Einwanderung: Warum viele Türken weniger integriert sind als andere Gruppen

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Einwanderung: Warum viele Türken weniger integriert sind als andere Gruppen

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Türkische Gastarbeiter 1976 in Düsseldorf.

von Ferdinand Knauß

Fehlende Integrationsangebote des Staates hätten dazu geführt, dass Türken vergleichsweise wenig erfolgreich sind in Deutschland, heißt es bei Ökonomen oft. Tatsächlich dürfte etwas anderes viel entscheidender sein.

Die Grenzöffnung vom Spätsommer 2015 war eine Chimäre. Ein Mischwesen aus humanitär begründeter Rettungstat und ökonomischer Wette. Regierungspolitiker, Manager und Ökonomen waren sich mit Hilfsorganisationen, Kirchen und einem großen Teil des Rests der Deutschen einig im Glauben an eine gigantische Win-Win-Situation für Deutschland: Man könne mit den Leidgeprüften aus Syrien und anderen zerfallenden Staatswesen gleichzeitig auch die Zukunftsaussichten der deutschen Volkswirtschaft retten.
Daimler-Chef  Dieter Zetsche stellte „ein zweites Wirtschaftswunder“ in Aussicht und Deutsche Bank-Chefökonom David Folkerts-Landau glaubte, dass Deutschland durch die Neuankömmlinge „seinen Ruf als globales wirtschaftliches ‚Powerhaus‘“ festigen könne.

Die Bedingung dafür stand damals meist nur in den Fußnoten: dass die Ankömmlinge rasch integriert würden, worunter fast ausschließlich die Unterbringung auf dem Arbeitsmarkt verstanden wird.

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Eine Muslima mit Kopftuch steht vor einem Jobcenter in Berlin. Quelle: dpa Picture-Alliance

Mittlerweile rückt diese Bedingung immer stärker ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Die Zukunftsprojektionen werden pessimistischer. Selbst die von der Heinrich-Böll-Stiftung in Auftrag gegebene Studie des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) sieht im höchst unwahrscheinlichen optimistischsten Szenario – alle Einwanderer haben nach zehn Jahren einen Job und fast 100 Prozent schaffen eine Berufsausbildung – nur ein leichtes Plus in der volkswirtschaftlichen Bilanz. Die wahrscheinlicheren mittleren und erst recht die pessimistischen Szenarien sehen große Belastungen für den Sozialstaat der kommenden Jahrzehnte.

Lehrreicher als die hypothetischen Glaskugel-Blicke in die Zukunft, mit denen der Berufsstand der Ökonomen allzu schnell bei der Hand ist, dürfte der Rückblick auf die bisherigen Erfahrungen mit der sozioökonomischen Integration von Zuwanderern sein. Der aktuelle Datenreport 2016 des Statistischen Bundesamtes befördert die ernüchternden Erkenntnisse darüber unmissverständlich zutage.

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Er macht vor allem deutlich, dass Einwanderung nicht allein als statistische Zahl in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zu begreifen ist. Auch in ökonomischer Perspektive sind sehr große und entscheidende Unterschiede zwischen verschiedenen Herkunftsgruppen auszumachen. Das am meisten deprimierende Ergebnis ist, dass die große Gruppe der Türkischstämmigen verglichen nicht nur mit Einheimischen, sondern auch mit anderen Einwanderern besorgniserregend erfolglos bleibt.

Mehr als jeder dritte Einwohner türkischer Herkunft in Deutschland verdient weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens. Bei Einwanderern vom Balkan oder aus Italien und bei deren Nachkommen, ist es nur ein Viertel. Umgekehrt schaffen es gerade fünf Prozent der Türkischstämmigen auf mehr als 150 Prozent des mittleren Einkommens, während das 21 Prozent der Osteuropäer, 18 Prozent der Südwesteuropäer und elf Prozent der Ex-Jugoslawen schaffen. 

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