Einwanderung: Lasst die Flüchtlinge arbeiten!

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Einwanderung: Lasst die Flüchtlinge arbeiten!

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Said Ahmed aus Somalia: "Wenn ich nur zu Hause rumsitze, geht mein Kopf kaputt."

von Max Haerder, Konrad Fischer und Maximilian Nowroth

Flüchtlinge sollten so schnell wie möglich Arbeit finden. Regionale Initiativen leisten dabei Großartiges, trotz rechtlicher Hürden.

Warum er im November mit Todesangst aus Somalia floh? Bitte nicht mitschreiben. Wie er mit einem Schlauchboot von der Türkei nach Griechenland schipperte? Kein Wort. Über seine Vergangenheit möchte Said Ahmed am liebsten nur noch eins: gar nicht mehr sprechen. Aber etwas sagt der 19-Jährige dann doch: „Ich kam nach Deutschland mit Ach und Krach.“ Dann lehnt er sich zurück und ist sichtbar stolz über diese Formulierung nach nur fünf Monaten Deutschunterricht.

Die Torturen der Vergangenheit will Ahmed zurücklassen. Seine Zukunft trägt er hingegen am Leib, damit sie jeder sehen kann: einen Blaumann mit der Aufschrift „Sanitär Heizung Klima“. Somalischer Flüchtling, Asylbewerber, das ist sein offizieller Status, aber für ihn ist das nicht der Rede wert.

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Was Flüchtlinge dürfen

  • Betriebliche Ausbildung

    Wer eine sogenannte Aufenthaltsgestattung bekommt, darf nach drei Monaten in Deutschland eine betriebliche Ausbildung beginnen. Wer geduldet ist, kann vom ersten Tag an eine Ausbildung machen. In beiden Fällen ist jedoch eine Erlaubnis durch die Ausländerbehörde nötig.

  • Praktika

    Gleiches gilt für Praktika oder den Bundesfreiwilligendienst beziehungsweise ein freiwilliges, soziales Jahr: Personen mit Aufenthaltsgestattung können nach drei Monaten ohne Zustimmung der ZAV damit beginnen, wer den Status „geduldet“ hat, darf das ab dem ersten Tag.

  • Hochqualifizierte

    Wer studiert hat und eine Aufenthaltsgestattung besitzt, darf ohne Zustimmung der ZAV nach drei Monaten eine dem Abschluss entsprechende Beschäftigung aufnehmen, wenn sie einen anerkannten oder vergleichbaren ausländischen Hochschulabschluss besitzen und mindestens 47.600 Euro brutto im Jahr verdienen werden oder einen deutschen Hochschulabschluss besitzen (unabhängig vom Einkommen).
    Personen mit Duldung können dasselbe bereits ab dem ersten Tag des Aufenthalts.

  • Nach vier Jahren Aufenthalt

    Personen mit Aufenthaltsgestattung können nach vierjährigem Aufenthalt jede Beschäftigung ohne Zustimmung der ZAV aufnehmen.

Der "German Dream"

Der Mann mit dem gepflegten Oberlippenbart und den Krauselocken ist einer von 18 Männern, die sich derzeit auf eine Umschulung zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik vorbereiten. In den Werkstätten des Bildungszentrums der Kreishandwerkerschaft Duisburg arbeiten Flüchtlinge aus Ländern wie Syrien, Guinea oder Marokko an ihrem ganz persönlichen „German Dream“: vom Asylbewerber zum Gesellen in nur zwei Jahren. Sie lernen zu schweißen, löten Kupferrohre und messen die Temperatur bei Heizungen. Dazu bekommen sie Unterricht in Deutsch und Mathematik. Frank Bruxmeier, der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Duisburg, hat das Projekt „Bildung – ein Grundrecht für Flüchtlinge“ zusammen mit dem Verein Bunter Tisch Moers und dem SPD-Landtagsabgeordneten Ibrahim Yetim ins Leben gerufen.

Arbeitsverbot Wie Flüchtlinge in Deutschland um Arbeit kämpfen

Flüchtlinge in Deutschland leben im Ungewissen. Während die Politik über den Umgang mit ihnen diskutiert, wollen sie oft einfach nur arbeiten dürfen.

Nasir aus dem Niger arbeitet beim Übungswerkstätten-Parkour der Kampagne "arrivo" an einer Aufgabe. Quelle: dpa

Es ist eine Geschichte der Hoffnung, wie es sie immer häufiger gibt. Über Jahrzehnte wirkte im deutschen Zuwanderungsrecht der Geist der Abschottung. Auf dem Papier hat sich das gewandelt, die Regeln für einwandernde Fachkräfte und Akademiker gelten im internationalen Vergleich mittlerweile als geradezu vorbildlich. Auch bei der Integration von Asylbewerbern in den Arbeitsmarkt hat sich einiges getan. Doch ein Blick in die Handwerksbetriebe und Fertigungshallen des Landes zeigt: In der Praxis gibt es selbst beim besten Willen schwer überwindbare Hürden.

Einwanderung ist eine ökonomische Chance

Dabei entscheidet sich an Menschen wie Said Ahmed und Frank Bruxmeier, ob sich in diesem Land Einwanderung mehr oder weniger planlos vollzieht oder ob die Bundesrepublik wirklich zu dem Einwanderungsland wird, das es, gemessen an den Zuzugsströmen, längst ist.

Asyl-Erstanträge in Deutschland

Asyl-Erstanträge in Deutschland

400.000, vielleicht sogar 500.000 Flüchtlinge könnten dieses Jahr Anträge auf Asyl stellen, so viele wie seit 20 Jahren nicht. Gegen die offizielle deutsche Politik, die sich in Europa noch dafür stark macht, die Flüchtlinge in Italien, Spanien oder Griechenland zu lassen, wo immer sie eben ankommen, hat es der Gedanke schwer, dass die Aufnahme nicht nur eine humanitäre Pflicht ist, sondern auch eine ökonomische Chance. „Dass wir Asyl heute auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachten, ist eine hilfreiche Entwicklung“, sagt der Münsteraner Migrationsforscher Dietrich Thränhardt. „Wir nehmen Menschen erst dann ernst, wenn wir sie als Akteure schätzen – und nicht als Empfänger unserer Hilfe.“

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