
Die Symptome kommen plötzlich: Schwindelgefühl, Sehstörungen, Schweißausbrüche, Herzrasen. Die Ärzte sind ratlos. Doch für viele Betroffene, die sich selbst elektrosensibel nennen und sich in Internet-Foren über ihre Leiden austauschen, steht fest, was die Ursache all dessen ist: Hochspannungsleitungen und der Elektrosmog, den sie ausstrahlen.
Stromtrassen werden von vielen Bürgern seit Langem für Beschwerden wie Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit verantwortlich gemacht. Medien berichten auch immer wieder über Studien, die Freileitungen angeblich in Verbindung bringen mit Leukämie und Alzheimer, Krebs und Depressionen. Und so bangen, wo immer in Deutschland neue Energietrassen geplant sind, Anwohner um ihre Gesundheit: „Strom macht krank“, glaubt die Bürgerinitiative „Pro Erdkabel NRW“.
Was umgangssprachlich Elektrosmog genannt wird, sind elektrische und magnetische Felder. Sie treten überall auf, wo Strom fließt. Sichtbar sind sie für den Menschen nur selten, etwa an Kompassnadeln, die vom Magnetfeld der Erde angezogen werden, oder bei Entladungen zwischen Hand und Türklinke. Bei Hochspannungsleitungen sind sie direkt unter den Kabeln am intensivsten und nehmen mit wachsendem Abstand stark ab.
Bild: dpaFinger weg von Kraftwerksstilllegungen!
Die Warnung der Bundesnetzagentur ist eindeutig: „Stilllegungen weiterer konventioneller Kraftwerke ist derzeit in Deutschland nicht vertretbar.“ Bundestag und Bundesregierung müssten entsprechende Vorschriften verabschieden, um Kraftwerksstilllegungen im Bereich der konventionellen Erzeugung zu unterbinden.
Bild: dpaVorsicht vor zu viel Windstrom!
Um das Übertragungsnetz vor Überlastungen zu schützen, müssen die Netzbetreiber klarer als bisher Strom von Windkraftanlagen ablehnen und diese vom Netz nehmen dürfen.
Bild: dpaOhne Österreich geht nichts
Im vergangenen Winter mussten mehrfach österreichische Kraftwerke gezielt einspringen, um Lücken bei der Versorgung mit Strom zu sorgen, der für die Regelung im Netz benötigt wird. Diese Rerservekraftwerke, so die Bundesnetzagentur, „werden in etwa gleicher Größenordnung auch im folgenden Winter benötigt“.
Bild: APRiesenstress im Netz
Die Einspeisung und der Transport von immer mehr Windstrom von Nord- nach Süddeutschland zwang die Netzbetreiber zu gigantisch mehr Stromzuführungen und Abschaltungen als im Vorjahr. Im Netz im bayrischen Kriegenbrunn musste der Netzbetreiber Tennet mit 300-mal so viel Strom wie im Vorjahr gegensteuern, an der polnischen Grenze bei Vierraden musste der Netzbetreiber 50 Hertz mit fast 180-mal und im niedersächsischen Conneforde Tennet mit fast 100-mal so viel Strom eingreifen. Mussten die Netzbetreiber im Winter 2010/11 nur 39-mal die Einspeisung von Strom drosseln, war dies jetzt in 197 Fällen notwendig.
Bild: dpaUnkontrollierter Ausbau der Windkraft
Die Gründe für den Dauerstress im vergangenen Winter, so die Bundesnetzagentur, liegen „im unverminderten Zubau von Windleistung“. Vor allem in Norddeutschland.
Bild: dpaPer saldo bleibt Deutschland Stromexporteur
Trotz der Abschaltung von acht AKW exportierte Deutschland auch diesen Winter mehr Strom als importiert wurde. Der Überschuss der Exporte veränderte sich „nur marginal“, errechnete die Bundesnetzagentur. Ursache dafür war die Inbetriebnahme von Solaranlagen mit einer Leistung von 7.500 Megawatt, fast so viel wie sieben mittelgroße Atomreaktoren, sowie von Windanlagen mit 1.800 Megawatt.
Bild: dpaNiedrigerer Preis am Strommarkt
Der Preis am Spotmarkt, bei dem sich Kunden kurzfristig mit Strom eindecken, lag im vergangen Winter um etwa acht Prozent niedriger als vor einem Jahr. „Mögliche Gründe“, so die Bundesnetzagentur, „könnten in der gestiegenen Einspeisung aus Photovoltaik-Anlagen sowie Windkraftwerken liegen, die sich dämpfend im Preis niederschlägt.“ Immerhin hätten diese Anlagen im vergangenen Winter 38 Prozent mehr Strom eingespeist als vor einem Jahr. Hinzukäme der vergleichsweise milde Winter und ein entsprechend niedrigere Stromnachfrage.
Bild: dapdTraditioneller Kraftwerkspark schrumpft zu schnell
Die neuesten Planungen der Kraftwerksbetreiber laufen darauf hinaus, dass im Laufe des Jahres so viel Anlagen den Betrieb einstellen, dass im kommenden Winter in Deutschland 1000 Megawatt Leistung weniger als noch vor kurzem prognostiziert zur Verfügung stehen, fast so viel wie ein mittleres Kernkraftwerk. Der Abbau konventioneller Kraftwerke insbesondere in Süddeutschland, warnt die Bundesnetzagentur, wirke sich deshalb „negativ auf die Versorgungssicherheit“ aus.
Bild: dpa30 Prozent Reserve, aber zu wenig Steuerungsmasse
Sieht man von Stromimporten und -exporten ab, reichten rund 70 Prozent des herkömmlichen Kraftwerkparks aus, um den Höchstverbrauch in Deutschland, am 16. November 2011 um 17.45 Uhr, zu decken. Hauptproblem war jedoch der Mangel an Strom am 13. Februar, um den Ausgleich im Netz zu gewährleisten. Diese Lücke konnten die Netzbetreiber nur mit Mühe durch Importe im letzten Augenblick schließen.
Bild: dapdBlackout-Gefahr durch Gasmangel
Der durch Lieferprobleme des russischen Gazprom-Konzerns verursachte Gasmangel bei Kraftwerken in Süddeutschland beschwor im Februar eine brenzlige Situation herauf. Laut Netzbetreibern war es nicht möglich, Reserven zu mobilisieren. „Wäre es in dieser Situation zum Ausfall eines größeren Kraftwerks gekommen, hätte kaum noch Handlungsspielraum bestanden“, resümiert die Bundesnetzagentur. Auch aus diesem Grund gebe es einen „dringenden Zubaubedarf“ bei traditionellen Kraftwerken.
Finger weg von Kraftwerksstilllegungen!
Die Warnung der Bundesnetzagentur ist eindeutig: „Stilllegungen weiterer konventioneller Kraftwerke ist derzeit in Deutschland nicht vertretbar.“ Bundestag und Bundesregierung müssten entsprechende Vorschriften verabschieden, um Kraftwerksstilllegungen im Bereich der konventionellen Erzeugung zu unterbinden.
Angst vor Alzheimer
Nachgewiesen ist bisher nur, dass elektromagnetische Felder ab einer bestimmten Schwelle Nerven- und Muskelzellen reizen können. Kommt die Nervenleitung im Körper zu sehr durcheinander, drohen zum Beispiel Herzrhythmusstörungen. Die gesetzlich erlaubten Feldstärken in der Nähe von Hochspannungsleitungen liegen aber ungefähr 100 Mal unter dieser Schwelle. „Die Grenzwerte für Hochspannungsleitungen sind nach heutigem Wissensstand geeignet, schädliche Wirkungen auf den menschlichen Körper zu verhindern“, sagt Anja Schulte-Lutz, Expertin vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Der Elektrosmog der umstrittenen Strippen wird im Übrigen oft von Geräten aus dem Haushalt übertroffen, die nah am Körper verwendet werden. „Ein Haarföhn in der Hand kann stärkere Felder erzeugen als die Stromleitung vor der Tür“, sagt Achim Enders, Leiter des Instituts für Elektromagnetische Verträglichkeit der Technischen Universität Braunschweig. Ähnliches gilt für den Elektrorasierer im Bad oder das Radio auf dem Nachttisch.
Doch wie sieht es mit anderen Krankheitsrisiken aus, von denen womöglich niemand etwas ahnt? Zum Beispiel Alzheimer: Laut einer Studie der Universität Bern haben Menschen, die länger als 15 Jahre in einem Umkreis von 50 Metern um eine Hochspannungsleitung wohnen, ein doppelt so hohes Risiko, das gefürchtete Leiden zu entwickeln, als Menschen, die keine Stromtrasse in der Nähe ihrer Wohnung haben. Zu dem Ergebnis kamen die Forscher, nachdem sie 9200 Alzheimer-Todesfälle aus der Schweiz untersuchten. 20 Betroffene hatten nah an einer Stromtrasse gewohnt. Verglichen mit dem Bevölkerungsdurchschnitt, hätten es nur zehn sein sollen.
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