Einlagensicherung: So schützen Sparer ihr Geld

Einlagensicherung: So schützen Sparer ihr Geld

von Mark Fehr

Zypern ist vorerst gerettet, doch der Schock nach tagelangen Kontosperrungen und der Enteignung von Bankkunden sitzt tief. Was verunsicherte deutsche Sparer jetzt tun sollten, wenn sie wieder besser schlafen wollen.

Nach der langen Nacht der Zypern-Rettung sind wir europäischen Sparer in einer völlig veränderten Welt aufgewacht. Die neue Realität ist der kalte Stern der Gewissheit, dass jeder Euro auf unserem Bankkonto nur so sicher ist wie das Kreditinstitut, dem wir das Geld anvertrauen. Die Spareinlagen haben wir mit eigener Arbeit verdient oder mit unserem Vermögen erwirtschaftet und betrachten sie daher mit Recht als unser Eigentum.

Doch wenn unserer Bank das Geld ausgeht oder ihr die Schulden über den Kopf wachsen, kann sich dieses Eigentum schnell in Luft auflösen. Das Guthaben auf dem Konto ist kein verlässlicher Wert, sondern ein mehr oder weniger riskanter Kredit an die Bank – vergütet mit derzeit meist lächerlich niedrigen Zinsen. Hartgesottene Ökonomen erklären diese Erkenntnis zur Selbstverständlichkeit, was sie eigentlich auch ist und schon immer war. Aber nach dem Debakel in Zypern stellen sich viele die Frage, ob Banken den von uns Kunden gewährten Kredit wirklich jederzeit und in voller Höhe zurückzahlen können.

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Zyprischer Albtraum

Besonders viel können deutsche Bankkunden übrigens nicht tun, um ihr Geld besser abzusichern. Aber dank ein paar ganz einfacher Handgriffe sollten sie angesichts der nagenden Gewissheit um den Kreditcharakter ihrer Ersparnisse wieder etwas leichter Schlaf zu finden. Stark Verunsicherte können Bargeld für den Notfall bunkern, ihre Konten auf Banken unterschiedlicher Institutsgruppen verteilen und sollten vor allem den verlockend hohen Tages- und Festgeldzinsen bei Angeboten von meist wackligen Kreditinstituten widerstehen.

Wenn die Bank Pleite geht

  • Europäische Regelung

    Tages- oder Festgeld gilt als sichere Anlage. Doch was passiert, wenn eine Bank pleitegeht? In der gesamten Europäischen Union gilt ein gesetzlicher Entschädigungsanspruch von 100 000 Euro pro Anleger.

  • Deutschland

    Deutschland gibt es darüber hinaus freiwillige Einlagenschutzsysteme, die noch größere Entschädigungssummen versprechen. Darauf gibt es aber keinen Rechtsanspruch.

  • Alternative Regelungen

    Bankkunden sollten vorab prüfen, bei welchem Einlagensicherungssystem ein Institut überhaupt registriert ist. Denn es gibt einige Banken, die sich dem Einlagensicherungsfonds anderer Länder angeschlossen haben. Die Bigbank gehört zum Beispiel dem estnischen Einlagenschutzfonds an, die IW Bank, eine Tochter der Ubi Banca, ist dem italienischen Fonds angeschlossen. Die VTB Direktbank – nicht zu verwechseln mit der VTB Bank Deutschland – ist Österreichs Einlagensicherungssystem angegliedert.

  • Risiken

    Solche Aspekte sind wichtiger geworden, seit wegen der Staatsschuldenkrise die Zahlungsfähigkeit ganzer EU-Staaten angezweifelt wird. Denn es gibt kaum einen Einlagensicherungsfonds, der die Pleite einer großen Bank ohne Staatshilfe überstehen könnte. Selbst der Einlagensicherungsfonds der deutschen privaten Banken benötigte öffentliche Gelder, als die Deutschland-Tochter der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 Insolvenz anmeldete. „Deshalb ist die Frage wichtig, ob der jeweilige Staat finanzkräftig genug ist, um notfalls für das Einlagensicherungssystem einzustehen“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

  • Auf Nummer Sicher

    Der Verbraucherschützer rät Anlegern deshalb, darauf zu achten, dass eine Bank den Schutz der deutschen Einlagensicherung anbietet: „Die implizite Staatsgarantie Deutschlands ist höher zu bewerten als die von vielen anderen europäischen Staaten.“ Ein weiterer Vorteil: Der Schriftverkehr mit den Behörden erfolgt im Entschädigungsfall auf Deutsch.

Einem Alptraum glichen die Bilder der Schlangen vor zyprischen Geldautomaten, die lange nur winzige Beträge ausspuckten oder die Nachrichten vom gesperrten Onlinebanking. Erst am Donnerstag vor Ostern öffneten Zyperns Banken nach elf Tagen wieder. Verbraucher mussten sich also beeilen, um vor den Feiertagen schnell noch ihre Ostereinkäufe zu erledigen und die zur Neige gegangenen Vorräte aufzustocken.

Bargeld für den Notfall

Solche Szenarien sind derzeit in Deutschland zum Glück unwahrscheinlich. Wer sich dennoch für den Fall tagelang geschlossener Banken und gesperrter Konten wappnen will, kann sich einen Bargeldvorrat in möglichst kleinen Scheinen und ein paar Münzen zurechtlegen. Das Risiko, die eiserne Reserve bei einem Wohnungseinbruch in der Urlaubszeit zu verlieren, muss man dabei wohl oder übel in Kauf nehmen. Wer die Notgroschen stattdessen in einem Bankschließfach deponiert, muss Kosten einkalkulieren und sollte darauf achten, dass der Zugang zu seinem Minitresor auch garantiert ist, wenn die betroffene Bank auf Weisung der Finanzaufsicht schließen müsste. Neben Banken gibt es aber in vielen Städten auch freie Anbieter von Schließfächern.

Zyperns Reiche konnten angeblich trotz geschlossener Schalterhallen große Summen von der Insel schaffen. Schwarzgeldexperten vermuten, dass sie dies in Komplizenschaft mit ihren Kundenberatern und den Chefs ihrer Bank deichseln konnten, weil diese für einflussreiche Großeinleger gern mal eine Ausnahme von der Sperrung des Bankgeschäfts gemacht haben. Wer als Normalsparer keinen derart privilegierten Zugang zu seiner Bank besitzt, muss sich dagegen andere Strategien für den Notfall eines Moratoriums über sein kontoführendes Institut zurechtlegen.

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