Elektromobilitätsgesetz: Viel Lärm um nichts

ThemaElektroautos

KommentarElektromobilitätsgesetz: Viel Lärm um nichts

von Christian Schlesiger

Elektroautos sollen künftig die Busspuren mitbenutzen können. So will es die Bundesregierung. Doch die Kommunen werden da nicht mitziehen. Das Gesetz ist ein Placebo.  

Die Kritik am Elektromobilitätsgesetz, das die Bundesregierung heute auf den Weg gebracht hat, ließ nicht lange auf sich warten. Das Gesetz „privilegiert Luxusautos“, moserte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Der Grüne Verkehrsexperte Stephan Kuhn ergänzte, der Vorschlag, auch Hybridfahrzeuge mit herkömmlichem Verbrennungsmotor zu fördern, die nur im kurzen elektrischen Betrieb umweltfreundlich sind, sei „völlig aus der Spur“.

So wahr die Kritik im Kern ist, so irrelevant ist sie. Die Bundesregierung will mit dem Gesetz Elektromobilität fördern, indem Stromer künftig auf Busspuren fahren können. Das soll den Autoabsatz anheizen.

Anzeige

So soll das Ziel von einer Million Elektroautos bis 2020 erreicht werden. Das Gesetz gibt den Kommunen die „Möglichkeit, die Elektromobilität so zu fördern, wie es vor Ort am meisten Sinn macht", erklärte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks.

Die größten Hersteller von Elektroautos in Deutschland

  • Platz 10

    Ford: 59 zugelassene Elektroautos

    Seit 2013 hat Ford den Focus Electric im Angebot. Doch der große Erfolg blieb dem E-Focus bislang verwehrt: In Deutschland wurden bis zum ersten Halbjahr 2014 gerade einmal 59 Fahrzeuge zugelassen.

  • Platz 9

    Tesla: 638 zugelassene Elektroautos

    Mit dem Roadster wurde Tesla einst als Elektropionier gefeiert, auch das aktuelle Model S sorgt für Furore. Doch der Aufschwung scheint gerade erst zu kommen: Bereits im ersten Halbjahr 2014 wurden mehr als doppelt so viele Elektroautos von Tesla verkauft als im ganzen Jahr 2013.

  • Platz 8

    Mitsubishi: 926 zugelassene Elektroautos

    Mitsubishi zehrt bei den Elektroautos noch von den Erfolgen des iMiev aus dem Jahr 2011. Damals konnten die Japaner mangels Konkurrenz fast 700 Elektroautos verkaufen. Doch seitdem hat das Interesse am iMiev in Deutschland stark abgenommen, weshalb bis heute nur noch knapp 200 weitere Fahrzeuge dazugekommen sind.

  • Platz 7

    Citroën: 948 zugelassene Elektroautos

    Wie bei Mitsubishi ist die erste Welle des Elektro-Erfolgs bei Citroën wieder abgeklungen. Kein Wunder, schließlich ist der C-Zero der Franzosen mit dem Mitsubishi iMiev baugleich. Er hatte 2012 sein bestes Jahr, danach retteten noch einige Zulassungen für das Citroën-eigene Carsharing die Statistik.

  • Platz 6

    Opel: 1450 zugelassene Elektroautos

    Kein Elektroauto verkaufte sich so gut wie der Opel Ampera. Leider gilt das nur für das Jahr 2012. Seitdem ging es mit den Ampera-Zulassungen bergab, von 828 im Jahr 2012 auf 335 im Jahr 2013. Seit Jahresbeginn 2014 fanden nur noch 46 Amperas einen Käufer.

  • Platz 5

    Nissan: 1712 zugelassene Elektroautos

    Bei Nissan sind die Zulassungszahlen für den Leaf konstanter. Nach dem Anlauf-Jahr 2012 fanden im vergangenen Jahr 855 Leafs einen Abnehmer. Im ersten Halbjahr 2014 waren es wieder knapp 400, womit das Gesamtjahr auf dem Vorjahresniveau liegen könnte.

  • Platz 4

    Renault: 1801 zugelassene Elektroautos

    Mit ihrer Submarke Renault Z.E. gelten die Franzosen als Vorreiter im Elektromarkt. Neben den 1532 Zoe haben seit der Erfassung 2011 auch 269 Fluence Z.E. einen Käufer gefunden. Doch der Erfolg könnte noch größer sein: Der ausgefallene Twizy taucht in der Statistik nicht auf – er zählt offiziell als Quad.

  • Platz 3

    BMW: 1935 zugelassene Elektroautos

    Quasi aus dem Stand schafft es BMW auf das Treppchen. Obwohl der i3 erst im November 2013 auf den Markt gekommen ist, brachte er es bis Jahrsende auf 559 Zulassungen. Bis Ende Juni 2014 kamen 1376 weitere dazu.

  • Platz 2

    Volkswagen: 2050 zugelassene Elektroautos

    Beim größten deutschen Autohersteller wurde die Elektromobilität lange stiefmütterlich behandelt. Doch mit dem Start des E-Up und des E-Golfs stiegen die Zulassungen rapide an. Im ersten Halbjahr 2014 lagen beide Modelle mit knapp über 500 Zulassungen fast gleichauf. Der E-Up konnte aber 2013 schon 785 Zulassungen absahnen, als der Elektro-Golf noch gar nicht auf dem Markt war.

  • Platz 1

    Daimler: 3612 zugelassene Elektroautos

    Die Kleinwagenmarke Smart führt Daimler an die Spitze. Die drei Zulassungen des sündhaft teuren Elektro-SLS sind vernachlässigbar, ebenso die Elektro-B-Klasse. Den Großteil holt Daimler mit dem Smart electric drive, von dem alleine 2013 fast 1900 Exemplare zugelassen wurden. Daran ist das hauseigene Carsharing Car2go nicht unschuldig.

    Quelle: Statista.de, Stand 1. Halbjahr 2014

Doch wo ist die Freigabe der Busspuren sinnvoll? Die meisten Kommunen werden antworten: „Nicht bei uns“.

Bestes Beispiel München: Die Stadt verfügt über 22 Kilometer Busspuren. Auf den meisten fahren schon Straßenbahnen, was eine zusätzliche Nutzung von Elektroautos ausschließt. Es bleiben unterm Strich 1,7 Kilometer, auf denen Elektroautos fahren könnten. Doch darauf fahren schon heute jede Stunde bis zu 18 Buslinien. Die Durchschnittsgeschwindigkeit der Stadtbusse beträgt wegen der Wartezeiten an den Haltestellen gerade mal 20 Stundenkilometer. Jede Verzögerung würde die Sinnhaftigkeit der Busspur ad absurdum führen.

So wie München gehen auch andere Städte wie Berlin und Hamburg auf Distanz zu der Initiative aus den Bundesverkehrs- und umweltministerien. Die Busspuren hätten in den Städten bereits ihre Kapazitätsgrenze erreicht. In der Regel fahren dort nämlich auch Taxis und Fahrradfahrer. Auch der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hat sich ablehnend gegenüber der Busspur-Freigabe geäußert.

Als Abschreckung dient den Kritikern Norwegen, dem Vorreiter der Elektromobilität, wo die rund 27.500 norwegischen Stromer, die vor allem in der Hauptstadt unterwegs sind, längst die Busspuren verstopfen. Die Fahrpläne geraten in den Hauptstunden aus dem Takt. Die Verwaltung erwägt eine Änderung der Privilegien.

Weitere Artikel

Die Freigabe der Busspuren wird sich also nicht durchsetzen. Die Angst vor Tesla- und BMW-Fahrern, die mit ihren teuren Elektrofahrzeugen den öffentlichen Nahverkehr kaputt machen, ist deshalb übertrieben.

Dennoch ist das Gesetz wichtig. Denn bislang war es den Städten kaum möglich, Parkplätze für das Aufladen von Elektroautos freizugeben. Das Straßenverkehrsgesetz verbietet die Privilegierung von öffentlichen Raum für einzelne Verkehrsteilnehmer. Zwar gab es hier und da schon mal eingezeichnete Stellplätze für E-Autos. Doch die Städte bewegten sich im rechtlichen Graubereich. Nun bekommen sie Rechtssicherheit. Das ist schon mal ein Fortschritt.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%