheitskosten (z. B. Medikamente, Zahnarzt, Brille, Krankenhausaufenthalt, Kur, Physiotherapie)

    Fahrtkosten zum Arzt (Anzahl der Fahrten und km)

    Scheidungskosten / Beerdigungskosten

    Kosten für Haushaltshilfe

    Nachweis über Behinderung (Behindertenausweis, Bescheinigung vom Versorgungsamt, Rentenbescheid über Unfallrente)

    Unterhaltsleistungen Kinder / Ehefrau / Eltern / Großeltern / Lebensgefährte/in

    Krankenversicherungsbeiträge für unterhaltene Personen

  • Sonderausgaben

    Riester-Rente

    Rürup-Rente (Basisrente)

    Versicherungsbeiträge (z. B. Lebens-, Haftpflicht-, Kfz-, Unfallversicherung)

    Krankenversicherung: Nachweis Basistarif, Beitragserstattungen

    Spendenbescheinigungen

  • Handwerkerleistungen/ haushaltsnahe Dienstleistungen

    Haushaltsnahe Dienstleistungen:

    Reinigung, Gartenpflegearbeiten (wie z. B. Rasenmähen oder Heckenschneiden), Schneeräumen

    Umzugsdienstleistungen (Umzugsspedition)

    Pflege von kranken Personen

    Handwerkerleistungen:

    Arbeiten an Haus oder Wohnung, Reparatur und Wartung von Gegenständen, Kontrollaufwendungen (z. B. Gebühr für den Schornsteinfeger)

    Hinweis: Alle Arbeiten müssen im oder am Haus bzw. an Wohnung vorgenommen worden sein

    Voraussetzungen:

    Begünstigt ist nur der Arbeitslohn, einschließlich der in Rechnung gestellten Maschinen und Fahrtkosten - keine Leihgebühr für Maschinen

    Hinweis: Kontoauszüge müssen die Bezahlung per Überweisung belegen

  • Immobilien

    Vermieter:
    - Kaufvertrag, Makler-, Auflassungsgebühr, Grunderwerbssteuer, Notarkosten
    - Bau-, Reparaturrechnungen, Zinsbescheinigungen

    Sonderabschreibung:
    - für ein Baudenkmal, Gebäudesanierung

Er hätte also längst auch für die Steuerzahler etwas machen können. Genug Geld wäre da. Trotz der Ausgaben für die Flüchtlingskrise steht Schäubles Haushalt glänzend da. Seine Untätigkeit aber führte dazu, dass sich die Große Koalition immer neue Ausgaben ausdachte. Hat der Bürger sein Geld erstmal in Form von Steuern aus der Hand gegeben, wird es ein Politiker garantiert auch ausgeben. Schließlich lassen sich auch koalitionsinterne Streitigkeiten am besten mit Geld lösen.

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