Einkommen: Wie sich die Änderungen bei Steuern und Abgaben auswirken

Einkommen: Wie sich die Änderungen bei Steuern und Abgaben auswirken

von Bert Losse

Viele Bürger müssen 2010 weniger Steuern zahlen. Doch die Freude wird nicht lange anhalten – die Sozialabgaben steigen.

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Kita: Das Kindergeld steigt um 20 Euro

Übertriebenen Optimismus kann man Kanzlerin Angela Merkel wahrlich nicht vorwerfen. „Manches wird im neuen Jahr erst noch schwieriger, bevor es wieder besser werden kann“, stimmte sie die Bundesbürger in ihrer Neujahrsansprache auf weiter unruhige Zeiten ein. Doch für zumindest einen Bereich ist es genau umgekehrt: Weil zum Jahreswechsel eine Reihe von Steuerentlastungen in Kraft getreten sind, dürfen sich 2010 viele Arbeitnehmer auf steigende Nettolöhne freuen – leider nur bis 2011.

„Per saldo sinkt die Belastung in diesem Jahr merklich“, sagt Volker Stern, Ökonom beim Bund der Steuerzahler. Wie in den Vorjahren hat Stern für die WirtschaftsWoche anhand von drei Musterhaushalten errechnet, wie sich die Neuerungen in Euro und Cent auf das verfügbare Einkommen der Arbeitnehmer auswirken. Dabei berücksichtigte der Steuerexperte nicht nur direkte Steuern und Sozialabgaben, sondern auch die auf Konsumprodukte zu zahlende Mehrwertsteuer, spezielle Verbrauchsteuern (auf Benzin, Zigaretten, Strom, Heizöl) sowie Kommunalabgaben, etwa für Müll und Abwasser. Grundlage für die Bewertung waren haushaltstypische Verbrauchs- und Konsummengen.

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Das Ergebnis: Inklusive der Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung, die methodisch zu den individuellen Lohnkosten hinzugerechnet werden, überweist ein gut situiertes Kölner Doppelverdiener-Ehepaar (zwei Kinder, Eigenheim) im kommenden Jahr 56,7 Prozent des Bruttoeinkommens an Staat und Sozialkassen – 2,2 Punkte weniger als im Vorjahr. Beim Dresdner Mittelklasse-Ehepaar mit einem Einkommen und zwei Kindern sinkt die Quote um 1,7 Punkte auf 46,6 Prozent, was monatlich rund 77 Euro mehr in der Kasse belässt. Der Singlehaushalt in Göttingen ist mit 62,3 Prozent dabei und hat 96 Euro mehr im Monat.

20 Milliarden Euro Entlastung

Und das sind die gesetzlichen Änderungen im Überblick:

Der steuerliche Grundfreibetrag steigt von 7834 auf 8004 Euro.Die Tarifkurve der Einkommensteuer verschiebt sich leicht nach rechts. Der Spitzensteuersatz wird so künftig ab 52.882 Euro fällig (bisher 52.552 Euro).Die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sind nun steuerlich absetzbar – ein unfreiwilliges Entgegenkommen der Regierung, die einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts folgen muss.Das Kindergeld steigt für das erste und zweite Kind von 164 auf 184 Euro. Für den dritten Sprössling gibt es 190 Euro, für jeden weiteren 215 Euro. Der Kinderfreibetrag steigt von 6024 auf 7008 Euro.Beiträge zur Altersvorsorge sind zu 70 Prozent absetzbar (bisher 68 Prozent).

Insgesamt werden Arbeitnehmer und Familien 2010 um rund 20 Milliarden Euro entlastet. Trotzdem liege „die Belastung deutscher Haushalte noch immer weit über dem, was in den meisten anderen OECD-Ländern für vergleichbare Haushalte üblich ist“, rügt Ökonom Stern. „Daher müssen in den nächsten Jahren weitere Entlastungen folgen.“

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