Elektromobilität: Schäuble prüft Kaufanreize für E-Autos

exklusivElektromobilität: Schäuble prüft Kaufanreize für E-Autos

von Christian Schlesiger

Bei der Produktion von Elektroautos sind die Deutschen Spitze, beim Absatz nur Mittelmaß. Sonderabschreibungen auf elektrische Dienstwagen sollen den Verkauf ankurbeln.

Die Bilanz der Elektromobilität in Deutschland ist mau. Von Januar bis April dieses Jahres wurden zwar rund 6200 neue Elektroautos zugelassen. Das entspricht immerhin einer Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr. Doch Holländer, Briten und Norweger haben im gleichen Zeitraum deutlich mehr Stromer gekauft. Auch China fährt davon. Elektromobilität gilt dort als attraktiv, auch weil die dortigen Regierungen den Kauf subventioneren.

Die Bundesregierung plant nun ähnliche Schritte, voraussichtlich noch in dieser Legislaturperiode. „Wir prüfen derzeit Sonderabschreibungen für E-Autos in Dienstflotten“, sagt ein Sprecher von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) auf Anfrage der WirtschaftsWoche. „Voraussetzung für eine Förderung ist insbesondere, dass sich die Länder an der Finanzierung beteiligen.“

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Umstrittene Förderung für Elektroautos

  • Der Hintergrund

    Beim Kampf gegen die Erderwärmung geraten immer wieder die Autofahrer in den Blick. Der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) geht in Deutschland nämlich zu einem Sechstel auf das Konto des Straßenverkehrs. Als klimaschonende Variante gelten Elektroautos, die nicht mit Benzin, sondern mit Strom angetrieben werden. Deshalb will der Bundestag am Donnerstagnachmittag ein Gesetz verabschieden, das einige Privilegien für die Besitzer von E-Autos vorsieht.

  • Wie viele Elektroautos gibt es in Deutschland?

    Wenn es nach der Bundesregierung geht: viel zu wenige. Bis zum Jahr 2020 wird nämlich die Zielmarke von einer Million E-Autos angepeilt. Zu Jahresbeginn waren es aber nur 18.948 Fahrzeuge mit reinem Elektromotor sowie 107.754 Hybrid-Autos, die sowohl mit einem Elektro- als auch mit einem herkömmlichem Verbrennungsmotor fahren können. Im Vergleich zu den bundesweit 44,4 Millionen zugelassenen Pkw ist der Anteil der Elektroautos aber verschwindend gering.

  • Warum ist die Zahl der Elektroautos so niedrig?

    Zum einen ist der Anschaffungspreis relativ hoch: So kostet der VW-Kleinwagen Up! in der Elektroversion mit fast 27.000 Euro etwa dreimal so viel wie das Basismodell. Ein weiteres Problem ist die Reichweite: Derzeit muss ein reines E-Auto im Schnitt nach 150 Kilometern neu geladen werden, doch dafür fehlt vor allem auf dem Land die notwendige Infrastruktur. Und die niedrigen Spritpreise motivieren derzeit auch nicht gerade zum Abschied vom Benziner.

  • Wie will die Koalition mehr Autos auf die Straße bringen?

    Eine staatliche Kaufprämie, die immer wieder gefordert wird, ist derzeit nicht vorgesehen. Stattdessen sollen E-Autos die innerstädtischen Busspuren nutzen können und spezielle, kostenfreie Parkplätze erhalten. Allerdings schafft der Bundestag mit seinem Gesetz lediglich die rechtliche Grundlage dafür. Ob den Elektroautos tatsächlich solche Privilegien eingeräumt werden, muss jede Kommune für sich selbst entscheiden.

  • Stoßen die Gesetzespläne auf Zustimmung?

    Eher nicht. Kaum eine deutsche Großstadt will ihre Busspuren für Elektroautos öffnen. So haben Berlin, Hamburg und München bereits deutliche Ablehnung signalisiert: Mit Bussen, Taxis und Krankenwagen sei bereits die Grenze der Belastbarkeit erreicht. Auch der Deutsche Städtetag warnt, die Zulassung weiterer Fahrzeuge auf der Busspur würde den öffentlichen Nahverkehr verlangsamen. Die Forderungen nach staatlichen Kaufanreizen reißen ebenfalls nicht ab. So wünscht sich die Autoindustrie großzügige Steuererleichterungen für elektronische Firmenwagen. Für Privatleute brachte der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) eine Kaufprämie von 5000 Euro ins Gespräch. Ähnliche Regelungen gibt es bereits in Frankreich und China. Doch davon will die Bundesregierung nichts wissen.

Die Bundesregierung will so ihr selbst gestecktes Ziel, dass bis 2020 mindestens eine Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs sind, noch erreichen. Ohne staatliche Subventionierung, so viel ist klar, ist die ehrgeizige Vorgabe nicht zu schaffen. Eigentlich ging die Regierung Ende 2014 von 100.000 verkauften Elektrofahrzeugen aus. Tatsächlich waren es etwa ein Viertel.

Bundesregierung will Gebrauchtwagenmarkt schaffen

Vor allem über die Dienstwagenflotten will die Politik die Elektromobilität anschieben. Ein Modell, das Schäuble derzeit durchrechnet, sieht eine Sonderabschreibung von 50 Prozent des Verkaufspreises im ersten Jahr vor. Dadurch könnten die Unternehmen ihre Gewinne drücken und Steuern sparen. Die hohen Anschaffungspreise für Elektrofahrzeuge werden so künstlich gedrückt. Der Restwert wird dann in den Folgejahren abgeschrieben.

Die Bundesregierung könnte damit vor allem einen Gebrauchtwagenmarkt schaffen, den es bislang nicht gibt. Die Unternehmen scheuen bislang vor Elektrofahrzeugen in Dienstwagenflotten, weil sie nicht wissen, für wie viel Euro sie die Wagen nach ein paar Jahren wieder verkaufen können. Steuerliche Anreize könnten diesen Makel beheben.

Ohne die Bundesländer geht das aber nicht. Sie müssten einen Teil der Mindereinnahmen, der durch die Sonderabschreibung entsteht, übernehmen, heißt es im Finanzministerium. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) rechnet vor, dass der reale Steuerausfall im ersten Jahr bei rund 30 Millionen Euro liegen würde. Ab dem zweiten Jahr wären die Steuermindereinnahmen bei rund 200 Millionen Euro. Später würden die Einnahmen aber wegen der geringeren Abschreibungsraten wieder steigen. Langfristig seien deshalb Sonderabschreibungen steueraufkommensneutral, so Wissmann.

Mit welchen Hindernissen Elektroautos kämpfen

  • Preis

    Noch sind die reinen E-Autos deutlich teurer als ihre Benzin-Pendants. Ein Beispiel: Der E-Golf von Volkswagen ist ab 35 000 Euro zu haben. Ein Golf mit vergleichbarer Ausstattung kostet nur 24 150 Euro. Doch das könnte sich ändern. Laut Berechnungen des Ingenieurbüros P3 sind Elektrofahrzeuge ab dem Jahr 2018 beim Preis wettbewerbsfähig, wenn nicht sogar im Vorteil. Dabei werden neue Batterien zu Grunde gelegt, die einen höheren Nickelanteil vorweisen.

  • Die Reichweite

    Die Batterietechnologie, die für den Preis verantwortlich ist, ist auch der Grund für einen weiteren Knackpunkt: Für den E-Golf gibt Volkswagen eine Reichweite zwischen 130 und 190 Kilometern an. Für eine Fahrt in den Urlaub dürfte das kaum reichen, zumal die Zahl der Ladepunkte in Deutschland im Vergleich zu den herkömmlichen Tankstellen noch klein ist. Auch das dürfte sich aber mit der Weiterentwicklung der Batterietechnologie ändern.

  • Infrastruktur

    Vor allem auf dem Land kann die geringe Reichweite zum Problem werden. Deutschland liegt laut der Nationalen Plattform Elektromobilität mit 4800 Ladepunkten an 2400 Standorten im internationalen Mittelfeld. Nach dem Willen der EU Kommission sollen bis 2020 in Deutschland 150 000 öffentlich zugängliche Ladestationen entstehen. Zum Vergleich: Laut ADAC lag die Zahl der herkömmlichen Tankstellen 2013 bei 14 328.

  • Förderung

    Smart-Chefin Annette Winkler spricht sich schon lange offen für eine Förderung von E-Autos aus. Das müssen nicht unbedingt finanzielle Anreize sein: Der Bundestag erlaubte jüngst Städten und Gemeinden, kostenlose Parkplätze für E-Autos zu reservieren und ihnen die Nutzung von Busspuren zu erlauben. Ob das ausreicht, zweifelt unter anderem VDA-Präsident Matthias Wissmann an. Er fordert finanzielle Impulse - wie zum Beispiel Sonderabschreibungsregeln für Firmenwagen. In anderen Ländern wie den USA, China oder Frankreich bekommen Käufer Cash vom Staat beim Kauf eines E-Autos.

  • Angebot

    Nach Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) rollten Ende 2014 knapp 19 000 reine E-Autos auf deutschen Straßen. Die Zahl der sogenannten Plug-In-Hybride, die die Bundesregierung zu den E-Autos zählt und die sowohl an der klassischen Tankstelle als auch an der Steckdose betankt werden, lag bei 108 000. Insgesamt waren 44,4 Millionen Pkw in Deutschland unterwegs. Das Ziel der Bundesregierung von einer Million elektrisch betriebenen E-Autos bis 2020 liegt damit noch in weiter Ferne. An der Auswahl kann es nicht liegen: Im vergangenen Jahr kamen laut Verband der Automobilindustrie (VDA) 17 neue Serienmodelle mit Elektroantrieb auf den Markt. 2015 sollen noch einmal zwölf weitere hinzukommen. Selbst der elektroskeptische Porsche-Chef plant offenbar mit einem E-Auto: Zuletzt schloss Müller nicht mehr aus, dass das bis Ende des Jahrzehnts geplante nächste Porsche-Modell rein elektrisch betrieben wird.

Die Bundesländer wollen sich noch in den kommenden Wochen entscheiden, in welcher Form sie Kaufanreizen zustimmen werden. Niedersachsen hat eine Gesetzesinitiative ins Spiel gebracht, die eine Kaufprämie für alle vorsieht. Hessen hingegen bevorzugt wie Schäuble sie steuerliche Förderung. Eine gemeinsame Bundesratsinitiative wird es wohl im Juli geben.

Weitere Artikel

Auf der in der kommenden Woche stattfindenden Nationalen Konferenz Elektromobilität in Berlin, auf der Minister, Konzernchefs und die Bundeskanzlerin über den aktuellen Stand diskutieren werden, wird es noch keine Entscheidung geben. Dort wird es dann heißen: Deutsche Autohersteller gehören bei der Elektromobilität neben den USA zu den weltweit führenden Anbietern. Der deutsche Absatzmarkt hingegen kommt nicht in Fahrt.

Dann wird sicher eifrig über Norwegen diskutiert: Dort ist bereits jeder vierte Autokauf – bislang staatlich gefördert – ein Elektroauto.

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